Britische Bombe entschärft (Deutschland)


Kleve (RP) Eine Fliegerbombe aus dem Zweiten Weltkrieg wurde "In den Galleien" entschärft. Die Kalkarer Straße war gesperrt, der Bahnverkehr ruhte eine knappe Stunde. 150 Menschen mussten ihre Häuser und Wohnungen verlassen.


(25.06.2008)

Um 10.30 Uhr erwachte wieder das Leben auf der Kalkarer Straße in Kleve. Noch eine halbe Stunde zuvor lag die Bundesstraße, die eine der Haupteinfallstraßen der Stadt ist, wie ausgestorben. Weiträumig war der Bereich abgesperrt: "Da wird gerade eine Bombe entschärft ' Sie können hier nicht durch", war der Standardsatz der Polizeibeamten hinter den Absperrungen.
20 Polizisten waren im Einsatz, diese Absperrungen dicht zu halten ' denn auch Bomben, die schon über 60 Jahre im Erdreich lagen, sind immer noch brandgefährlich. "In Kleve sind diese Einsätze eingespielt ' wird finden hier ja oft Blindgänger aus dem Zweiten Weltkrieg", sagte gestern Heinz van Baal, Sprecher der Polizeibehörde in Kleve.

Aufschlagzünder
Die Bombe baumelte gegen halb elf schon am Stahlseil des Spezial-Baggers, der sie freigelegt hatte. Fünf-Zentner tödlicher Sprengstoff in rostbraunen Stahl gepackt. Der Aufschlagzünder wurde maschinell herausgedreht. "Wir haben dessen Ladung gesprengt", sagt Jost Leisten vom Kampfmittelräumdienst in Düsseldorf. Mit dem Feuerwerker waren zwei weitere Helfer angerückt, das Relikt aus dem Krieg zu entschärfen, das sich 1944/45 in den weichen Galleien-Boden gebohrt hatte, ohne zu explodieren.
Zwischen Zeigefinger und Daumen hält er die Reste des Zünders: "Man sieht, was außen im Boden war, ist korridiert, was in der Bombe war, ist noch sehr gut als Messing erkennbar", sagt Leisten und dreht zwischen den Fingern das Teil aus der englischen Fliegerbombe, dessen unterer Bereich wie blank poliert wirkt. Wahrscheinlich wird Leisten bald wieder anrücken: Die Luftbildauswertung hat In den Galleien mehrere verdächtige Stellen ausgemacht, unter denen sich noch Reste des Krieges befinden, wo noch Bomben liegen könnten.

Holzpflöcke mit signalroten Köpfen markieren die Einschläge. In den nächsten Tagen wird der Bagger, der die Fünf-Zentner-Bombe freigelegt hat, auch diese Stellen nachgraben. "Wir haben allerdings auch viel Schrott gefunden", sagt Jost Leisten. Dennoch: Die Wahrscheinlichkeit, dass sich unter einem oder mehreren der Pflöcke eine weitere Bombe befindet, ist groß. Wobei alle nicht auf dem künftigen Baugrund der Gärtnerei liegen.
Gesucht werden die Bomben übrigens nach Luftbildern, die alliierte Aufklärer nach ihren Angriffen gemacht haben und auf denen sich Blindgänger lokalisieren lassen. Weil die Bombe auf dem freien Feld lag, mussten lediglich 150 Klever zeitweise ihre Häuser verlassen oder konnten nicht zur Arbeit in den Werkstätten und Geschäften entlang der Kalkarer Straße, so Theo Brock vom Klever Ordnungsamt.

Von: 26.6.2008, www.rp-online.de, von Matthias Grass

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