Dreimal bebt der Boden


Polizei sprengt gefährliche Fundmunition am Seeufer in Neuruppin / Suche wird erneut verlängert.


(28.02.2008)

NEURUPPIN -

Ein lautes Tuten, kurz darauf ein dumpfer Knall. Zehn Meter vom Ufer des Ruppiner Sees steigt eine kleine Fontäne auf. Zuerst ist weiße Gischt zu sehen, dann schwarzer Schlamm vom Seegrund. Die Wucht der Explosion ist auch an Land deutlich zu spüren: Selbst fünfzig Meter weiter hebt sich der Boden zentimeterweit.

Hochexplosive Fundmunition hat der Kampfmittelbeseitigungsdienst der Polizei gestern an der Kastanienwiese an der Neuruppiner Regattastraße gesprengt: sechs Handgranaten und zwei sogenannte Gewehrgranaten. Dreimal knallte es dafür am Vormittag. Zur Sicherheit hatte die Feuerwehr die umliegenden Straßen gesperrt.

Seit November suchen Taucher das Seeufer in diesem Bereich ab. Eigentlich wollten sie schon im vergangenen Jahr einen fünfhundert Meter langen und zwanzig Meter breiten Streifen geräumt haben. Tatsächlich haben sie bis jetzt gerade einmal die Hälfte der Strecke geschafft.

"Wir hätten nie angenommen, dass wir dort so viel finden würden", sagt Truppführer Gerd Fleischhauer vom Kampfmittelbeseitigungsdienst unumwunden. Überall liegen Patronen, Granaten oder verrostete Überreste alter Waffen im Wasser. Hinzu kommt jede Menge anderer Schrott. Die Taucher haben Mühe, im Wasser unterscheiden zu können, was Schrott und was Munition ist, zumal im trüben Seewasser so gut wie nichts zu sehen ist.

Rund 1900 Quadratmeter Seeboden haben die Fachleute der privaten Munitionsbergungsfirma Schollenberger im Auftrag des Landes bisher abgesucht. Bis gestern hatten sie an der Kastanienwiese 7210 Gewehr- und Pistolenpatronen aus dem Wasser gefischt, 157 Hand- und 136 andere Granaten, die größte mit einem Durchmesser von gut 15 Zentimetern. Hinzu kommen 45 Waffen sowie 175 Zünder und ähnliche Teile. Neben der Munition haben die Taucher bisher noch acht Tonnen anderen Schrott an Land geholt.

Die Munition hat sich jahrzehntelang angesammelt. "Die älteste Handgranaten, die wir gefunden haben, stammen noch aus dem Ersten Weltkrieg", sagt Fleischhauer. Ein großer Teil ' deutsche und russische Munition ' muss um oder kurz nach dem Zweiten Weltkrieg im See gelandet sein. Und schließlich haben in den Jahrzehnten danach offenbar sowjetische Soldaten alles Mögliche im See verschwinden lassen; die Kasernen waren nebenan.

Die Taucher haben jetzt so viel Munition gefunden, dass der Sucheinsatz vom Innenministerium noch einmal bis Ende März verlängert wurde. Fleischhauer rechnet damit, dass die Taucher trotzdem im Herbst erneut anrücken. (Von Reyk Grunow)

Von: www.maerkischeallgemeine.de, 29.02.2008

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