Assads Truppen sollen Streubomben abgeworfen haben


Laut Human Rights Watch existieren neue Beweise, dass syrische Truppen Streubomben gegen die Rebellen einsetzen.


(c) Norwegian People´s Aid

(14.10.2012)

Beirut/Amman (Reuters) - Der an die Türkei grenzende Nordwesten Syriens gerät immer stärker ins Zentrum des Bürgerkrieges.

Rebellen umzingelten nach Darstellung von Oppositionellen am Wochenende einen Stützpunkt bei Urum al-Sughra und schossen ein Kampfflugzeug der Luftwaffe ab. Machthaber Baschar al-Assad greift einer Menschenrechtsgruppe zufolge im Kampf um die Macht auch auf die völkerrechtlich geächtete Streumunition zurück, die verheerende Schäden anrichten kann. Assad ließ zugleich den Streit mit der Türkei eskalieren und sperrte den syrischen Luftraum für Flugzeuge des Nachbarlandes. Die Türkei reagierte am Sonntag mit dem selben Schritt.

Durch die Belagerung des Stützpunktes bei Urum al-Sughra saßen der Opposition zufolge Hunderte syrische Soldaten in der Falle. Ein Versuch, die Garnison freizukämpfen, sei gescheitert. Die Rebellen hätten eine zur Rettung in Marsch gesetzte gepanzerte Kolonne angegriffen und gestoppt, erklärte ein Vertreter der Opposition. Einen zur Unterstützung der Regierungstruppen eingesetzten Kampfjet hätten die Assad-Gegner abgeschossen.

Nach eigener Darstellung haben die Rebellen die Kontrolle über das landwirtschaftlich geprägte Gebiet ausgeweitet. Mehrere Städte seien in ihrer Gewalt. Die Aufständischen hätten zudem Geländegewinne westlich der Provinzhauptstadt Idlib erzielt.

Ebenfalls im Nordwesten Syriens liegt Marat al-Nunam, das die Rebellen vergangene Woche einnahmen. Im Kampf um die Stadt, durch welche die Autobahn zwischen den Metropolen Damaskus und Aleppo führt, sollen die Regierungstruppen auch Streubomben eingesetzt haben. Flugzeuge und Hubschrauber der Regierung hätten diese Bomben vor allem bei Gefechten um die Schnellstraße abgeworfen, berichtete die Organisation Human Rights Watch. Auch andere Ziele seien mit der aus Russland gelieferten Munition bombardiert worden, die Hunderte kleine Sprengsätze abfeuert.

"Syriens Missachtung seiner Zivilbevölkerung tritt bei den Luftangriffen offen zutage, bei denen tödliche Streumunition über Wohngebieten abgeworfen wird", erklärte die in New York ansässige Organisation. Sie hatte Assad den Einsatz dieser Waffen bereits im Juli und August vorgeworfen.

Die Munition ist wegen ihrer verheerenden Wirkung in mehr als 100 Ländern verboten und durch das Völkerrecht geächtet. Weil die kleinen Bomben oft nicht sofort explodieren, stellen die Blindgänger auch nach den Kämpfen vor allem für spielende Kinder eine Gefahr dar. Der Konvention gegen die Streumunition, die 2010 rechtskräftig wurde, sind Syrien, Russland, China und die USA nicht beigetreten.

ASSAD VERSCHÄRFT STREIT MIT DER TÜRKEI

Weil wegen der Kämpfe im Nordwesten Syriens immer wieder Orte in der Türkei ins Feuer geraten, verschlechtert sich das Verhältnis der einst verbündeten Nachbarländer zusehends. Türkische Soldaten haben etwa Ziele in Syrien angegriffen. Am Samstag sperrte Syrien seinen Luftraum für türkische Flugzeuge. Nur wenige Tage nach der erzwungenen Landung einer aus Moskau kommenden syrischen Maschine in Istanbul bezeichnete die Regierung in Damaskus den Schritt als Vergeltungsmaßnahme. Die Türkei verbot syrischen Maschinen ihrerseits den Überflug.

Die Türkei hatte den Vorwurf erhoben, in der Maschine werde militärisches Gerät für Syrien transportiert. Sie werde im Verdachtsfall jederzeit syrische Maschinen zur Landung zu zwingen.

Bundesaußenminister Guido Westerwelle stellte sich im Streit über die mutmaßlichen Waffentransporte hinter die Türkei. "Nach internationalem Recht muss die Türkei es nicht dulden, dass über ihren Luftraum Waffen oder rüstungsrelevante Güter nach Syrien transportiert werden", sagte er nach einem Treffen mit seinem türkischen Kollegen Ahmed Davutoglu.

Quelle: Reuters

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