Auf den Feldern von Laos lauert noch immer der Tod (Laos/Schweiz)


Laos leidet bis heute unter den Folgen des IndochinaKriegs. 35 Menschen werden jedes Jahr durch Streubomben getötet.


(16.06.2008)

«Bei der Feldarbeit fand ich einen Dreckbrocken, den ich achtlos beiseite warf. Es gab eine Explosion. Mein rechter Arm musste amputiert werden, auf dem rechten Auge sehe ich kaum noch.» Der 48jährige Mung war 22 Jahre alt, als das Unglück geschah. Heute lebt er mit Eltern und Geschwistern zusammen, denn eine eigene Familie konnte er nicht gründen. Ausser den Büffel auf die Weide zu führen, kann er nicht viel arbeiten. Und Unterstützung erhält er nicht.

35 Tote durch Blindgänger
So wie Mung aus dem Dorf Poung in der nordlaotischen Provinz Xiengkhuang ergeht es vielen Menschen. Zwischen 1973 und 1997 wurden nach Erhebungen der Regierung 13 000 Menschen durch Blindgänger getötet. Noch heute werden jährlich 120 Zwischenfälle gemeldet, wobei 35 Personen, die Hälfte davon Kinder, getötet werden.
Während des Indochina-Kriegs 1964 bis 1973 warfen US-Piloten zwei Millionen Tonnen Bomben auf das neutrale Laos ab ' mehr Bomben als während des Zweiten Weltkriegs auf Deutschland fielen.

Hier kämpfte die US-Armee gegen die kommunistischen Vietcong und Pathet Lao. Die US-Flugzeuge warfen grosse Bombenbehälter ab, die bis zu 2000 kleinere, sogenannte Bomblets enthielten. Etwa 30 Prozent dieser Streubomben sind nicht explodiert. 266 Millionen Bomblets sind in Laos auf 87 200 Quadratkilometer zerstreut, mehr als auf einem Drittel des Landes.

Zum Beispiel auch auf dem Schulhof von Poung. Bevor die neugebaute Schule im Herbst eröffnet wird, haben die Dorfbewohner die Experten von «LaoUxo» um Hilfe gebeten. Die Regierungsorganisation wurde gebildet zur Säuberung von Blindgängern. Auf dem 26 000 Quadratmeter grossen Gelände rund um die Schule haben die Minenräumer 20 Blindgänger gefunden. Die werden nun vor unseren Augen zur Detonation gebracht.
Dolmetscher Manhit erinnert sich, wie er selbst als Knabe mit seinen jüngeren Brüdern fischen ging. «Plötzlich explodierte ein Bomblet im Fluss und verletzte meinen kleinen Bruder an der Hüfte. Er war mehrere Monate im Spital.» Auch seine Tante und sein Onkel fanden den Tod auf dem Feld. Er selbst hat zwei Waisenkinder aufgezogen, deren Eltern Opfer einer Streubombe wurden.

Streubomben mitten im Dorf
Im Nachbardorf Ven mit seinen 1233 Einwohnern haben die Experten von «LaoUxo» ebenfalls das Gelände gesäubert. Sie zeigen auf Säcke mit ausgegrabenen Bomblets die zum Teil von den Dorfbewohnern auf dem Feld oder in ihren Gärten gefunden wurden. Nun werden sie inmitten des zeitweilig geräumten Dorfes gesprengt. Denn ein Transport wäre zu gefährlich. «LaoUxo» will im ganzen Land bis 2013 an die 18 000 Hektaren guten Ackerlandes von Streubomben gesäubert haben. Dieses Ziel wird man wohl sogar früher, nämlich bis 2011 erreichen. Aber es wird dennoch nicht nur Jahre, sondern Jahrzehnte dauern, bis Laos frei von Blindgängern ist und sich seine Bewohner sicher fühlen können.

Die Schweiz hilft
Internationale Hilfe ist nötig. Sie wird auch gewährt, zum Beispiel von der Schweiz. Zwischen 2006 und 2009 stellt sie insgesamt 4,5 Millionen Franken zur Verfügung, um die Wirksamkeit des Programms zu erhöhen. Schweizer Experten helfen «LaoUxo» bei der Ausbildung von Personal. Denn die Arbeit ' mit einem für Laos sehr guten Lohn von 183 monatlich honoriert ' ist hart und gefährlich. 2002 wurden zwei erfahrene Mitarbeiter bei einer Sprengung getötet.
Die Streubomben behindern Laos, eines der ärmsten Länder der Welt, seine Bevölkerung aus der Armut zu befreien, die Lebensmittelproduktion zu erhöhen und die wirtschaftliche Entwicklung voranzutreiben.

Von: 17.06.2008, www.tagblatt.ch, von Eleonore Baumberger

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