15 Jahre Integriertes Programm - ein Rückblick


Bereits seit 15 Jahren trägt SODI mit seinem Integrierten Programm, das die Kampfmittelräumung mit Entwicklungsprojekten verbindet, dazu bei, die Langzeitfolgen des Krieges zu überwinden.


Im Frühjahr 2013 erhielt SODI für sein Räumprogramm in Vietnam eine Qualitätsmanagementzertifizierung. (c) SODI

(19.09.2013)

Die Provinz Quang Tri im Frühjahr 1998: Der Landstrich an der ehemaligen Trennlinie zwischen Nord- und Südvietnam ist noch immer vom Krieg, der hier der „amerikanische“ genannt wird, gezeichnet. Das Leben der Menschen ist hart. Bauern können ihre zerstörten Dörfer nicht wieder aufbauen, weil im Boden lebensbedrohende Hinterlassenschaften des Krieges lauern. Deshalb müssen viele Bauernfamilien in Überschwemmungsgebieten leben, wo ihr Hab und Gut immer wieder Hochwasser zum Opfer fällt. Nun aber schöpfen 154 Familien, die einst in den zerstörten Dörfern Phuong Coi und Tan Dinh lebten, neue Hoffnung, denn seit April befreien vietnamesische Räumteams ihr Land von Minen und Blindgängern. Die Teams werden von Spezialisten der deutschen Firma GERBERA angeleitet, die SODI in Abstimmung mit dem deutschen Auswärtigen Amt mit der Durchführung der Räumaktivitäten beauftragt hat. Die Menschen wissen, dass Phuong Coi und Tan Dinh bald ihre Wiedergeburt erleben werden. Hilfe zur Selbsthilfe wird den Bauern den Start in ein besseres Leben auf sicherem Grund erleichtern. Die damalige SODI-Projektmanagerin Dr. Monika van der Meer und ihr Mann Prof. Dr. Horst van der Meer (Vorstandsmitglied) sowie lokale Verwaltungen, die Vietnamesische Frauenunion und andere Organisationen haben sie über das gemeinsame „Integrierte Programm zur Minen- und Blindgängerräumung und zur Wiederansiedlung“ bestens informiert und zum Mittun motiviert.
Verbindung von humanitärer Kampfmittelräumung und Entwicklung
Ein Jahr vor Programmbeginn hatte die internationale Kampagne gegen Landminen mit der Ottawa-Konvention zum Verbot der Anti-Personenminen einen Höhepunkt erreicht. SODI hat sich als Mitglied des deutschen Initiativkreises gegen Landminen an der Kampagne und an der Erarbeitung eines Konzepts für Minenaktionsprogramme aus entwicklungspolitischer Sicht (Bad Honnef 1997, Berlin 1999) aktiv beteiligt. Die Praxistauglichkeit dieses zivilgesellschaftlichen Konzepts wurde in Quang Tri bald überzeugend bestätigt. Das Integrierte Programm von SODI entwickelte sich zu einem national und international anerkannten Vorbild für die Verbindung von humanitärer Kampfmittelräumung und Entwicklung. Das Auswärtige Amt finanziert die Räumaktivitäten seit 1998, das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung fördert die nachfolgenden Entwicklungsprojekte seit 1999.
SODIs Räumprogramm steht für Qualität
Inhalte der Projekte sowie Konzept und Strukturen der Kampfmittelräumung haben sich seit 1998 erheblich verändert. Nach dem kompletten Aufbau von drei Dörfern in Quang Tri nebst Einkommensförderung für die dort angesiedelten Familien konzentrierte sich die Unterstützung seit 2006 zunehmend auf die Bereiche Bildung und Gesundheit sowie auf die Hilfe für Opfer von Langzeitfolgen des Krieges. Gravierende Veränderungen gab es in der Kampfmittelräumung. Nachdem 2006 die Möglichkeiten der Zusammenarbeit mit der Firma GERBERA erschöpft waren, stand SODI als relativ breit aufgestellte entwicklungspolitische Nichtregierungsorganisation (NRO) vor der Notwendigkeit, die hochkomplexe Durchführung der Räumaktivitäten in eigener Regie zu meistern und zudem das Integrierte Programm auf die Provinz Thua Thien Hue auszudehnen – ein Prozess mit Höhen und Tiefen. Umso erfreulicher ist es, dass das Räumprogramm in Vietnam im Jubiläumsjahr eine Zertifizierung des Qualitätsmanagements nach ISO 9001 als Nachweis dafür erhielt, dass SODI als eine der wenigen NRO strikt internationalen Standards folgt. SODI steht nun vor der Herausforderung, Qualitätsmanagement und effizientere Strukturen in der Geschäftsstelle sowie eine sinnvolle Zusammenarbeit mit Kooperationspartnern zu entwickeln, um das Integrierte Programm weiter voranzubringen und die Arbeit von SODI insgesamt für die Zukunft fit zu machen.
Brücke der Solidarität
Ohne die finanzielle Unterstützung der Bundesregierung und privater Förderinstitutionen wie der Stiftung Nord-Süd-Brücken wäre das Integrierte Programm kaum durchführbar gewesen. Nicht weniger wichtig für dessen Erfolg war und bleibt das Engagement der vielen Freunde und Spenderinnen und Spender von SODI. Ich denke dabei an Marlene Vesper und den Demokratischen Frauenbund; an Eva Böller, Ernst Busche und den Bremer Solidaritätsbasar; an Horst Schmitthenner und die IG Metall; an die Berliner „Schule an den Püttbergen“; an den Sänger Sebastian Krumbiegel, an Olympiasieger Waldemar Cierpinski und Kung-Fu-Meister Chu-Tan Cuong – viele, sehr viele wären hier zu nennen, die an der Brücke der Solidarität zu den Menschen in Vietnam mitbauten. Sie alle handeln nach dem Brecht’schen Motto „Glück ist Hilfe“, das die denkwürdige Spendenaktion der Schauspielerin und Brechtschülerin Käthe Reichel für den Aufbau des Dorfes Tanh Dinh begleitete. Ich bin dankbar, dass ich in vielen Begegnungen in Vietnam, Laos und Kambodscha die Bedeutung der Worte von Bertolt Brecht erfahren durfte:
„Ach wie schön ist doch zu geben
Allen allen allen allen.
Geb ich was ich hab nicht weiter
Kann es mir doch nicht gefallen.“
 
Autorin: Ilona Schleicher, SODI-Vorstandsmitglied

Quelle: Solidaritätsdienst-international >>>

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