Bosnien-Herzegowina: Minen-Gefahr spitzt sich zu


Die erste durch das Hochwasser angespülte Landmine ist im Nordosten von Bosnien-Herzegowina explodiert. Verletzt wurde dabei niemand. Mit den Temperaturen steigt nun die Gefahr vor Seuchen. Ein Lokalaugenschein.


(21.05.2014)

Auf dem Gut eines Bewohners der bosnischen Kleinstadt Olovo sind Minenräumer vor Ort. Das sonst mit Obst und Gemüse bepflanzte Land ist nach den Überschwemmungen mit Landminen übersät. In Sredice bei Prijedor hat das Wasser einen Kühlschrank mit neun Bomben in einen Vorgarten gespült. Und in der Umgebung des Distrikts Brcko ist am Mittwoch schon die erste Mine explodiert. Dabei ist niemand verletzt worden. Warnschilder säumen die Umgebung, der Minenräumungsdienst appellierte an die Bevölkerung, die gefundenen Minen nicht zu berühren.
Die Überschwemmungen und Erdrutsche, wie die Experten erklärten, haben einzelne Minenfelder bewegt und sie auf die Oberfläche ausgeworfen. 2,4 Prozent Bosniens sind weiterhin vermint. Am meisten betroffen ist der Kanton Tuzla, in dem weiterhin in einzelnen Städten die Menschen mit den Hochwasserschäden zu kämpfen haben. Aufgrund der katastrophalen Überschwemmungen in Bosnien-Herzegowina senden die Mitgliedsstaaten der EU und die europäischen Nato-Staaten Helikopter, Boote, Rettungsteams, Trinkwasser und Nahrung. Die Hilfswelle, die anrollt, ist enorm. Insgesamt kommt bereits Hilfe aus 21 Ländern, 19 davon sind EU-Staaten.
Seit Samstag haben sich auch Studenten aus Graz an der Hilfsaktion beteiligt. Fünf Tonnen humanitärer Hilfe in Säcken und Kartons werden in einem Lager in Tuzla deponiert. Die Austeilung der Nahrungs- und Hygienemittel verrichten Volontäre. Hilfspakete sollen direkt den Betroffenen überbracht werden.
Seuchengefahr steigt
Nachdem in Bosnien-Herzegowina die Temperatur auf bis zu 29 Grad Celsius angestiegen ist, müssen weiterhin neue Hürden überwunden werden, wie die Entsorgung toter Tiere, welche immer noch durch überschwemmte Gebiete treiben. Wie der Generalsekretär der Nato, Anders Fogh Rasmussen, am Mittwoch bei seinem Besuch in Bosnien-Herzegowina sagte, stellen derzeit das größte Problem die Tierkadaver dar. Sie können zu gefährlichen Infektionen und Verseuchungen von Grundwasser führen. Während seines Treffens mit den Mitgliedern des Staatspräsidiums wurde die Vereinbarung getroffen, dass Bosnien-Herzegowina sich an die Nato für eine Hilfe von tausend Tierverbrennungsanlagen wendet.
Nihajd Fejzic von der Veterinärmedizinischen Fakultät in Sarajevo warnte indes vor einem Ausbruch des West-Nil-Fiebers sowie der Verbreitung von Milzbrand.
Koordinationsprobleme
Wer aber koordiniert und kontrolliert die humanitären Hilfsgüter? "Wieder zeigt sich, wie unwichtig in solchen Tragödien ein Menschenleben ist", sagt Branko Todorovic, Vorsitzender des Helsinki-Komitees der Republika Srpska.
"Ich befürchte, dass die Hilfsgüter in Bijeljina, Doboj und ?amac für andere Zwecke verwendet werden, Menschen aber nicht erreichen." Im Gespräch bemängelt Todorovic die katastrophale institutionelle Arbeit. "Die Regierung aus Banja Luka ist mehr daran interessiert, wer Hilfspakete austeilen und wie viele Konten man für die Betroffenen öffnen soll. Ich habe in Bijeljina und der Umgebung kein funktionierendes Militär, keinen funktionierenden Zivilschutz gesehen und keine humanitären Hilfspakete." Selbst für die Volontäre, also jene, die anderen freiwillig helfen, hat man kein Trinkwasser und keine Lebensmittel gesichert. "Was jetzt den Politikern wichtiger scheint, ist das politische Marketing. Politiker kommen und gehen, lassen sich fotografieren, sind eben sehr auf ihren Wahlkampf fokussiert", so Todorovic.
Und obwohl die Solidaritätswelle für Bosnien-Herzegowina von Stunde zu Stunde steigt, Pakete ausgeladen werden und Geld überwiesen wird, bleibt zu hoffen, dass die Hilfe in den betroffenen und abgeschnittenen Orten auch rechtzeitig ankommt.

Quelle: http://www.kleinezeitung.at/nachrichten/chronik/international/3636879/gefahr-minen-spitzt-sich-zu.story


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