Gewalt auf "dramatischem Niveau" (Welt)


Genf. Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) befürchtet eine Verschärfung der bewaffneten Auseinandersetzungen in Afghanistan und im benachbarten Pakistan. Der Operationsleiter des IKRK in Südasien, Jacques de Maio, forderte die USA und die anderen in den Afghanistankonflikt verwickelten Staaten am Montag in Genf auf, "den humanitären Faktor zu berücksichtigen".


(29.03.2009)

"Wir erwarten in den kommenden Monaten noch mehr Kämpfe, Verwundete, Flüchtlinge und politische Gefangene", erklärte de Maio. In Afghanistan sei die Zahl der im Krieg verletzten Zivilisten in einem Jahr um 50 Prozent gestiegen. Die Warnung des IKRK richtet sich an die am heutigen Dienstag beginnende Afghanistan-Konferenz in Den Haag. "Das IKRK appelliert an alle Teilnehmerstaaten, sich der Not der Zivilbevölkerung mit höchster Dringlichkeit anzunehmen", heißt es in einer Stellungnahme der Organisation. Das IKRK ist eines der wenigen Hilfswerke, das in Afghanistan und Pakistan auch in Stammesgebieten und von islamischen Extremisten beherrschten Zonen tätig sein kann - obwohl es das Kreuz in seinem Emblem trägt. De Maio sieht den Grund für diese Akzeptanz in der langjährigen Tätigkeit des IKRK in der Region. Schon während der sowjetischen Intervention in Afghanistan pflegte das IKRK dort Verwundete, lieferte Prothesen für Minenopfer und besuchte politische Häftlinge.


Laut de Maio hat die Gewalt im Krisengebiet ein "dramatisches Niveau" erreicht. Pakistan werde zunehmend destabilisiert; die Anzahl der Binnenflüchtlinge werde auf 200 000 bis 400 000 geschätzt. Genauere Angaben seien nicht möglich, weil die Flüchtlinge auf eigene Faust herumwanderten. Das IKRK habe auch nicht Zugang zu allen Regionen Pakistans. So bleibe ihm die Provinz Waziristan verschlossen, wo US-Drohnen Stellungen von El Kaida mit Lenkwaffen angreifen. In seinen Spitälern und Feldlazaretten stelle das IKRK aber die Ankunft einer wachsenden Zahl von Verwundeten aus der Nordwest-Grenzprovinz und den Stammesgebieten fest. "Die medizinischen Strukturen reichen nicht aus, um alle diese Leute zu pflegen", berichtet de Maio.

In Peschawar nahe der afghanischen Grenze hat das IKRK jetzt 60 Spitalbetten unter einem Zeltdach eingerichtet. "Die politische und militärische Dynamik führt zu einer stärkeren Gefährdung der Zivilisten", urteilt das Internationale Komitee vom Roten Kreuz. De Maio appellierte an die USA und ihre Verbündeten, "bei ihren Militäreinsätzen den Grundsatz der Verhältnismäßigkeit zu respektieren".

Von: Frankfurter Rundschau-online, 30.03.2009

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