Bombe neben der Landebahn (Deutschland)


Brisante Funde auf dem Giebelstadter Flugplatz: Blindgänger entschärft


(28.07.2008)

Unter größter Geheimhaltung wurden auf dem ehemaligen Militärflugplatz Giebelstadt zwei Bomben aus dem Zweiten Weltkrieg entschärft. Offenbar sollten die gefährlichen Altlasten nicht die Stimmung trüben. Für diesen Mittwochnachmittag haben die Verantwortlichen der Industrie- und Handelskammer Würzburg-Schweinfurt Pressevertreter auf den Giebelstadter Flugplatz eingeladen.

Die neuen Besitzer des Flugplatzes lassen bereits seit Monaten von einer Brandenburger Firma das Gelände des Giebelstadter Flugplatzes nach Sprengkörpern absuchen. Über den Erfolg ihrer Arbeit drang bisher nichts an die Öffentlichkeit. Das sollte auch so bleiben, als Mitte der vergangenen Woche zwei Bomben gefunden wurden.

Wie Giebelstadts Bürgermeister Helmut Krämer auf Anfrage mitteilte, konnte eine davon sofort vor Ort entschärft werden. Die zweite sollte am Dienstag auf dem Flugplatz gesprengt werden. Auch über diese Aktion wurde, genau wie über die sofortige Sperre des Flugplatzes, Stillschweigen vereinbart.

Die Alarmierung von Polizei, Rettungsdienst und Feuerwehr vor der Sprengung sollte im Ernstfall nicht über Funk erfolgen. Zu groß war die Sorge der Flugplatzbetreiber, dass die Gespräche mitgehört werden könnten, war aus informierten Kreisen zu hören.

Dass es dann doch nicht zur Sprengung des Blindgängers kam, ist den Spezialisten des Bergungsteams zu verdanken. Sie schafften es am Dienstagvormittag doch noch, den Zünder zu entfernen, so der Bürgermeister weiter. Seines Wissens nach sind es die ersten Funde von Bomben auf dem Flugplatz seit Beginn der Sucharbeiten.

Nach dem Abtransport der Bomben, die offensichtlich nur wenige Meter neben der Landebahn gefunden wurden, ist die Sperre des Flugfeldes für alle Maschinen, die vergangene Woche vom Flugleiter verhängt wurde, wieder aufgehoben.
Während des Krieges war der Flugplatz viermal Ziel alliierter Bomber. Auswertungen von Einsatzbefehlen und Luftbildern aus dieser Zeit zeigen, wie stark bombardiert wurde. Gefährlich sind die Blindgänger mit chemisch wirkendem Langzeitzünder. Diese Bomben können auch mehr als 60 Jahre danach noch bei der geringsten Erschütterung detonieren. Vermutet wird, dass auf dem Flugplatz zwischen 110 und 280 Bombenblindgänger im Erdreich ruhen könnten.

Wie viele Blindgänger die US-Streitkräfte haben räumen lassen, darüber gibt es offensichtlich keine gesicherten Erkenntnisse. Vor Jahren ist ein Blindgänger explodiert und hat die Flugzeughalle eines Vereins zerstört. Der frühere Landrat Waldemar Zorn hat für die Beseitigung der Bomben, Granaten und Treibstoffe im Boden immer wieder von einem hohen zweistelligen Millionenbetrag gesprochen. Zorn konnte sich dabei auf die Altlastenerkundungen der BImA berufen.

Bei der heutigen IHK-Präsentation auf der Flugplatz sollen einige Firmen sogar mit ihren Geschäftsflugzeugen vor Ort sein. Vorgestellt wird das neue Nutzungskonzept. Bekanntlich haben nach dem Abzug der Amerikaner die Iphöfer Firma Knauf Gips und der Markt Giebelstadt ein Viertel des 266 Hektar großen Flugplatzes von der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) gekauft. Kernstück ist die 2135 Meter lange Start- und Landebahn samt Hangar. Derzeit läuft das luftrechtliche Genehmigungsverfahren für die Privatflieger. Biser gab's nur eine Erlaubnis für die militärische Nutzung.

Bürgermeister Krämer beteuert: "Für die Bevölkerung gibt es keine Gefahr. Die Gefahr, dass jemand durch eine Bombe auf dem Flugplatz zu Schaden kommt, ist minimal." Auch die Planungen für die beiden Fußballplätze, die auf dem ehemaligen Militärareal entstehen sollen, werden trotz der Bombenfunde weitergehen. Die Bauvoranfragen dafür laufen schon. Vor Beginn der Arbeiten, so Krämer, werde das Gebiet selbstverständlich auch auf eventuell vorhandene Altlasten untersucht werden.

Von: 29.07.200, www.mainpost.de

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