Kambodschas Minenopfer wollen WM-Gold im Volleyball (Kambodscha)


Phnom Penh. Ein einziger Schritt veränderte sein ganzes Leben. Vor 20 Jahren trat Sarum Puch in seiner vom Bürgerkrieg zerrütteten Heimat Kambodscha auf eine Landmine. Die Explosion zerfetzte das linke Bein des damals 18-Jährigen und seine Träume von einem friedlichen Leben in Wohlstand.


(18.10.2007)

Es vergingen sechs Jahre bis sich Puch wieder aufrappelte. 1993 schlug er das erste Mal gegen einen Volleyball und fand darin einen neuen Sinn im Leben. "Ich wurde wiedergeboren", sagt er. Der Blick des 38-Jährigen streift seine Prothese. Das künstliche Bein hängt vor dem Fenster seines Zimmers in einem Vorort der Hauptstadt Phnom Penh. Beinahe alle Mitglieder von Kambodschas Behinderten-Volleyballern sind Opfer von Landminen.
Das Königreich in Südostasien stellt heute eines der besten Teams der Welt, und wenn in diesem Jahr erstmals die Weltmeisterschaft im eigenen Land stattfindet, wollen die Spieler auch über die schrecklichen Folgen der Landminen aufklären.
Bisher haben Titelverteidiger Kanada, Deutschland, Australien, Indien, Malaysia, Polen und die Slowakei für das Turnier vom 24. November bis 2. Dezember gemeldet.
"Das ist ein sehr wichtiger Schritt", erklärt Minko Chris, Generalsekretär der 2002 gegründeten kambodschanischen Volleyball-Liga für Behinderte CNVLD. Das Turnier werfe ein Licht auf die etwa 40 000 Amputierten des Landes. Viele von ihnen werden noch immer an den Rand der Gesellschaft gedrängt.
Trotz der Minen-Räumung, die in den frühen 90er Jahren begann, liegen noch immer Millionen von Landminen und andere scharfe Munition verstreut. Täglich sterben Menschen oder werden schwer verletzt.
Über 160 Spieler mit diversen Amputationen spielen in den 17 Teams der CNVLD. Viele von ihnen standen sich noch vor einem Jahrzehnt im Bürgerkrieg als Feinde gegenüber. Die einen kämpften für die Regierung, die anderen für die kommunistische Rebellengruppe Rote Khmer. "Aber heute sind wir Freunde", sagte Som Chok.
Nachdem er sein Bein verloren hatte, dachte der 42-Jährige oft an Selbstmord. "Jetzt bin ich normal, weil hier alle behindert sind. Wir spielen Volleyball zusammen und vergessen darüber manchmal unsere Behinderung. Wenn man die Spieler springen, hechten und schmettern sieht, vergisst man in der Tat, dass dort Menschen mit Prothesen auf dem Feld stehen", betonte Chok.
Für die Weltmeisterschaft in Kambodscha haben sich Chok, Puch und Co. viel vorgenommen. "Ich will den Titel mit dieser Mannschaft holen. Wir haben wirklich eine Chance, die neue Nummer eins der Welt zu werden", sagte Nationaltrainer Christian Zepp.
Wenn es mit dem Gold nicht klappt, so hat sich zumindest für Puch Sarum ein Traum erfüllt. Heute lebt er in jenem friedlichen Land, von dem er vor 20 Jahren geträumt hatte.

Von: http://www.rhein-main.net von Norodom Ung

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