Kosovo im Blick (Kosovo)


Bericht und Diskussion über Situation und Perspektiven. In Zusammenarbeit mit der Kreis-SPD hatten die Tornescher Sozialdemokraten zu einer parteioffenen Diskussionsveranstaltung mit Brigadegeneral Hans Antoni über die Perspektiven für das Kosovo eingeladen.


(10.09.2006)

Tornesch. Der in Tornesch lebende Bundeswehroffizier war von Januar bis Juli diesen Jahres im Rahmen der UN-Mission der Bundeswehr für die Operationsführung und Planung der internationalen Streitkräfte im Kosovo zuständig und berichtete in Wort und Bild von den gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und politischen Verhältnissen im Kosovo und dem Einsatz der Nato-Sicherheitstruppe Kosovo Force (KFOR). In deren Rahmen leistet auch die Bundeswehr seit 1999 ihren Beitrag dafür, dass im Kosovo ein multi-ethnisches, friedliches, rechtsstaatliches und demokratisches Umfeld mit autonomer Selbstverwaltung geschaffen werden kann.

Derzeit sind 2700 Bundeswehrsoldaten dafür im Einsatz. Sie sind im Südwesten des Kosovo mit Hauptquartier in der Stadt Prizren stationiert. Im Kosovo (mit 10877 Quadratkilometern ein Drittel der Größe Belgiens) leben 1,9 Millionen Menschen. 88 Prozent der Bevölkerung sind Albaner, sieben Prozent Serben und fünf Prozent gehören anderen ethnischen Gruppen an. Über die Hälfte der Bevölkerung sei jünger als 25 Jahre, so der Brigadegeneral. Fast 400000 Kosovaren leben in Deutschland, Österreich oder der Schweiz. Die das Leben im Kosovo bestimmenden Clanstrukturen würden enge Kontakte zu den Kosovaren außerhalb der Heimat halten, so Hans Antoni. Korruption und Schmuggelgeschäfte aller Art seien an der Tagesordnung, ethnische Auseinandersetzungen jedoch auf niedrigem Niveau. Die deutschen Soldaten hätten einen guten Ruf, seien in der albanischen Bevölkerung akzeptiert und würden bei ruhiger Lage keinen Gefährdungen ausgesetzt sein, betonte der Brigadegeneral.

Als Teil der KFOR-Truppe (derzeit insgesamt 16000 Soldaten) erfüllen die Bundeswehrsoldaten nicht nur Aufgaben als militärische Schutzmacht, sondern auch im humanitären Bereich. Die KFOR arbeitet dabei eng mit der zivilen Verwaltung "UMNIK" zusammen und leistet Unterstützung bei der Instandsetzung zerstörter Straßen, beim Wiederaufbau von Schulen, Krankenhäusern und Wohngebäuden, bei der medizinischen Grundversorgung der Bevölkerung und beim Aufspüren und Räumen von Minen.

Die mangelhafte Elektrizitätsversorgung sei Hauptproblem für die schlechte wirtschaftliche Situation, so die Einschätzung des Brigadegenerals. Derzeit laufen Verhandlungen über den künftigen Status des Kosovo. Die albanische Bevölkerung hofft, dass 2006 das Jahr der Unabhängigkeit des Kosovo und 2007 das Jahr des Aufschwungs sein wird.

Von: 11.9.06, www.uena.de (Uetersener Nachrichten), von Sylvia Kaufmann

<<< zurück zu: News