Im Minenfeld


Aktionsbündnis landmine.de löst sich auf Es war die bis dahin zweitgrößte Unterschriftenaktion in der Geschichte der Bundesrepublik: Vor drei Jahren überreichte das Aktionsbündnis landmine.de der Bundesregierung mehr als eine Million Unterschriften - für ein vollständiges Verbot von Landminen und Streumunition. Insgesamt 20 Jahre kämpfte das Bündnis international für dieses Verbot.


(02.12.2010)

Nun sieht es seine politischen Ziele fast vollständig erreicht. Daher löst sich das Bündnis nun auf. Wegen Erfolges lautete die Begründung auf einer dafür einberaumten Pressekonferenz. Da betonen die Vertreter der anwesenden Träger - Oxfam, Handicap Deutschland und Misereor - immer wieder, dass das Aus keine finanzielle, sondern eine politische Entscheidung sei, politisch nach außen hin. Der Direktor des Bündnisses, Thomas Küchenmeister, hält sich vornehm im Hintergrund. Dabei läge die Vermutung nahe, der Schritt sei finanziell begründet: Denn die EU und die Bundesregierung senken für 2011 die Mittel für humanitäre Hilfen. Das noch vorhandene Geld, so Francois de Keersmaeker, Geschäftsführer von Handicap International, steckten die Hilfsorganisationen nun auch in andere Projekte.

Landminen bleiben unterdessen eine höllische Gefahr. In mehr als 90 Ländern der Welt sind derzeit noch etwa 80 Millionen Landminen verborgen. Jährlich sterben etwa 8.000 Menschen, spielende Kinder, Bauern bei der Feldarbeit, Frauen auf dem Weg zum Markt.

Zehntausende, darunter vor allem Kinder, werden verstümmelt. Etwa in Vietnam, wo Kinder die kugelförmigen Waffen finden, unwissend mit ihnen spielen und bei der Explosion dann regelrecht zerfetzt werden, sagt Sebastian Krumbiegel von der Band "Die Prinzen". Er setzte sich für landmine.de ein und hat eines der Minenräumungsprogramme besucht.

"Die einzelnen Hilfsorganisationen werden die Projektarbeit zur Minenräumung und Opferrehabilitation fortsetzen und darüber wachen, dass die beiden Abkommen umgesetzt werden", betont de Keersmaeker. Jeder aber nach seinen Schwerpunkten. Er räumt ein, dass die gleiche Schlagkraft wohl nicht mehr vorhanden sein werde. Aber er geht davon aus, dass sich, wenn nötig, "wieder etwas formiert".

Handlungsbedarf bleibt
Küchenmeister, der durch die Auflösung seinen Job als Direktor verliert, merkt an, dass ihm der Schritt, das Bündnis aufzulösen, "zu früh" komme. Mitten im Gespräch wirkt es plötzlich so, dass das jetzige Ende zumindest auch eine politische Entscheidung nach innen ist, also innerhalb des Bündnisses. Denn Küchenmeister widerspricht seinen Vorrednern: Das Thema Landminen sei noch nicht zu Ende gebracht. Deshalb mache er weiter. Mit einem neuen, eigenen Bündnis: "Facing Finance" soll das heißen. Mit neuen Partnern aus Belgien, Deutschland und Polen. Und mit neuen Themen. Seine Mitarbeiter nimmt er aber mit, wie er erläutert. Es gehe darum, Aufklärung in den betroffenen Ländern zu leisten. Besonders aber darum, Investments und Kreditvergaben an Hersteller dieser Waffen zu unterbinden. Schon kommende Woche will er sein Konzept vorstellen.

EADS, Siemens, Rheinmetall, Chrysler - sie alle sollen laut Krumbiegel den Herstellern dieser Waffen Investments anbieten. Daher müsse "Facing Finance" Aufklärung auch bei den Käufern von Aktien leisten. "Wenn man diese Aktien kauft, kann es sein, dass man auch Blut an den Händen hat", sagt der Sänger.

Dass das Thema Landmine in unterschiedlichen Bereichen noch für Handlungsbedarf sorgt, darüber sind sich die Beteiligten einig. Aber das Bündnis ist am Ende seiner Zeit angekommen. Einzig die Homepage bleibt erhalten und soll weiterhin betreut werden. Ansonsten gehen die Träger und die Akteure ab sofort in zerstreute Richtungen.

(Veronika Schütz / kna)

Von: http://www.domradio.de/aktuell/artikel_69701.html

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