Hilferuf aus Beirut


Der UNO zufolge wurden seit dem Waffenstillstand vom 14. August 60 Menschen durch explodierte Blindgänger aus Streubomben getötet oder verletzt. Die Vereinten Nationen haben im Libanon mittlerweile 405 Abwurfstellen ausgemacht, dies entspreche etwa 100000 nichtexplodierten Sprengsätzen.


(03.09.2006)

Libanons Parlamentspräsident fordert Blockadebruch

Der libanesische Parlamentspräsident Nabih Berri hat die arabischen Nachbarländer aufgerufen, die israelische Luft- und Seeblockade zu durchbrechen. Der Politiker verurteilte die israelische Blockade am Samstag auf einer Sondersitzung des Parlaments in Beirut als militärische Aggression und als Verstoß gegen die UN-Resolution 1701. Wie die Nachrichtenagentur AP berichtet, will das Parlament in Beirut die Regierungen der arabischen Staaten auffordern, die Blockade zu ignorieren und Flugzeuge oder Schiffe in den Libanon zu schicken.

Auch UN-Generalsekretär Kofi Annan forderte die Aufhebung der Blockade, stieß damit bei Gesprächen in Jerusalem aber auf Ablehnung. Die israelische Regierung erkärte, sie werde die Abriegelung des Libanon erst dann aufheben, wenn UN-Truppen »alle Grenzen« des Nachbarlandes überwachen und Waffenlieferungen an die Hisbollah-Miliz stoppen.

Neben der Ölpest an seiner Küste hat der Libanon vor allem auch mit der Beseitigung sogenannter Blindgänger im Süden und Osten des Landes zu kämpfen. Die Entschärfung der Sprengkörper aus von Israel während des 33tägigen Krieges eingesetzten Streubomben wird nach Angaben der Vereinten Nationen mindestens ein Jahr dauern. Agenturberichten zufolge übergab Israel der UN-Truppe im Libanon inzwischen Landkarten, in denen Abwurfstellen der Bomben verzeichnet sind. Der UNO zufolge wurden seit dem Waffenstillstand vom 14. August 60 Menschen durch explodierte Blindgänger aus Streubomben getötet oder verletzt. Die Vereinten Nationen haben im Libanon mittlerweile 405 Abwurfstellen ausgemacht, dies entspreche etwa 100000 nichtexplodierten Sprengsätzen.



Von: 04.09.2006, http://www.jungewelt.de

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