»Ein Thema, das mich nicht losläßt«


Sebastian Krumbiegel engagiert sich in Kampagne gegen Landminen. Bundesregierung soll Geschäfte mit heimtückischen Waffen stoppen.


(07.04.2014)

Sebastian Krumbiegel ist Sänger der Leipziger Band Die Prinzen und auch als Solomusiker bekannt. Demnächst erscheint sein Album »Ein Mann, sein Klavier und ihr«

Am 4. April, dem UN-Landminentag, sammelten Sie mit Aktivisten in Berlin am Brandenburger Tor Unterschriften für die Kampagne »Zeig dein Bein«. Was wollen Sie damit erreichen?

Zum einen geht es gegen Rüstungsgewinnler. Es ist höchste Zeit, daß man etwas dagegen unternimmt, daß deutsche Finanzfirmen wie die Allianz-Gruppe oder die Deutsche Bank mit Investitionen in die Produktion von Minen und Streumunition weiter Geld machen. Jahr für Jahr tötet und verstümmelt dieses Dreckszeug Tausende Menschen. Deutschland braucht hierfür ein Investitionsverbot. Zum anderen unterstütze ich auch die Forderungen der Kampagne nach einer Fortführung und Aufstockung finanzieller Hilfen für betroffene Länder bei der Minenräumung und der Hilfe für die Opfer. Und schließlich fordert unsere Petition Außenminister Steinmeier auf, sich bei anderen Regierungen – wie die der USA, Rußlands, Chinas, Indiens und Pakistans – für deren Beitritt zu internationalen Verbotsverträgen einzusetzen.
Was motiviert Sie hierbei persönlich, wie sind Sie gerade mit diesem Thema in Kontakt gekommen?

Das geht auf eine Reise nach Vietnam im Jahr 2008 zurück und auf die Erfahrungen, welche ich dort machen konnte. Mit den Organisationen Solidaritätsdienst-international (SODI), dem Aktionsbündnis Landmine.de und einem kleinen Filmteam war ich im nach Jahrzehnten noch immer nicht vollständig entminten ehemaligen Grenzgebiet zwischen Nord- und Südvietnam. Und bei der Suche und kontrollierten Sprengung dieser heimtückischen Dinger ganz nah dabei. Da wird dir der ganze Wahnsinn dieser Waffen richtig bewußt. Seitdem läßt mich das Thema nicht mehr los.
Wie schätzen Sie die Resonanz der Öffentlichkeit auf den Kampf gegen die Minengefahr ein? Dringt das angesichts der Krim-Krise durch?

Man braucht schon einen langen Atem. Gerade in der jetzigen politischen Situation ist es nicht einfach, Gehör zu finden. Deshalb bin ich froh, daß die junge Welt diesem Thema ein Forum gibt. Alle reden ja jetzt fast nur noch über die Ukraine. Das ganze Säbelgerassel und Kalte-Kriegs-Gelaber ist befremdlich. Wenn man Schäuble mit seinem Hitler-Vergleich hört oder von der Leyen mit der Forderung nach mehr NATO-Truppen an den östlichen Grenzen des Bündnisses, wird einem himmelangst. Ganz zu schweigen von Obamas Beleidigung Rußlands als Regionalmacht. Da bin ich unter dem Strich noch ganz froh darüber, daß der deutsche Außenminister Steinmeier verhältnismäßig moderate Töne findet. Ich glaube an die Macht des Gesprächs, an Abwägen und Diplomatie.
Was konnte politisch bisher bewegt werden, um Minen und Streubomben aus der Welt zu schaffen?

Im internationalen Vergleich liegt Deutschland mit 20 Millionen Euro jährlich gerade bei der Finanzierung der Kampfmittelräumung ganz weit vorn. Vor wenigen Jahren gab es noch viele deutsche Firmen, die Gesetzeslücken nutzten, um an der Produktion von Minen und Streubomben mitzuwirken. Das hat sich geändert. Daß viele Ziele erreicht wurden, liegt nicht zuletzt am Engagement von Nichtregierungsorganisationen, die solche Skandale in die Öffentlichkeit trugen.
Sehen Sie sich als politischen Künstler, und wie kommt Ihr Engagement bei Kollegen oder dem Publikum an?

Ich bin in einem durchaus bildungsbürgerlichen Haushalt groß geworden, in dem viel über Politik geredet wurde. Später waren die 1989er Montagsdemos in Leipzig für mich prägend. »Wir sind das Volk« war ein guter Slogan, der weiter gilt. Gegen Mißstände muß man sich auflehnen und demokratische Freiheiten nutzen. Es gibt schon Leute, die sagen: Du sing mal lieber, »Schuster, bleib bei deinen Leisten!« Persönlich habe ich viel Glück gehabt, bin ein klassischer Wende-Gewinner. Von »Ostalgie« halte ich wenig, aber viel davon, sich um eine Gesellschaft zu kümmern, die gerechter, die sozial und friedlich ist. Das schreibe ich mir auf die Fahnen. Deshalb engagiere ich mich hier ebenso wie beim Kampf gegen Nazis oder in der Flüchtlingspolitik.
Quelle: http://www.jungewelt.de/2014/04-07/043.php

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