Kunst, die schockt und wachrüttelt (Deutschland)


Der Maschener Künstler Dietbert Riegamer sammelt auf seine ganz eigene Weise Unterschriften für die weltweite Ächtung von Landminen.


(08.08.2007)

Maschen - Eine Gruppe Passanten bleibt stehen. Ein paar nackte Beine aus Plastik auf dem Dach eines Kleinlasters erregen ihre Aufmerksamkeit. Die Menschen beginnen, sich darüber lustig zu machen - der Moment, auf den Dietbert Riegamer gewartet hat. Er drückt auf die Fernbedienung, eine Explosion ist zu hören und die Beine fallen mit lautem Scheppern herunter. Die Passanten sehen jetzt Prothesen, die symbolisch auf schwere Bein-Verletzungen hinweisen sollen. Das Lachen verstummt und weicht dem Entsetzen.
Der Künstler Dietbert Riegamer (64) hat Reaktionen wie diese schon oft erlebt. Sie sind erwünscht. Was sein von ihm entworfenes plastisches Kunstwerk anfangs spaßig aussehen lässt, hat einen todernsten Hintergrund: "Mit dieser Aktion möchte ich die Bevölkerung dazu animieren, sich an der Kampagne ,eine Million Unterschriften gegen Landminen und Streumunition' des Aktionsbündnisses Landmine zu beteiligen", sagt er, "ist die Million voll, soll die Unterschriftenliste am 3. Dezember zum zehnten Jahrestages des Verbots von Anti-Personenminen (Ottawa Konvention) an die Bundesregierung übergeben werden."
Seit Mai sammelt der Künstler Dietbert Riegamer aus Maschen - unterstützt von Ehefrau Heike und den Söhnen Falcao und Leon - jede den Protest unterstützende Stimme. Kein Weg ist ihm dafür zu weit. Nach Berlin, Rostock, Kassel und anderen Großstädten, sind die Riegamers nun auch in Hamburg unterwegs. Vor dem Michel postieren sie ihr auffälliges Auto mit dem Logo "Kunst gegen Landminen" jeweils freitags bis sonntags von 11 bis 17 Uhr. Rund 10 000 Unterschriften sind bisher zusammengekommen. "Nicht zuschauen, sondern handeln" lautet ihre Devise. Als Dietbert Riegamer über das Elend der Menschen erfuhr, die durch Landminen ihre Beine verloren, "musste ich unbedingt etwas unternehmen. Ich schuf die bewegliche Plastik und montierte sie auf die mobile Plattform", sagt der Künstler, "es ist eine ganz neue Art, Inhalte zu vermitteln. Die Zahl der Sympathisanten für diese Art des Protestes gibt mir und meiner Familie recht." Gestartet wurde die von Prominenten wie Anne Will, Ulrike Folkerts und Günter Jauch unterstützte Aktion gegen Landminen im Oktober 2003 in Berlin. Während sogenannte Antipersonenminen seit 1999 völkerrechtlich geächtet sind, unterliegen Antifahrzeugminen noch nicht komplett einem Verbot. Jährlich fordern diese jedoch Tausende Opfer und mehr als 20 000 Menschen fallen Landminen und Blindgängern zum Opfer. Der aktuelle Stand der Unterschriften aus ganz Deutschland heute zählt mehr als 900 000.
Entworfen und kreiert hat Künstler Riegamer die Plastikbeine in seinem Maschener Atelier. Sie gehören zu einer Gruppe von insgesamt elf Arbeiten, in denen Beine symbolisch im Mittelpunkt gesellschaftlich und sozialpolitischer Themen stehen. Seine Aktion Kunst gegen Landminen wird sicherlich nicht die letzte sein, mit der er auf die weltweit durch Gewalt beeinträchtigten Menschen aufmerksam machen will

Von: www.abendblatt.de von Uschi Tisson

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