Anschläge, Tote, Unruhen (Irak)


In Basra und Bagdad eskaliert erneut die Gewalt. Doch Attentate, ein Hubschrauberabsturz und Angriffe auf britische Soldaten lassen George W. Bush nicht am Krieg zweifelnAuch in Bagdad kamen nach einem Anschlag neun Menschen ums Leben.


(07.05.2006)

Es war der Absturz eines britischen Hubschraubers in ein Wohngebiet, der die neue Gewaltwelle im Irak ins Rollen brachte: Nach neuen Anschlägen und Unruhen in Basra im Südirak sind am Wochenende wieder 40 Menschenleben und viele Verletztezu beklagen. In der schiitischen Pilgerstadt Kerbela südlich der Hauptstadt explodierte am Sonntag eine Autobombe und zerfetzte 20 Menschen. Nach Augenzeugenberichten raste ein Selbstmordattentäter mit seinem mit Sprengstoff beladenen Auto in einen Kontrollpunkt der irakischen Armee in der Nähe des Rathauses von Kerbela. 55 weitere Menschen wurden verletzt. Zur Tatzeit hatten zahlreiche Iraker an dem Kontrollpunkt gewartet. Bei weiteren Anschlägen in Bagdad starben elf Menschen.

Nach dem Absturz eines britischen Hubschraubers war es am Samstag in der südirakischen Stadt Basra zu stundenlangen gewalttätigen Krawallen gekommen, bei denen mindestens fünf Iraker erschossen wurden. Nach Medienberichten kamen vier Briten bei dem Absturz ums Leben. Iraker griffen britischen Soldaten mit Benzinbomben und Steinen an, als sie sich der Absturzstelle näherten. An den Angriffen hätten sich zeitweise hunderte Iraker beteiligt, sagte ein britischer Offizier dem britischen Rundfunksender BBC. Am Sonntag seien Bemühungen um die Bergung des Wracks fortgesetzt worden. Der Hubschrauberabsturz wurde möglicherweise durch Raketenbeschuss verursacht. Das britische Verteidigungsministerium konnte auch am Sonntag noch nicht die genaue Zahl der getöteten Briten und Iraker und die Absturzursache nennen.

Die tödlichen Schüsse auf irakische Zivilisten sind jedoch angeblich nicht von britischen Soldaten abgegeben worden. Namentlich nicht genannte Militärkreise sagten dem Sender BBC am Sonntag, die Schüsse seien vermutlich von Aufständischen abgefeuert worden. Diese hätten am Samstag aus der Menge heraus auf britische Soldaten geschossen und dabei wohl Zivilisten getroffen.

Eine unabhängige Bestätigung oder eine offizielle Stellungnahme zu dieser Begründung für den Tod von fünf irakischen Zivilisten - unter ihnen zwei Kinder - gab es zunächst nicht. Als möglichen Grund für zahlreiche Verletzungen, die Irakern bei den Unruhen zugefügt wurden, hieß es in den von BBC angeführten Militärkreisen, Aufständische hätten auch Minen abgefeuert.

Das britische Militär leitete nach eigenen Angaben eine Untersuchung der schweren Zusammenstöße mit mehreren Toten nach dem Hubschrauberabsturz über Basra ein. Die Lage in der Stadt, in deren Umgebung rund 8000 britische Soldaten stationiert sind, sei immer noch angespannt, berichten BBC-Reporter. Die »anti-britische Gefühle« seien sehr stark und die Zahl derjenigen Iraker, die einen baldigen Abzug der Briten wollten, wachse zusehends.

Derweil übermittelte der irakische Staatspräsident Dschalal Talabani dem britischen Premierminister Tony Blair in einem Schreiben sein Beileid zum Tod der mindestens vier Insassen des Militärhubschraubers. Talabani bezeichnete den Absturz als »abscheuliches Verbrechen gegen die Briten«. Das britische Militär hingegen hat bislang nicht bestätigt, dass der Hubschrauber tatsächlich durch einen Angriff abstürzte.
Auch in Bagdad starben neun Menschen, als am Sonntag eine in einem Bus versteckte Bombe explodierte. Der Anschlag ereignete sich unweit eines Palastes des ehemaligen irakischen Machthabers Saddam Hussein, der inzwischen vom US-Militär genutzt wird. In der Nähe der Druckerei der amtlichen Zeitung »Al-Sabah« ging eine weitere Autobombe hoch. Der Attentäter und ein weiterer Iraker starben, neun Menschen wurden verletzt, wie Augenzeugen berichteten.

Ein führender irakischer Politiker warf dem Nachbarland Iran vor, sich zunehmend in die inneren Angelegenheiten des Iraks einzumischen. In einem Interview der arabischen Zeitung »Al-Sharq al-Awsat« (Sonntag) sagte Adnan al-Dulaimi von der sunnitischen Konsensfront, es mehrten sich Klagen über Aktivitäten des iranischen Geheimdiensts in einigen irakischen Regionen. Besonders aus der Mitte und dem Süden des Iraks kämen Berichte, wonach der iranische Geheimdienst Büros eingerichtet habe, sagte Dulaimi. Diese Angaben könne er jedoch nicht bestätigen. Das sei Sache der Regierung.

US-Präsident George W. Bush verteidigte unterdessen in der ARD- Sendung »Sabine Christiansen« erneut den Irak-Krieg. »Saddam Hussein war ein sehr gefährlicher Mann. Ihn aus der Macht zu entfernen, war der richtige Schritt.« Bush betonte, dass sich der Irak auf dem richtigen Weg hin zu einer Demokratie nach westlichem Vorbild befinde. Diese Entwicklung brauche allerdings Zeit. »Der einzige Weg den Irak zu verlieren, ist, wenn wir die Nerven verlieren. Also wenn wir uns zurückziehen, bevor die Arbeit gemacht ist. Solange ich Präsident bin, wird es das nicht geben.«

Von: 8.5.2006 Die Zeit

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