Israel soll Streubomben eingesetzt haben (Israel/ Libanon)


Die schweren Gefechte zwischen israelischen Soldaten und Kämpfern der radikal-islamischen Hisbollah-Miliz im Südlibanon dauern an. US-Menschenrechtler erhoben schwere Vorwürfe gegen die israelische Armee.


(24.07.2006)

Die israelische Armee nahm inzwischen weite Teile der Hisbollah-Hochburg Bint Dschbail ein. Der Grenzort sei aber noch nicht unter Kontrolle, sagte ein Armeesprecher in Tel Aviv. Die israelische Armee habe die Stadt eingekreist und Positionen im Zentrum eingenommen, sagte der israelische Oberstleutnant Itzik Ronen, der eine Panzereinheit in dem Kampfgebiet führt, im israelischen Rundfunk. "Der Feind hat nicht geringe Verluste", sagte er. "Wir haben mehrere Gefangene genommen." Viele der mehr als 30.000 Bewohner haben die Stadt offenbar verlassen.

Israel hat nach Angaben seines Militärs bei Gefechten in Südlibanon zahlreiche Kämpfer der Hisbollah-Miliz getötet. Eine Sprecherin sagte, der Tod von zehn Hisbollah-Kämpfern sei bestätigt worden. Die Zahl könne aber durchaus höher liegen: "Es wird überall gekämpft, und wir können nicht bei jedem einzelnen feindlichen Opfer den Puls fühlen", sagte die Armeesprecherin.

Israel hatte am Montag auch den Tod von zwei weiteren Soldaten bei Gefechten bestätigt. 14 israelische Soldaten seien verletzt worden. Damit stieg die Zahl der bei der inzwischen fast zwei Wochen andauernden Offensive getöteten israelischen Soldaten auf 22.
Menschenrechtsgruppe wirft Israel Einsatz von Streumunition vor

Israel wird vorgeworfen, auch Streumunition eingesetzt zu haben

Eine US-Menschenrechtsgruppe warf Israel inzwischen den Einsatz von Streugranaten bei einem Angriff auf ein libanesisches Dorf in der vergangenen Woche vor. Die Organisation Human Rights Watch teilte am Montag mit, ihr lägen Fotos vor, auf denen so genannte Cluster-Granaten zu sehen seien, die die israelische Artillerie an der Grenze zum Libanon gelagert habe.

Vergangenen Mittwoch sei beim Angriff auf das Dorf Blida solche Munition verwendet worden. Ein Mensch starb, mindestens zwölf Zivilisten wurden verletzt. Der Einsatz von Streumunition sei besonders in bevölkerten Gebieten inakzeptabel, da ihre Wirkung nicht genau kontrollierbar sei, sagte Human-Rights-Watch-Direktor Kenneth Roth.

Studien im Irak und im Kosovo hätten gezeigt, dass der Einsatz von Streumunition stets mit zahlreichen zivilen Opfern einhergehe. "Israel muss sofort damit aufhören, Streubomben im Libanon zu verwenden", forderte Roth. Streugranaten hinterlassen häufig zahlreiche Blindgänger, die auch Jahre später noch explodieren können. Das israelische Militär teilte mit, der Gebrauch von Streumunition sei gemäß internationalem Recht legal. Der Vorfall, auf den sich die Menschenrechtsorganisation beziehe, werde geprüft.

Von: 25.7.2006 Financial Times Deutschland

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