Christliche Aktionäre machen Druck


Die Bank für Kirche und Diakonie mobilisiert ihre Kunden. Sie sollen ihre Stimme auf Hauptversammlungen erheben. Es geht um Arbeiterrechte, gegen Kinderarbeit und Streumunition.


(23.12.2011)

Wer nur eine einzige Aktie hat, hat das Recht, auf den Hauptversammlungen der Unternehmen zu reden und über Grundlegendes abzustimmen: Aufsichtsratsposten, Gehälter, Geschäftspolitik. Je mehr Aktien jemand hinter sich hat, desto mehr wiegt seine Stimme. Das will zum ersten Mal eine deutsche Kirchenbank nutzen: Die Bank für Kirche und Diakonie (KD) in Dortmund, bei der mehr als 5500 vor allem evangelische Institutionen ihr Geld haben, organisiert seit Ende November zusammen mit der Fondsgesellschaft Union Investment die unternehmerische Mitbestimmung ihrer kirchlichen Investoren.

„Unsere Kunden haben über die Unternehmensanteile die Möglichkeit, Einfluss auf Unternehmen zu nehmen – und Dinge zu verändern, die ihren Werten widersprechen“, sagt Susanne Hammans, Sprecherin der KD-Bank. „Wir müssen diese Macht der Kunden nur zusammenführen.“ Alle institutionellen Kunden sind eingeladen, ihre Unternehmensanteile in einer gemeinsamen Plattform zu bündeln, damit so viele Stimmrechte wie möglich für die Hauptversammlungen der jeweiligen Firmen zusammenkommen. Dabei werden die Stimmrechte an einen Vertreter der Union Investment übertragen, der die Forderungen der kirchlichen Investoren in den Hauptversammlungen stellvertretend anspricht und nach ihrem Wunsch abstimmt. So kann er mehr christliche Ethik in die Wirtschaft bringen, hofft die Bank.

Die Idee, kritische Aktionärsstimmen zusammenzuführen, ist nicht neu. „Man kann auf Hauptversammlungen als Aktionär viel Druck aufbauen. Denn man spricht öffentlich und kann so dem Image der Unternehmen schaden“, sagt Markus Dufner, Geschäftsführer des Dachverbands Kritische Aktionäre in Köln. 1300 Aktionäre sind hier mit mehreren Nichtregierungsorganisationen zusammengeschlossen, die zu verschiedenen Unternehmensthemen Informationen sammeln und sich auf Hauptversammlungen zu Wort melden – seit 25 Jahren.

Erst vor kurzem hat sich Joseph Ackermann vor ihnen gebeugt. „Wir möchten nicht Teil davon sein“, sagte der Chef der Deutschen Bank, nachdem ihn die Kritischen Aktionäre auf der Hauptversammlung mit den Schattenseiten einiger seiner Investitionen konfrontierten – medienwirksam natürlich. Eingeladen war ein serbischer Minenräumer, der durch die Streubombe eines Firmenkunden der Deutschen Bank Hände und Füße verlor. „Jetzt hat die Deutsche Bank mitgeteilt, nicht mehr im Bereich Streumunition zu investieren“, sagt Dufner.

Im nächsten Jahr soll auf der Hauptversammlung ein für die Deutsche Bank und den Rüstungskonzern Rheinmetall profitables Geschäft Thema der unbequemen Aktionäre sein und erneut am Image der Bank kratzen. „Investition in Rüstung tötet Unschuldige“, erklärt Dufner die Motivation. Welche Themen die Aktionäre der KD-Bank ansprechen wollen, planen sie in einem Arbeitskreis. Die Informationen über die Unternehmen liefert Union Investment, die die Fonds der Volksbanken und Raiffeisenbanken sowie der genossenschaftlichen Banken wie der KD-Bank verwaltet. „Beteiligungen an Firmen, die an Streubomben oder Landminen verdienen, sind durch unsere Anlagegrundsätze von vornherein ausgeschlossen“, sagt Firmensprecher Christian Lienke.

Bei Union Investment finden rund 2000 Gespräche jährlich mit Topmanagern der Unternehmen statt. „Da sprechen wir die Themen der aktiven Aktionäre ebenfalls an, um Einfluss zu nehmen“, sagt Lienke. Die ersten Kunden hat die KD-Bank bereits von der neuen politischen Dienstleistung überzeugt: Die Evangelische Kirche in Deutschland, kirchliche Versorgungskassen sowie einige Landeskirchen und diakonische Werke machen mit. Auch das Thema für die kritische Einflussnahme steht fest: Arbeitsrechte und Kinderarbeit. Miriam Bunjes, epd

Quelle: Augsburger Allgemeine

<<< zurück zu: Kampagne