Bundeswehr hat noch Streubomben mit hoher Blindgängerrate (Deutschland)


Mainz/Berlin (AFP) - Die Bundeswehr verfügt offenbar noch immer über Streumunition mit besonders hohen Blindgängerraten. Das Heer der Bundeswehr habe noch Streumunition des Typs M77 im Bestand, bei der einem US-Militärdokument zufolge die Blindgängerrate bei bis zu 23 Prozent liege, berichtet das ARD-Magazin "Report Mainz".


(25.05.2008)

Die Munition widerspreche einem Beschluss des Bundestags sowie der Position der Bundesregierung. Auf der derzeitigen internationalen Konferenz gegen Streubomben in Dublin setze Deutschland sich zudem für die Abschaffung solcher Waffen ein.

Die Munition M77 widerspreche einem Acht-Punkte-Papier der Bundesregierung zu Deutschlands Umgang mit Streumunition, berichtet das Magazin weiter. In dem Papier wird festgelegt, dass die Bundeswehr auf die Neubeschaffung von Streumunition verzichtet und diejenigen Munitionstypen aus ihrem Arsenal verbannt, die eine Blindgänger-Rate von mehr als einem Prozent haben oder nicht über einen Selbstzerstörungsmechanismus verfügen. Das Verteidigungsministerium bestätigte gegenüber dem ARD-Magazin, die Blindgängerrate der M77 entspreche nicht dem Acht-Punkte-Papier.

Der Einsatz von Streubomben sei lediglich für die Landesverteidigung vorgesehen, sagte ein Sprecher des Bundesverteidigungsministeriums auf Anfrage. Bei Bundeswehreinsätzen wie in Afghanistan spiele die Munition keine Rolle. Ziel sei es, Streubomben, die nicht dem Acht-Punkte-Papier entsprächen, durch andere Munition zu ersetzen und zu vernichten. Dies geschehe bereits seit 2001.

Die Grünen-Europapolitikerin Angelika Beer kritisierte die deutsche Position auf der Dubliner Konferenz. Die "offene Drohung" der Bundesregierung, den Vertrag zum Verbot von Streumunition nicht zu unterzeichnen, offenbare die "ganze Heuchelei" der deutschen Abrüstungspolitik, erklärte Beer in Berlin. Die sicherheitspolitischhe Sprecherin der Grünen kritisierte zudem die "angestrebte Erlaubnis von gemeinsamen Militäroperationen mit Nichtvertragsländern, die Streumunition einsetzen". Die Bundesregierung dürfe die internationale Ächtung von Streumunition nicht gefährden.

In Dublin beraten Delegationen aus etwa hundert Ländern bis zum 30. Mai über einen internationalen Vertrag zum Verbot von Streubomben. Bei Hilfsorganisationen und Rüstungsgegnern steht diese Waffengattung besonders in der Kritik, weil Streubomben oftmals Zivilisten verstümmeln oder töten und noch Jahre nach ihrem Einsatz explodieren können.

Von: 26.5.2008, afp.google.com

<<< zurück zu: News