Logo von www.landmine.de

Einweihung des „Mahnmals für die unbekannten Zivilistinnen und Zivilisten“ in Berlin

Berlin gedenkt der unbekannten Opfer von Bombardierungen

Vorne liegt das Mahnmal mit einem Kranz. Dahinter stehen Menschen in einem Halbkreis und halten sehr große Portraits hoch. Im Hintergrund das Brandenburger Tor.

Das temporäre Mahnmal für die unbekannten Zivilistinnen und Zivilisten vor dem Brandenburger Tor. Gemeinsam mit Portraits von Überlebenden von Angriffen mit Explosivwaffen. © Marlene Garwisch / HI

Berlin, 8. Oktober 2020: Unter der Schirmherrschaft von Berlins Regierendem Bürgermeister Michael Müller haben Dr. Klaus Lederer, Bürgermeister von Berlin und Senator, Dr. Inez Kipfer-Didavi, Geschäftsführerin von Handicap International Deutschland, und Nivin Almaksour, syrische Überlebende von Explosivwaffeneinsätzen, am „Mahnmal für die unbekannten Zivilistinnen und Zivilisten“ vor dem Brandenburger Tor einen Kranz niedergelegt. Stellvertretend wurden Namen getöteter und verletzter Zivilist*innen verlesen, während Bundestagsabgeordnete die überlebensgroßen Porträts von Betroffenen präsentierten. Im Rahmen ihrer weltweiten Kampagne „Stop Bombing Civilians“ forderte die gemeinnützige Organisation die internationale Staatengemeinschaft auf, die Zivilbevölkerung endlich besser gegen Bombardierungen zu schützen.

Handicap International (HI), Co-Preisträgerin des Friedensnobelpreises 1997, machte mit dieser eindrücklichen Zeremonie am temporären Mahnmal auf die zahlreichen unbekannten zivilen Opfer von Explosivwaffenangriffen auf Wohngebiete aufmerksam.

Bürgermeister und Senator für Kultur und Europa des Landes Berlin, Dr. Klaus Lederer:

„Eine drastische Folge von Explosivwaffeneinsätzen ist die erzwungene Flucht: Wenn Menschen durch Bombardierungen nicht ihr Leben verlieren, dann zu oft ihr Zuhause, sie müssen fliehen, um ihr nacktes Leben zu retten. Auch in Berlin haben viele Geflüchtete eine Zuflucht gefunden, die dieses Martyrium unschuldig durchlitten haben. Darunter auch viele Kinder, die – und das muss man sich einmal vorstellen - hier erstmalig Frieden erleben, angstfrei Nächte durchschlafen können, mit Freunden unbekümmert spielen. Ich hoffe sehr, dass die Forderung von Handicap International nach einem Ende des Einsatzes von Explosivwaffen in bewohnten Gebieten Einzug hält bei den laufenden Verhandlungen der Vereinten Nationen zum Schutz der Zivilbevölkerung.“

Dr. Inez Kipfer-Didavi, Geschäftsführerin von Handicap International Deutschland, wiederum würdigte die Unterstützung der Hauptstadt:

„Berlin hat selbst erfahren, welches Leid Krieg und Bombardierungen für die Zivilbevölkerung bedeuten können. Es ist ein gutes Zeichen, wenn die Stadtspitze an diesem Mahnmal ein Zeichen der Solidarität mit den Menschen setzt, die unter aktuellen Kriegen leiden.“

Das Leid der Zivilbevölkerung

Die Hilfsorganisation unterstützt in vielen Krisenregionen betroffene Menschen.

Nivin Almaksour, syrische Überlebende von Explosivwaffeneinsätzen, kennt dieses Leiden ganz persönlich.

„Neun Jahre Krieg, das heißt neun Jahre Bomben, Töten, Zerstörung, Vertreibung… In diesen neun Jahren habe ich alles verloren, mein Zuhause, mein Land, meine Freunde und Menschen, die mir am Herzen liegen."

„Stop bombing civilians“

Derzeit verhandelt die internationale Staatengemeinschaft bei den Vereinten Nationen in Genf eine politische Erklärung zum besseren Schutz der Zivilbevölkerung in der städtischen Kriegsführung. HI erwartet von den Regierungen Regelungen, die dem Einsatz von Explosivwaffen in bevölkerten Gebieten ein Ende setzen.
„Besonders große Bomben oder andere Explosivwaffen, die ungezielt Flächen treffen, fordern bei jedem Einsatz in Wohngebieten zivile Opfer. Dieses Leid wollen wir nicht mehr hinnehmen und fordern deshalb alle Regierungen auf, solche Waffen künftig in bevölkerten Gebieten nicht mehr einzusetzen,“ betonte Dr. Eva Maria Fischer, Leiterin der politischen Abteilung von HI Deutschland und deutsche Vertreterin des internationalen Netzwerkes gegen Explosivwaffen (INEW).

Die schreckliche Bilanz

Tagtäglich mehr als 50 zivile Opfer: Das ist die erschreckende Bilanz von Explosivwaffeneinsätzen in bevölkerten Gebieten. Ob in Syrien, im Irak oder im Jemen – ganze Städte verwandeln sich durch den Einsatz von Explosivwaffen in Trümmerfelder. Insbesondere ungezielte Angriffe und der Abwurf von Bomben auf Wohngebiete führen zu zahlreichen Opfern, die zu 90 Prozent aus der Zivilbevölkerung stammen. Die Angriffe töten oder verletzen Menschen so schwer, dass lebenslange Behinderungen bleiben. Außerdem leiden viele unter starken psychologischen Traumata. Bombardierungen führen zur Vertreibung und Verarmung der Bevölkerung, zerstören Wohnhäuser sowie grundlegende Infrastrukturen wie Krankenhäuser, Schulen, Stromversorgung, Häfen oder Brücken und zerrütten das soziale wie auch wirtschaftliche Gefüge.

<<< zurück zu: Aktuelles