Jubiläumsfeier im Römer


Medico fordert Weltbürger-Recht Vor 40 Jahren wurde die Hilfs- und Menschenrechtsorganisation Medico in Frankfurt gegründet. Inzwischen ist sie im Ausland bekannter als in der Main-Metropole. Im Frankfurter Römer wurde das Jubiläum gefeiert und an alte wilde Zeiten erinnert.


(29.02.2008)

"Gesundheit für Alle", "ein klassenloses Krankenhaus" und bezahlbare Medikamente ' mit solch radikalen Forderungen nach einer gerechteren Gesundheitspolitik tritt Medico seit Jahren in der Öffentlichkeit auf. Anfangs war die Organisation noch ein kleines Grüppchen von Frankfurter Bürgern, Medizinstudenten, Krankenschwestern und Ärzten, die spontan angesichts der schlimmen Bilder aus Vietnam auf die Straße gingen, um Medikamente für den Vietnam zu sammeln. Doch im Laufe der Jahre wuchs die Organisation zunehmend und gewann an Ansehen. Ob in Vietnam, Indien, Kap Verde, Nicaragua oder Kurdistan ' Medico gehörte zu den Hilfsorganisationen, die schnell einschritten und mit Tonnen von Hilfsgütern und Medikamenten die schlimmste Not linderten.

Vom "Systemgegner" zum Friedensnobelpreis-Träger
Dabei musste Medico oft mit Widerständen kämpfen. Die konservative Presse bezeichnete die Gruppe als "Systemgegner", die ihre Hilfe für die Dritte Welt in Ideologie verpackt hätten. Fast hämisch präsentierte Thomas Gebauer, Geschäftsführer von Medico, auf der Jubiläumsveranstaltung im Frankfurter Römer die alten Presse-Ausschnitte.

Der Durchbruch gelang der Hilfsorganisation 1997. Als Initiatorin der Kampagne zur Ächtung von Landminen erhielt Medico gemeinsam mit Partnerorganisationen den Friedensnobelpreis.

Gesundheitswesen demokratisieren

In kleinen Schritten versuchen die Medico-Macher das Gesundheitswesen zu demokratisieren. Auf Kap Verde schufen sie zum Beispiel eine kleine Pharma-Manufaktur, um, so Gebauer, "unabhängiger von oft überteuerten Medikamenten" zu werden.

Kritisch sieht Medico-Geschäftsführer Gebauer die Entwicklungshilfe. "Die Welt leidet an Hilfen, die immer mehr Hilfen notwendig machen", sagte er in Frankfurt. Er forderte, die Hilfe "von jeder Überformung zu befreien".

Neue Form der Solidarität in der Globalisierung

In der Globalisierung sieht Gebauer auch positive Seiten. "Die Solidarität wird in der Globalisierung neu definiert", meint er. Es gäbe nun viel mehr Solidarität von unten, Frauengruppen aus Indien vernetzen sich mit brasilianischen Bauern.
82 Projekte

Um den Teufelskreis aus Armut und Krankheit zu beenden, unterstützt Medico derzeit 82 Projekte. Dabei handelt es sich um Gesundheitsinitiativen, Menschenrechtsgruppen und Gemeindeorganisationen in Asien, Afrika und Lateinamerika.

Medico drängt darauf, dass ein Weltbürger-Recht verankert wird. Gebauer: "Das muss durch öffentlichen Druck angeschoben werden."

Mehrere Veranstaltungen im Jubiläumsjahr

In mehreren Veranstaltungen will die Organisation im Jubiläumsjahr für ihre Vision werben und ihre Tätigkeitsfelder zeigen. Höhepunkt soll die Internationale Solidaritätskonferenz werden, die am 30. und 31. Mai in Frankfurt stattfindet.

Von: www.hr-online.de, 01.03.2008

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