Blutverschmierte Granatsplitter belasten Armee (HRW)


Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW) will weitere Hinweise auf einen tödlichen Granatenangriff Israels auf den Strand des Gazastreifens gefunden haben.


(14.06.2006)

Zeitangaben aus Computern des Kamal-Adwan-Krankenhauses legten nahe, dass die Patienten vom Strand innerhalb eines glaubwürdigen Zeitraums nach israelischem Granatenfeuer eingeliefert worden seien, teilte Human Rights Watch mit.

Zudemhabe ein Vater eines Opfers blutverschmierte Splitter vorgelegt, bei denen es sich um Teile einer Granate handele. "Die Wahrscheinlichkeit ist gering, dass die Familie Galia von einer anderen Explosion als durch eine von der israelischen Armee abgefeuerten Granate getötet wurde", erklärte HRW-Militärexperte Marc Garlasco.

Israel: Wahrscheinlichkeit praktisch gleich Null

Nach einer israelischen Untersuchung hingegen ist die Wahrscheinlichkeit, dass von mehreren abgefeuerten israelischen Granaten eine zu dem Zeitpunkt und an der Stelle am Strand von Gaza einschlug, praktisch gleich Null. Aus der Armee war die Beschuldigung laut geworden, militante Palästinenser könnten dort eine Mine vergraben haben.
Unabhängige Untersuchung gefordert

In einer am Freitag verbreiteten Mitteilung erklärte die Organisation, inzwischen habe sich Palästinenserpräsident Mahmud Abbas zu einer unabhängigen Untersuchung bereit erklärt. Auch Israel solle dem zustimmen. Die israelische Armee hatte die Beteiligung an dem Zwischenfall zurückgewiesen, bei dem am 9. Juni sieben Mitglieder einer palästinensischen Familie getötet worden waren.

Israelische Intellektuelle kritisieren Armee

Derweil haben 18 israelische Intellektuelle in einem offenen Brief die Angriffe der israelischen Armee auf palästinensische Zivilisten scharf kritisiert. "Es ist unmoralisch und politisch kontraproduktiv, die palästinensische Bevölkerung unter Druck zu setzen und Kollektivstrafen zu unterziehen, weil man den Terrorismus bekämpfen will", erklärten die renommierten Autoren in ihrem am Donnerstag veröffentlichten Schreiben an Verteidigungsminister Amir Perez. "Nicht jedes Mittel ist recht, um Israel gegen Raketenangriffe und blutige Selbstmordanschläge zu verteidigen."

Sicherheit contra Moral

Der Verteidigungsminister habe nicht nur die Aufgabe, über die Sicherheit Israels zu wachen, "sondern auch auf sein moralisches Image", erklärten die Autoren weiter. "Das Leben und die Rechte der Zivilisten müssen respektiert werden." Unterzeichnet haben den Brief unter anderem die Schriftsteller Amos Oz, David Grossman, Meir Shale sowie die Wissenschaftler Zeev Sternhell und Aviezer Ravitzky.

Von: www2.onnachrichten.t-online.de

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