Blindgänger Ursache des Dramas von Gaza? (Palästina)


Human Rights Watch und ein General über den Tod einer Familie


(20.06.2006)

Vertreter von Human Rights Watch und ein General Israels haben über den Tod der 7-köpfigen Familie am Strand von Gaza gesprochen. Ursache scheint eine Blindgängerexplosion gewesen zu sein.

Der Zwischenfall am Strand von Gaza, bei dem vor zwei Wochen sieben Familienmitglieder bei einer Explosion getötet wurden, bewegt in Israel immer noch die Gemüter. Am Montag kam eine Delegation der Organisation Human Rights Watch (HRW) zu einer Unterredung mit dem israelischen General zusammen, der die Untersuchung des Vorfalles geleitet hatte. Beide Seiten kamen zum Schluss, dass ein früherer Blindgänger wahrscheinlich die Ursache der Explosion gewesen sei.

Kein unabhängiges Urteil
Die «Jerusalem Post» berichtete am Dienstag über das Treffen, das in sachlicher Atmosphäre stattgefunden habe. Laut dem Bericht schloss der Waffenexperte von HRW, der ehemalige Mitarbeiter des Pentagons Marc Garlasco, die israelische Version der Ereignisse nicht aus. Diese besagte, dass die palästinensische Familie nicht von israelischem Artilleriefeuer getroffen worden sei. Dass die Explosion von einer Landmine hergerührt haben könnte, die von Palästinensern am Strand vergraben worden sei, wurde nicht einmal von der israelischen Seite erwähnt. Wahrscheinlichstes Szenario sei, dass eine scharfe 155-Millimeter-Granate von einem früheren Artilleriebeschuss am Strand liegen geblieben sei und just zu dem Zeitpunkt explodierte, als die Familie dort picknickte. Seitdem Freischärler die Beschiessung Israels mit Raketen begannen, belegte die israelische Artillerie das Gebiet der Abschussrampen - auch die Gegend in der Nähe des Strandes - mit insgesamt etwa 7000 Granaten. Laut der Zeitung bescheinigte Garlasco der israelischen Armee jedoch, dass sie grosse Anstrengungen unternehme, zivile Opfer unter den Palästinensern zu vermeiden.

Eine Sprecherin von HRW bestätigte zwar, dass die Organisation von der Gründlichkeit der militärischen Untersuchung beeindruckt gewesen sei, widersprach aber der etwas beschönigenden Darstellung in der Zeitung. Die Menschenrechtsorganisation ist weiterhin skeptisch, vor allem, weil die Israeli nur die ihnen zur Verfügung stehenden Daten und Indizien prüfen liessen. Bloss eine unabhängige Kommission könne in unvoreingenommener Weise die Beweisstücke und Zeugenaussagen beider Seiten auswerten. Die Sprecherin schloss nicht aus, dass die Palästinenser mit ihren Beweisstücken hantiert und sie unterdessen verfälscht haben könnten. Die HRW zur Verfügung stehenden Angaben beruhten zwar auf zahlreichen Zeugenaussagen, doch sei deren Glaubwürdigkeit nicht garantiert.

Von: 21.6.2006 NZZ

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