Kämpfe im Südwesten Kolumbiens eskalieren - Awa-Indianer werden Opfer von Landminen


Mehrere Zivilisten werden Opfer von Landminen, Menschen fliehen nach Ecuador. Die seit Anfang November eskalierenden Kämpfe zwischen der kolumbianischen Armee und illegalen bewaffneten Gruppen an der Pazifikküste im Südwesten Kolumbiens im Department Nariño fordern zunehmend zivile Opfer.


(05.12.2005)

Dies berichtet die Münchner Menschenrechts- und Hilfsorganisation EarthLink, die von der kolumbianischen Indianerorganisation Unidad Indigena del Pueblo Awá - UNIPA um Unterstützung gebeten wurde.

Zwei Awa-Indianer aus dem Gemeindebezirk Barbacoas seien auf dem Weg zu ihren Feldern in ein Minenfeld geraten und schwerst verletzt worden, eine 75 jährige Frau starb durch eine Anti-Personenmine, ein weiterer Siedler erlitt ebenfalls schwerste Verletzungen. Kämpfe und Bombardierungen in den Ortschaften Buenavista und Carcuel forderten unter den Zivilisten einen Toten und mehrere Schwerverletzte. Wenigstens 870 Menschen sind bereits über das Meer oder durch den Regenwald in das Nachbarland Ecuador geflohen um den Kämpfen zu entgehen.

Die Armee habe die Bombardierung bis in die unmittelbare Nähe von Wohnhäusern ausgedehnt, berichten die traditionellen Führer der Awa-Indianer. Ein Wohnhaus sei vollkommen zerstört worden. Mitte November rückten über 200 Soldaten in die Ortschaft Junin vor und schlugen in direkter Nachbarschaft zu Wohnhäusern ihr Lager auf. Die UNIPA wirft dem Militär vor, damit die Zivilbevölkerung in große Gefahr zu bringen und auch gegen international gültige Menschenrechte zu verstoßen. Während viele Einwohner aus der Region in die indianischen Gemeinden und Reservate flohen, seien die Häuser von den Streitkräften besetzt, zurückgelassene Gerätschaften und Tiere entwendet worden.

Durch die Präsenz der Streitkräfte verschärft sich auch die Lage innerhalb des Territoriums des Awa-Volkes, insbesondere in den Resguardos Chinguirito Mira, La Brava und Piguambi Palagala. Die Situation würde für die Awa-Indianer täglich schwieriger. Wenn sie nur schon ihre Dörfer verlassen um ihre Produkte auf dem Markt zu verkaufen oder benötigte Waren einzukaufen, würden sie sowohl von Seiten der Armee wie auch von den Guerilla-Kämpfern sowie den paramilitärischen Gruppen der Kolaboration mit der jeweils anderen Seite beschuldigt.

"Der Krieg der hier geführt wird, ist unserer Kultur und unserem traditionellen Leben im Regenwald, gänzlich fremd", so Olivio Bisbicus Pascal, Sprecher der UNIPA, "Die bewaffneten Gruppen wollen uns ihr Gesetz der Gewalt und Angst aufzwingen. Das bestürzt uns sehr, denn die Situation ist öffentlich bekannt aber der Staat gibt keine ausreichende Antwort darauf und es gibt keinerlei Schutz für unser Leben, unsere Ehre und unser Gut."

"Präsident Uribe", so Bernhard Henselmann von EarthLink in einem Schreiben an die kolumbianische Botschafterin in Deutschland Marulanda, "möge dafür Sorge Tragen, dass die Zivilbevölkerung vor Kampfhandlungen und Übergriffen durch bewaffnete Kräfte geschützt wird, die Menschenrechte geachtet werden und das Volk der Awa-Indianer weiterhin in ihrem angestammten Lebensraum und gemäß ihrer Kultur leben können."


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Hintergrundinformationen
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Die Awa-Indianer

Das Volk der Awa-Indianer lebt im Grenzgebiet von Kolumbien und Ecuador, nahe der Pazifikküste. Ihr traditionelles Territorium erstreckte sich seit vorkolumbianischer Zeit über viele hunderttausend Hektar von den westlichen Ausläufern der Anden beim Cumbal-Vulkan bis zum pazifischen Ozean. Dieses Gebiet ist durch sehr verschiedene ökologische Zonen zwischen 30 und 1800 Metern über dem Meeresspiegel gekennzeichnet und hat deshalb eine außergewöhnlich hohe Biodiversität vorzuweisen. Die Vielfalt tropischer Wälder, regenreiches Klima, beständige Temperatur, verschiedene Bodentypen und andere Faktoren schaffen die Bedingungen für derartigen biologischen Reichtum.

Die kolumbianische Regierung hat den heute etwa 21.000 noch in ihren Traditionen lebenden Awa auf kolumbianischer Seite seit 1983 mehrere Reservate im Südwesten des heutigen Departments Nariño vor allem in den Gemeinden Barbacoas und Tumaco zuerkannt. Die Awa verstehen sich selbst als Bewahrer und Schützer des Regenwaldes.

Der zunehmende Druck auf ihr Territorium - früher durch Holzeinschlag und Palmölplantagen, danach durch das Eindringen des illegalen Drogenanbaus und durch die erlittenen Vergiftung von Boden und Wasser im Rahmen des "Plan Colombia", und heute vor allem durch die gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen Militär, paramitärischen Gruppen und Guerilla - läßt die Awa nicht nur um ihren Lebensraum bangen, sondern auch um ihre körperliche Unversehrtheit. Da sie sich allein nicht mehr zu helfen wissen, wollen sie die Weltöffentlichkeit über ihre Situation informieren und auch die UNO um Hilfe bitten.

Laut dem UNHCR in Kolumbien hat das Awa-Volk am stärksten unter den bewaffneten Konflikten im Departmento Nariño zu leiden. Sie sind Opfer von Drohungen, ökonomischen Blockaden, Vertreibung und Mordanschläge auf ihre Führer.


Weitere Informationen in spanisch unter
www.onic.org.co/nuevo/comunicados.shtml
www.acnur.org/index.php

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Von: 05. Dezember 2005, http://openpr.de Autor: EarthLink e.V. - The People & Natur Network

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