Erinnerung an die Mine (Deutschland)


Fotokünstler Lukas Einsele in der Kunsthalle


(08.08.2008)

Lukas Einsele ist ein Mann, der das Lachen trotz allen geistigen Tiefgangs, zehrender Ausdruckskraft und schlimmster Dinge, die er hat sehen wollen, nicht verloren hat. Das ahnt nicht, wer als Betrachter seiner Fotoarbeiten in die Kunsthalle Mainz kommt - das konnte nur erfahren, wer Einseles Projektvorstellung vor dessen Werkensemble "One Step Beyond - Wiederbegegnung mit der Mine" beiwohnte. Viel lieber als ein passives Dabeisein war dem Fotokünstler jedoch ein Dialog mit dem Publikum, das jedoch in erfreulich großer Menge erschienen ist, so dass der erhoffte, intime Gedankenaustausch etwas stockte. Für Einsele kein Problem: Natalie de Ligts (Künstlerische Leiterin der Ausstellungshalle) Angebot, einzelne, große Fotos vom Lesetisch in die Höhe zu halten und den Versammelten zu zeigen, nahm der Darmstädter anfänglich entgegen - bald machte er das selbst.

Mit Verve berichtete der sensible Mann über sein Ansinnen, Kunst über das Erinnern und das daraus resultierende Erzählen erlebbar zu machen, oder gar ein eigenes Kunstfeld hierdurch zu schaffen. Das narrative Element begeistert Einsele; ihn, der sowieso ein Mann auch des Worts zu sein scheint: Er redet gerne, und gut. Ohne ein Schwätzer zu sein.

Die Lektüre des französischen Philosophen Michel Certau löste bei Einsele unter anderem eine Auseinandersetzung mit dem Begriff der Bedeutung aus. "Das Fehlen der Bedeutung reißt ein Loch in die Zeit", ist ein Satz von Certau, der den Fotografen nicht mehr losgelassen hat.

2001 reiste er das erste Mal nach Angola, es folgten weitere Aufenthalte in verminten Gebieten wie Afghanistan oder Kambodscha. Eines von des Künstlers Lieblingsdauerthemen, die Erinnerung, war bei Menschen, deren Leben durch Minen stark in Mitleidenschaft gezogen worden war, ein zentrales Thema. Und sie waren in einem Zustand auf eine Mine getreten, die Lukas Einsele als "bedeutungslos" charakterisiert: "Sie sind ja nicht extra darauf getreten".

Wenn er ausstelle, höre das Erzählen häufig an der Wand auf, die Frage, wo er in Kommunikation zwischen seiner Kunst und den Betrachtern steht, kann dann nicht beantwortet werden. Allein schon deshalb gebührt Natalie de Ligt Dank für diese Kunst vermittelnden Aktionen.

Von: 08.08.2008, www.main-rheiner.de von Carola Krug-Haselbach

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