Für Entschärfung einer Bombe Autobahn gesperrt (Deutschland)


Eschweiler. Zum Ende des 2. Weltkriegs hatte es im Raum Weisweiler Bomben gehagelt. Ziele waren vor allem die Autobahn und das alte Kraftwerk Weisweiler. Nicht jede explodierte, und nicht jeder Blindgänger wurde gefunden. Bei der Verbreiterung der Autobahn kommen jetzt solche Bomben ans Tageslicht.


(24.06.2008)

Vor einer Woche erst eine, und Mittwochvormittag wieder. Jedes Mal ist es ein großer Einsatz für Polizei, Feuerwehr und Ordnungsamt, jedes Mal muss die Autobahn gesperrt werden. Denn immer noch sind diese Bomben gefährlich.

Um 9.15 Uhr wurde die Eschweiler Feuerwehr über den neuesten Bombenfund an der A4 bei Weisweiler informiert. In vier Metern Tiefe war auf der Südseite der Autobahn, etwa dort wo früher das Kraftwerk Weisweiler I stand, eine 125-Kilo-Splitterbombe gefunden worden.

Der Kampfmittelräumdienst war schnell zur Stelle. Ebenso schnell war klar, dass für die Entschärfung der Bombe an Ort und Stelle die Autobahn sowie angrenzende Straßen im Umkreis von 300 Metern gesperrt werden müssen. Eine Aufgabe für die Polizei, die nicht so einfach ist. Vor allem müssen ausreichend viele Polizisten her, um wirklich jede Zufahrt zu sperren. 17 Beamte mit sieben Streifenwagen waren es am Mittwoch.

Während Fritz Ramacher und Fritz Pütz vom Kampfmittelräumdienst schon mal schauen, wie sie am einfachsten an den Zünder der Bombe kommen, ist auf dem Parkplatz der Energie- und Wasserversorgung nahe der Autobahnauffahrt Weisweiler Einsatzbesprechung.

Zufahrt um Zufahrt wird abgehakt. «Achtet bitte darauf, dass es an der Rheinbraun-Werkstatt zwei Tore gibt», bekommt eine Streifenwagen-Besatzung mit auf den Weg. Und auch der Wirtschaftsweg auf der Südseite der A4 muss kontrolliert werden, bevor er abgeriegelt wird - «nicht dass da noch Fußgänger herumlaufen».

11.45 Uhr - jetzt wird es ernst. In Höhe der beiden Autobahnauffahrten Eschweiler-Ost und Weisweiler fahren gleichzeitig Streifenwagen auf die Autobahn, werden langsamer, stoppen mit kreisendem Blaulicht. Die A4 ist jetzt in beiden Fahrtrichtungen dicht. Auch alle anderen Straßen rings um den Bombenfundort sind gesperrt. Manche Autofahrer wollen dennoch durch: «Ich wohne dort drüben und muss dringend nach Hause.»

Zehn Minuten dauert es, bis die beidem Kampfmittelräumer den Zünder aus der Splitterbombe gedreht haben - ganz vorsichtig, denn auch nach Jahrzehnten in der Erde können solche Zünder noch funktionieren. Um 11.57 Uhr kommt per Funk die Entwarnung: «Bombe entschärft». Da ist in Fahrtrichtung Köln bereits ein Stau von mehr als vier Kilometern Länge aufgelaufen.

Während die entschärfte Bombe von einem Gabelstapler in das Transportfahrzeug des Kampfmittelräumdienstes gehoben wird, zeigt Fritz Ramacher den Zünder. Ein nadelspitzer Dorn sticht daraus hervor. Offenbar hatte der Zünder beim Aufschlag der Bombe vor mehr als 60 Jahren richtig funktioniert, aber dennoch nicht den Sprengmechanismus ausgelöst. «Ein klassischer Blindgänger», resümiert Ramacher. Seine Worte gehen fast unter im ohrenbetäubenden Hupen eines Lkws, der zwei Meter entfernt vorbei rauscht.

Von: 25.6.2008, www.az-web.de

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