Kriegswarnungen nach Kolumbiens Militärschlag


Bogotá (dpa) - Der tödliche Militärschlag der kolumbianischen Armee im Nachbarland Ecuador hat den Konflikt zwischen der konservativen, pro-amerikanischen Regierung in Bogotá und den linksgerichteten US-kritischen Führungen Venezuelas und Ecuadors stark angeheizt.


(02.03.2008)

Sowohl Ecuador als auch Venezuela kündigten die Verlegung von Truppen an die Grenzen Kolumbiens an und zogen ihre Botschafter aus Bogotá ab. Ecuador wies am Sonntag auch den Botschafter Kolumbiens aus. In allen drei Ländern war von einer möglichen Kriegsgefahr die Rede. Der kubanische Revolutionsführer Fidel Castro wurde mit den Worten zitiert, in Südamerika seien bereits «die Fanfaren des Krieges» zu hören. Deutschland, Spanien und südamerikanische Nachbarländer mahnten zu Besonnenheit.

«Wir haben die Entwicklung mit großer Sorge beobachtet», sagte der Sprecher des Auswärtigen Amts, Martin Jäger, am Montag in Berlin. Die Zuspitzung am Wochenende halte er für «gefährlich und potenziell destabilisierend». «Wir sind großer Hoffnung, dass alle an diesem Konflikt beteiligten Parteien die jetzt gebotene Zurückhaltung an den Tag legen, damit vermieden werden kann, dass dieser Konflikt weiter eskaliert», fügte Jäger hinzu. Auch die spanische Regierung appellierte an Kolumbien, Ecuador und Venezuela, die Ruhe zu bewahren.

Die chilenische Präsidentin Michelle Bachelet betonte, Kolumbien sei Ecuador eine Erklärung schuldig. Nicaraguas Präsident Daniel Ortega griff den kolumbianischen Präsidenten Alvaro Uribe scharf an. «Wann werden sie endlich verstehen, dass mit Waffengewalt kein Frieden für Kolumbien zu erzwingen ist?», fragte er. Die Präsidenten Perus und Paraguays, Alán Garcia und Nicanor Duarte Frutos, riefen zu Ruhe und Besonnenheit auf.

Der linksgerichtete venezolanische Präsident Hugo Chávez hatte Uribe zuvor als «kriminellen Lakaien des Imperiums» (USA), als «Lügner und Mafiosi» beschimpft. Kolumbiens Militärschlag könne einen Krieg auslösen, warnte er. Ecuadors Staatschef Rafael Correa geißelte die Tötung des FARC-Vizes Raúl Reyes als die bisher «schwerwiegendste, listigste nachgewiesene Aggression von Präsident Uribe gegen Ecuador». Der frühere ecuadorianische
Außenminister José Ayala warnte ebenso wie der kolumbianische oppositionelle Senator Gustavo Petro vor der Gefahr eines Krieges.

Kolumbien reagierte zunächst mit einer «Entschuldigung» für den «notwendigen» Vorstoß über die Grenze hinweg. Dieser sei als Akt der Selbstverteidigung gerechtfertigt gewesen, sagte Außenminister Fernando Araújo. Anschließend griff Polizeichef Óscar Naranjo aber beide Länder scharf an. Die Regierung von Chávez habe die FARC mit 300 Millionen Dollar (200 Millioen Euro) unterstützt, sagte er unter Berufung auf Dokumente, die in Computern von Reyes gefunden worden seien. Zuvor hatte Naranjo schon Correa vorgeworfen, die Rebellen unterstützt zu haben. Ecuador habe die international als Terroristen geächteten FARC wie «Gäste» geduldet und damit die Sicherheit Kolumbiens gefährdet. Dies sei eine «Lüge», konterte Ecuadors Vize- Verteidigungsminister, Miguel Carvajal.

Die kolumbianische Luftwaffe hatte nach eigenen Angaben am Samstag ein Lager der marxistischen «Revolutionären Streitkräfte Kolumbiens» (FARC) gleich hinter der Grenze zu Ecuador mit Streubomben angegriffen. Anschließend seien Hubschrauber über die Grenze geflogen und hätten Bodentruppen in dem zerstörten Rebellenlager 1,8 Kilometer hinter der Grenze abgesetzt. Sie hätten die Leiche von Reyes und eines weiteren FARC-Anführers und anderes Material wie die Computer eingesammelt und nach Kolumbien gebracht.

Von: www.wnoz.de, 03.03.2008

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