Ist Hilfe nicht hoffnungslos?"


Kittlerschule: Fachoberschulklassen beschäftigen sich mit Bürgerkriegen, Kindersoldaten, Landminen und Aids in der Dritten Welt ' Fragen an die Organisation "Medico international" "Sind Ihre Bemühungen nicht ein Tropfen auf den heißen Stein?" und "Kommen die Spenden auch wirklich bei denen an, denen geholfen werden soll?" Mit diesen Fragen wurde Andreas Wulf von "Medico international" zum Abschluss des Projektes "Globalisierung und Gesundheit" der Erasmus-Kittler-Schule konfrontiert.


(10.03.2008)

Die beiden Metall-Fachoberschulklassen (Jahrgang zwölf) hatten sich im Fach Sozialethik/Religion tief ins Thema eingearbeitet. Bürgerkriege in vielen Teilen der Welt missbrauchen Tausende Kindersoldaten körperlich und psychisch; Minen aus längst vergessenen Kriegen verstümmeln und töten heute noch; Aids breitet sich vor allem in Afrika anscheinend unaufhaltsam weiter aus; die auf Gewinn ausgerichteten Pharmaunternehmen bedienen lieber die Zivilisationskrankheiten der zahlungskräftigen Kundschaft, als preisgünstige Arzneien für Krankheiten des armen Teils der Welt anzubieten oder zuzulassen; und schließlich kommen die gut ausgebildeten Arzte nach Europa, während deutsche Ärzte nach England, Norwegen oder in die Schweiz abwandern.

Ist Hilfe hier nicht hoffnungslos? Wulf knüpfte an die positiven Ergebnisse an, die in den Schülerberichten erwähnt waren: Auf Druck von Organisationen wie "Medico international" oder "Ärzte ohne Grenzen" kann das Patentrecht jetzt von einzelnen Staaten außer Kraft gesetzt werden. Billigere Generica sind für die Menschen dann eher erschwinglich. Die von "Medico international" mitgetragene Kampagne gegen Landminen, die 1997 den Friedensnobelpreis erhielt, bewirkte inzwischen ein von den meisten Staaten unterzeichnetes Verbot aller Landminen (Ottawa Konvention).

Seine Organisation schicke keine Ärzte in die Welt, sondern unterstütze Projekte vor Ort mit Beratung und Geld, sagte Wulf. Er komme gerade aus Bangladesh. Dort habe man in den letzten Jahren erreicht, dass die Mütter- und Kindersterblichkeit spürbar zurückgegangen sei. In der gegenwärtigen globalisierten Welt sei dies natürlich eine Arbeit, die langen Atem erfordere, aber sie helfe Menschen und dafür lohne sie sich.

Der Frage nach der Verwendung der Spendengelder ' sie bezog sich auf das Beispiel Unicef ' beantwortete Wulf mit Verweis auf den Haushalt von "Medico international" und auch sein eigenes Einkommen. Sie seien gehalten, auch Reisekosten möglichst gering zu halten. Allerdings brauche eine Organisation Kontrolle und dafür eine ordentliche Verwaltung. Die Organisationskosten lägen bei acht bis zehn Prozent.

Unter dem Beifall der Klasse nahm der Referent eine Spende mit auf "den Weg mit langem Atem".

Von: www.echo-online.de, 11.03.2008

<<< zurück zu: News