Israelische Armee setzt Angriffe fort (Libanon)


Kampfflugzeuge zerstören Außenministerium der Palästinenserregierung


(12.07.2006)

Gaza/Beirut/dpa. Die israelische Armee hat in der Nacht zum Donnerstag ihre Angriffe im Libanon und dem Gazastreifen fortgesetzt. Am frühen Morgen beschossen Kampfflugzeuge in Gaza das Außenministerium der von der Hamas geführten Palästinenserregierung mit Raketen und zerstörten es weitgehend. Zehn Menschen, die meisten von ihnen Kinder, wurden nach Angaben palästinensischer Ärzte verletzt. Zuvor waren zwei Brücken im Libanon Ziel von Luftangriffen. Am Mittwochabend hatte der israelische Verteidigungsminister Amir Perez in Tel Aviv weitere Angriffe im Südlibanon genehmigt.

Wie ein Reporter der Deutschen Presse-Agentur in der Nacht aus Gaza berichtete, schossen F-16 Kampfflugzeuge und unbemannte Drohnen mindestens drei Raketen auf das sechsstöckige Regierungsgebäude im Stadtteil Remal ab. Die obersten beiden Etagen seien bei dem Angriff zerstört worden, verlautete aus palästinensischen Sicherheitskreisen. Die Büros des palästinensischen Außenministers und Hamas-Führers Mahmud al-Zahar befinden sich in der fünften Etage. Erst vor wenigen Tagen hatten israelische Kampfflugzeuge die Büros von Regierungschef Ismail Haniya und Innenminister Said Sijam angegriffen und zerstört.

Bei den zehn Verletzten handele es sich um Anwohner umliegender Häuser, sagte der Sprecher eines Krankenhauses in Gaza. Die meisten seien Kinder. Sie hätten leichte bis mittelschwere Verletzungen erlitten.

Wenige Stunden zuvor hatten israelische Kampfflugzeuge nach Angaben des libanesischen Militärs eine Brücke in Damur rund 15 Kilometer südlich von Beirut sowie eine weitere Brücke nördlich der Hafenstadt Sidon mit Raketen beschossen. Die libanesische Armee habe mit Flugabwehrgeschützen auf die Flugzeuge gefeuert, hieß es.

Die israelische Armee war am Mittwoch erstmals seit ihrem Rückzug im Jahr 2000 in den Südlibanon eingerückt, nachdem Milizionäre der radikalislamischen Hisbollah am Morgen zwei israelische Soldaten aus Nordisrael verschleppt hatten. Bei der Militäraktion wurden acht israelische Soldaten und zwei libanesische Zivilisten getötet.

Drei der israelischen Soldaten seien beim Überfall durch die Hisbollah-Milizionäre getötet worden, bei dem zwei ihrer Kameraden entführt wurden, sagte eine Militärsprecherin am Abend der dpa. Vier Soldaten seien ums Leben gekommen, als ihr Panzer auf eine Mine fuhr, ein weiterer sei von Hisbollah-Kämpfern erschossen worden, als er versucht habe, die Leichen der Vier zu bergen.

Die libanesische Regierung wies am Abend die Verantwortung für die Verschleppung der israelischen Soldaten zurück. Gleichzeitig forderte Informationsminister Ghasi Aridi eine Dringlichkeitssitzung des Weltsicherheitsrates. Der israelische Ministerpräsident Ehud Olmert hat die Regierung in Beirut, in der die Hisbollah mit zwei Ministern vertreten ist, für die Verschleppung der Soldaten verantwortlich gemacht und schmerzhafte Konsequenzen angekündigt.



Von: 13.7.2006 www.mz-web.de

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