Gesundheit für alle! (Vietnam)


In Linh Hai wird an der Verbesserung der medizinischen Grundversorgung gearbeitet Ein neues Gemeindegesundheitszentrum im vietnamesischen Linh Hai wird künftig die medizinische Grundversorgung der Gemeinde sichern.


(28.11.2007)

»Auch der Dauerregen hat die Zeitplanung für den Bau des Gemeindegesundheitszentrums nicht wesentlich beeinträchtigen können«, freut sich Vo Van Quy, Vorsitzender des Gemeinderats von Linh Hai. »Unsere Freude darüber schließt auch den Dank an die Minenräumer ein, die mit ihrer Arbeit die Voraussetzungen für ein besseres Leben schaffen.« Siegfried Block, Manager des Programms von SODI zur humanitären Minen- und Blindgängerräumung in Vietnam, schaut ab und zu an der Baustelle des Gesundheitszentrums vorbei. Die Fläche von knapp 70 Hektar, die in diesem Jahr beräumt wird, befindet sich nicht weit von hier. »Es ist gut zu sehen, was sich im Ergebnis unserer Arbeit entwickelt. Alle im Räumteam wissen, dass ihr Einsatz den Menschen unmittelbar zu Gute kommt. Das motiviert uns täglich aufs Neue.« Die Verbindung von Räumaktivitäten mit Entwicklungsprojekten weiß auch das deutsche Auswärtige Amt zu schätzen. Es finanziert die Räumarbeiten seit fast zehn Jahren. Die SODI-Spenden für Entwicklungsprojekte ' so auch für das Gesundheitszentrum in Linh Hai ' werden durch Fördermittel des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung vervielfacht.
Die Arbeit der Minenräumer wird von der Bevölkerung in Linh Hai hoch geschätzt, so auch von Bauer Le Van Vu und seiner Familie. Ein Unfall hatte das Leben des damals gerade Elfjährigen dramatisch verändert. Wie immer hatte er an jenem Tag die Kuh seiner Familie zum Weiden in den Wald getrieben. Er fand im Laub etwas Rundes, das wie ein Tennisball aussah. Neugierig hob er es auf, zielte damit auf den nächsten Baum. »Dann war um mich nur noch Blitz und Donner«, erinnert er sich. Der Tennisball war ein »Bombi«, ein nicht explodierter Teil von Streumunition. Der Junge verlor einen Arm und zog sich weitere Verletzungen zu. »Aber ich bin trotzdem weiter zur Schule gegangen und habe mit Hilfe anderer gelernt, mit meiner Behinderung zu leben.«
Später schloss sich Le Van Vu dem Verband der Behindertensportler an, lernte schwimmen und freut sich, dass er bei nationalen Wettkämpfen Medaillen gewonnen hat. Und er ist stolz darauf, dass er trotz Behinderung als Bauer arbeitet und den Pflug über sein kleines Reisfeld führen kann. Das geht nur langsam und mit vielen Pausen. Aber Le Van Vu will seinem fünfjährigen Sohn, der den mit Hilfe von SODI gebauten Kindergarten in Linh Hai besucht, ein Vorbild sein. Und er wartet nicht, bis der Sohn in der Schule über die Blindgängergefahr aufgeklärt wird. »Ich habe ihm beigebracht, worauf er zu achten und wie er sich zu verhalten hat, wenn er allein unterwegs ist. Denn noch liegen in unseren Wäldern Blindgänger aller Art und gefährden insbesondere die Kinder.«
Erst vor einigen Monaten starb ganz in der Nähe ein Jugendlicher bei einem Unfall mit einem »Bombi«. Ein weiterer wurde schwer verletzt. Le Van Vu weiß nur zu gut, was dies bedeutet. Er klagt nicht über Schmerzen, die ihn oft genug plagen. Er freut sich darüber, dass es im neuen Gesundheitszentrum moderne Geräte für elektrotherapeutische Behandlungen geben wird, die gut für Rücken und Gelenke sein sollen. Seine Frau streichelt ihm ganz leicht über den Arm, als er das sagt.
Die Familie von Le Van Vu lebt infolge des mehr als 20 Jahre zurückliegenden Unfalls noch immer in ärmlichen Verhältnissen. Deshalb wird auch die medizinische Betreuung im neuen Gesundheitszentrum für sie kostenlos sein. Gesundheit für alle ' diesem Ziel kommen die Menschen in Linh Hai mit internationaler solidarischer Hilfe bald ein großes Stück näher.

Von: www.neues-deutschland.de, von Ilona Schleicher, 28.11.2007

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