Eklat zur Nobelpreis-Verleihung. Folter, Streubomben, Elend, Demütigung und Tod


Keine warmen Dankesworte, sondern Frontalangriff: In einer Videobotschaft zur Verleihung des Literaturnobelpreises wirft Preisträger Harold Pinter Bush und Blair organisierten Staatsterrorismus vor. Dem irakischen Volk seien Folter, Streubomben, Elend, Demütigung und Tod gebracht worden, wenngleich behauptet werde, man bringe dem Nahen und Mittleren Osten Freiheit und Demokratie.


(08.12.2005)

Der diesjährige Literaturnobelpreisträger Harold Pinter hat den USA und Großbritannien wegen des Irak-Kriegs Staatsterrorismus vorgeworfen. US-Präsident George W. Bush und der britische Premierminister Tony Blair sollten vor den Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag gestellt werden, sagte Pinter in einer am Mittwoch in Stockholm gezeigten Videobotschaft für die bevorstehende Nobelpreisverleihung. Pinter wird an der Zeremonie am Samstag nicht persönlich teilnehmen und hat deshalb seine Rede vorher aufgenommen.

"Die Invasion im Irak war das Werk von Banditen, ein eklatanter Akt von Staatsterrorismus, der absolute Verachtung für das Konzept des Völkerrechts demonstriert hat", sagte der britische Schriftsteller. Bush und Blair seien für den Tod von mehreren zehntausend Menschen verantwortlich. "Wie viele Menschen muss man umbringen, bevor man qualifiziert ist, als Massenmörder und Kriegsverbrecher bezeichnet zu werden? Hunderttausend?" Fragte Pinter, der für provokative Äußerungen zum Zeitgeschehen bekannt ist.

Den USA warf er darüber hinaus vor, seit dem Zweiten Weltkrieg jede rechtsgerichtete Militärdiktatur in der Welt unterstützt zu haben. Dies sei jedoch stets unter dem Vorwand geschehen, man wolle das Wohl der Menschheit fördern. Dem irakischen Volk seien Folter, Streubomben, Elend, Demütigung und Tod gebracht worden, wenngleich behauptet werde, man bringe dem Nahen und Mittleren Osten Freiheit und Demokratie. Pinter sprach von einem "brillanten, fast schon geistreichen und höchst erfolgreichen Akt der Massenhypnose".

Der 75-Jährige, der an Kehlkopfkrebs leider und deshalb mit heiserer Stimme sprach, kann aus Gesundheitsgründen nicht nach Stockholm kommen. Den Nobelpreis nimmt deshalb sein Verleger Stephen Page entgegen.

Von: 08. Dezember 2005, http://www.sueddeutsche.de (AP)

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