Atempause zwischen Minen und verbrannten Feldern: Lokalaugenschein einer MISEREOR-Mitarbeiterin im Südlibanon


Die Menschen benötigten dringend Lebensmittel, sauberes Trinkwasser und Elektrizität"


(29.08.2006)

AACHEN, 30. August 2006 (ZENIT.org).- Vier Wochen nach den Kämpfen im Südlibanon wächst in der Bevölkerung die Hoffnung auf Frieden ' genährt durch die geplante Entsendung von UN-Truppen. Viele der in ihre Dörfer zurückgekehrten Südlibanesen stehen buchstäblich vor den Trümmern ihrer Existenz. Wie sie den kommenden Winter überstehen sollen, ist für die meisten eine ungelöste Frage. Dr. Maria Haarmann, Nahost-Referentin beim katholischen Hilfswerk MISEREOR, verschaffte sich einen Überblick über die prekäre Lage der Zivilbevölkerung.

Wie immer sei es auch hier gerade "die einfache Bevölkerung, die den höchsten Preis für Auseinandersetzungen zahlen" müsse, erklärt Haarmann in einer heute veröffentlichten Aussendung ihrer Organisation, die 1958 von den deutschen Bischöfen als Werk "gegen Hunger und Krankheit in der Welt" gegründet wurde.

Laut Haarmann war die Landflucht schon vor Ausbruch des Krieges ein großes Problem. Nun habe es sich verschärft. "Dies spiegelt sich auch in der wachsenden Zahl entwurzelter und gefährdeter Jugendlicher wider", fährt sie fort. "In einigen Stadtteilen herrscht wegen der vielen Flüchtlinge, die in den letzten Wochen kamen, noch immer eine Art Ausnahmezustand. Nicht alle kehren jetzt in ihre Dörfer zurück, weil dort nicht nur die Häuser zerstört sind, sondern auch die Felder und damit die gesamte Existenzgrundlage."

In den schiitischen Siedlungen Siddiqine und Kafra, die größtenteils in Trümmern liegen, hausten die Menschen in Zelten oder unter Bäumen und warteten auf humanitäre Unterstützung. Auch der schiitisch-christliche Ort Braachit liege in Trümmern. "Besonders schwer wiegt hier, dass die Olivenhaine, Wassermelonenplantagen und Weizenfelder des Ortes fast komplett verbrannt sind und die Einwohner damit ihre Lebensgrundlage verloren haben."

Im christlichen Dorf Ain Ebel wurden nach Angaben der Nahost-Expertin bei Straßenkämpfen zwischen der Hisbollah und israelischen Soldaten 200 der 450 Häuser beschädigt oder zerstört. "Die israelische Armee hinterließ dabei ein tödliches Erbe, denn sie setzte mit Minen und Streubomben zwei besonders zerstörerische Waffen ein. Eine einzige Streubombe enthält bis zu 1.000 Sprengsätze, von denen ein großer Teil aber nicht sofort zündet. Diese Blindgänger stellen auch lange nach den Kampfhandlungen noch eine Gefahr für die Zivilbevölkerung dar, und hier besonders für Kinder." Trotz dieser lebensgefährlichen Umstände sei fast die Hälfte der Bewohner von Ain Ebel wieder in ihr Dorf zurückgekehrt, berichtete Haarmann. Die Menschen benötigten dringend Lebensmittel, sauberes Trinkwasser und Elektrizität.

"Ähnlich ist die Lage auch in Region um Mardschajun, im Südosten des Landes. Die gesamte Bevölkerung der Kleinstadt musste vor den Kämpfen fliehen. Bis jetzt ist erst ein Drittel der Einwohner zurückgekehrt. Bürgermeister Bassam Balaa bat um eine schnelle Hilfslieferung von Diesel, damit die Pumpen der acht Meter tiefen Trinkwasserbrunnen wieder betrieben werden können. Da einige Schulgebäude zerstört wurden, müssen die restlichen Schulen nun im Zweischichtbetrieb arbeiten, um alle Schüler unterrichten zu können. Auch die Weizen-, Sesam- und Gemüsefelder zwischen Mardschajun und (Khyam) Khiyam sind vollständig verbrannt."

Wie ZENIT am Dienstag berichtete, haben die maronitischen Bischöfe im Libanon an die internationale Gemeinschaft appelliert, der Not leidenden Bevölkerung vor Einbruch des Winters zu Hilfe zu kommen.

Von: 30.08.2006, http://www.zenit.org

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