Französischer Soldat im Libanon von Streumunition getötet: Die Notwendigkeit eines völligen Verbots dieser Waffen wird erneut auf dramatische Weise deutlich (Libanon)


Am Mittwoch kam ein französischer Soldat der Beobachtermission der UNO im Libanon (UNFIL) im Süden des Landes durch die Explosion einer Streumunition ums Leben. Dieser Unfall, der sich in einem Land ereignete, das sehr stark mit Streumunitionen verseucht ist, verdeutlicht erneut und auf dramatische Weise, wie gefährlich diese Waffen sind. Die Unglücksfälle zeigen, wie dringend sich die Staaten auf ein Totalverbot von Streumunitionen einigen müssen - doch der Prozess steckt noch mitten in den Verhandlungen. Handicap International und die Kampfmittelräumer, die vor Ort arbeiten, sind von dieser Tragödie sehr betroffen und sprechen der Familie des Opfers ihr aufrichtiges Beileid aus.


(30.07.2007)

Den Haag - Der 52-jährige Milan Martic wurde auch für schuldig befunden, einen zweitägigen Angriff mit Streubomben auf die kroatische Hauptstadt Zagreb angeordnet zu haben. Dabei wurden im Mai 1995 mindestens sieben Zivilpersonen getötet und mehr als 200 verletzt.
Der Unfall ereignete sich in der Region Nakoura, die sich in
unmittelbarer Nähe der israelischen Grenze im Südlibanon befindet.
Ungefähr 50% der Fläche im Südlibanon ist stark mit Streumunitionen
verseucht, die während des Krieges im Sommer 2006 durch die
israelische Armee abgeworfen worden waren. Damals wurden über vier
Millionen Streu-Submunitionen verbracht; die meisten während der
letzten 72 Stunden des Krieges. Am Tag nach der Waffenruhe, die
unerwartet am 14. August eintrat, waren eine Million Submunitionen,
die während des Aufpralls nicht explodierten, in einem Gebiet von 37
Millionen m2 verstreut. Die lokalen Behörden und die Vereinten
Nationen schätzen, dass es noch ein Jahr dauern wird, bis der
Südlibanon vollständig von Streumunition geräumt ist. Seit dem Ende
des Krieges wurden insgesamt 248 Menschen durch Streumunition
verletzt oder getötet.

Drei Teams mit jeweils circa 10 Kampfmittelräumern von Handicap
International arbeiten seit Ende 2006 in der Region, in der sich der
tödliche Unfall des Soldaten ereignete. Bis heute haben sie bereits
fast 432.000 m2 geräumt. Sie sind von der Tragödie, die die Gefahr
ihrer Arbeit verdeutlicht, besonders betroffen und möchten im Namen
der gesamten Organisation der Familie ihr herzliches Beileid
aussprechen.

Im Moment ist ein internationaler Prozess im Gange, durch den im
Jahr 2008 ein internationaler Vertrag für ein völliges Verbot von
Streumunitionen erreicht werden soll. Der tödliche Unfall zeigt auf
dramatische Weise die dauerhafte und unterschwellige Gefahr, die von
Streumunition ausgeht und macht die Verantwortung der Staaten
deutlich, die sich an den Verbotsverhandlungen beteiligen: Das Verbot
muss so schnell wie möglich erreicht werden, um weitere Unfälle zu
vermeiden. Die Position der deutschen Regierung, die die so genannte
"ungefährliche" Streumunition noch mehrere Jahre behalten will, ist
nicht tragbar. Viele der Streumunitionen, die heute den Libanon
verseuchen, gehören dieser zweifelhaften Kategorie an.

Zur Organisation: Handicap International ist als internationale
Hilfsorganisation in 60 Ländern der Welt für Menschen mit Behinderung
tätig: in der Rehabilitation und Integrationsarbeit sowie in der
Prävention u.a. durch Kampfmittelräumung und Aufklärung der
Bevölkerung über explosive Überreste von Kriegen. Handicap
International hat die Internationale Kampagne für das Verbot von
Landminen mit gegründet, die 1997 den Friedensnobelpreis erhielt.
Außerdem engagiert sich die Organisation mit der "Cluster Munition
Coalition" für ein Verbot von Streubomben.

Von: www.handicap-international.de

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