Eine Elmshorner Firma liefert Anlagen zum Vernichten von Streubomben - Rüstungsindustrie ist Hauptkunde (Deutschland)


Explosionen bis zur Demontage


(18.03.2009)

Elmshorn - Sie sehen harmlos aus, haben aber eine explosive Wirkung. Streubomben gehören zur effektivsten Munition im Kriegsfall. Aber die Blindgänger bleiben eine Gefahr für die Zivilbevölkerung. Viele Staaten haben sich deshalb verpflichtet, ihre Streubomben zu vernichten. Eine Firma aus Elmshorn hat dafür die passende Anlage konstruiert.

Acht große Container sind zurzeit auf dem Weg von Elmshorn über den Atlantik in die USA. Der kleine Mittelständler, die Sonderanlagenbau Nord (SAB Nord) GmbH, liefert darin an den amerikanischen Rüstungsriesen General Dynamics zwei automatische Anlagen zum Demontieren von Streubomben. "Weltweit gibt es keine vergleichbaren Anlagen", stellt SAB Nord-Chef Horst Zaun selbstbewusst klar, darum haben die Amerikaner sie bei ihm gekauft für zusammen 3,6 Millionen Dollar, umgerechnet rund 2,8 Millionen Euro; die nächste Anlage ist schon in Vorbereitung. Jede von ihnen entsorgt pro Sekunde eine Mini-Bombe, in einer 12-Stunden-Schicht schafft eine Anlage 100 Streubomben mit jeweils 88 Mini-Bomben, auf englisch: Bomblets.

Die einzige ernsthafte Alternative zu Zauns Maschinen wäre das Sprengen der Streubomben; die Munition von Hand zu bearbeiten, wäre viel zu gefährlich. Darum erledigt die gut 20 Meter lange Anlage alles automatisch, vom Auspacken der Granaten, Kaliber 155, über das Auseinandernehmen der Bomblets, Vernichten der Zündpille bei 500 Grad im statischen Ofen, Öffnen der Mini-Bomben mit einer 60-Tonnen-Presse, Abbrennen das Sprengstoffs - "wie ein Tischfeuerwerk", beschreibt das Zaun - bis zur Trennung des Abfalls in Stahl, Kupfer, Aluminium und Plastik. Vier Entsorgungsstrecken gehören zu einer Maschine, jede Strecke wird von neun Kameras überwacht, Greifer, Hydraulik, Förderbänder und Motoren arbeiten zusammen, überwacht von einem Computer.

Bei der SAB Nord werden Maschinen geplant und konstruiert. Die schlüsselfertigen Streubomben-Anlagen nehmen SAB-Mitarbeiter in den USA in Betrieb und warten sie per Datenleitung von Elmshorn aus. Die Fertigungstiefe bei den Streubomben-Entsorgungsanlagen beziffert Konstruktionsleiter Peter Licht mit fünf Prozent. Das Drehen und Fräsen, das eigentliche Herstellen der Einzelteile, erledigt zum großen Teil die MUK im benachbarten Kiebitzreihe, die Maschinenbau und Konstruktion GmbH Elmshorn. In der MUK-Halle wurden auch die beiden Anlagen für die USA gebaut. Acht Monate dauert es, bis eine Anlage fertig ist.

Horst Zaun gründete die SAB Nord vor zwölf Jahren mit zwei Kompagnons, heute ist er alleiniger Inhaber des Unternehmens und beschäftigt 18 Mitarbeiter, sechs davon sitzen im Konstruktionsbüro. Das zweite Standbein des Unternehmens sind Spezialanlagen für die Textilindustrie in aller Welt; europäische Zulieferer für die Automobilindustrie und den Flugzeugbau benutzen sie beispielsweise für die Herstellung hochfester Fäden aus Kohlefaser oder Kevlar, erläutert Zaun. Das ist zurzeit kein sicherer Markt, um so besser kommt den Elmshornern die Streubomben-Konvention zupass, die im Mai 2008 in Dublin verabschiedet wurde. Darin sollen sich Staaten verpflichten, ihre Streubomben zu vernichten. "Alle NATO-Länder haben mehr oder weniger die gleiche Munition", weiß Zaun; zurzeit sitzt er an einem Angebot für Japan.

Der SAB-Umsatz lag in den Vorjahren bei 2,5 bis 3 Millionen Euro, 2009 erwartet der Geschäftsführer mehr als 6 Millionen, langfristig 4 Millionen pro Jahr. "Wir werden uns vergrößern müssen", resümiert der 69-Jährige. Ewig wird der Maschinenbau-Ingenieur das selbst nicht mehr dirigieren; "die Nachfolge ist geregelt", erklärt er. Eigentlich sollte das sein Sohn übernehmen, aber der hat inzwischen bei einem großen SAB-Kunden Karriere gemacht.

Streubomben sollen übrigens trotz einer entsprechenden internationalen Kampagne nicht aus den amerikanischen Waffenarsenalen verschwinden. Es gibt neue Varianten, deren Bomblets sich nach einer gewissen Zeit selbst entschärfen, erläutert SAB-Konstruktionsleiter Peter Licht. Die alten Modelle, die auf SAB-Anlagen vernichtet werden, gefährden die Abwurfregion jahrelang, bis zu 40 Prozent der Mini-Bomben enden als Blindgänger. Besonders gefährdet sind Kinder. Die Mini-Bomben sind knapp so lang wie ein Männerdaumen, gut doppelt so dick, sie sehen harmlos aus und können mit Spielzeug verwechselt werden. Aber jedes "Bömbchen" ist mit 32 Gramm Sprengstoff und Splittern gefüllt, ein Kupferkegel konzentriert die Hitze der Explosion, so dass der entstehende Plasmastrahl eine 40 Zentimeter dicke Panzerung durchdringt, erklärt Horst Zaun.

Von: 19.03.2009, www.kn-online.de

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