Mitteldeutsche Kirche fordert Handelsverbot für Kleinwaffen und Munition


Die Synode der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland hat ein Handelsverbot für Waffen gefordert, die zum Einsatz in Krisenländern vorgesehen sind. Zudem fordert sie, Investitionen in die Herstellung von Streumunition und Antipersonenminen gesetzlich zu verbieten.


(26.04.2012)

Zweitägige Beratungen im Harz abgeschlossen
Wernigerode (epd). Die Synode der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland (EKM) hat ein Handelsverbot für Waffen gefordert, die zum Einsatz in Krisenländern vorgesehen sind. In einem zum Abschluss ihrer Frühjahrstagung am Samstag gefassten Beschluss forderte die in Drübeck tagende Synode die Bundesregierung auf, Transfers von Kleinwaffen und Munition zu verhindern, die zu Menschenrechts- und Völkerrechtsverletzungen beitragen können. Die Regierung solle bei der UN-Vertragskonferenz für einen internationalen Waffenabkommen im Juli dafür eintreten, dass weltweit Regelungen zur Reduzierung und Kontrolle der Herstellung und dem Handel von Kleinwaffen und Munition beschlossen werden.
Zudem sei eine effektive Überwachung dieser Regelungen zu vereinbaren, verlangte die Synode. Sie bekräftigte zugleich ihren Beschluss gegen den Export von Kriegswaffen von Ende 2010. Als Erweiterung des damaligen Votums fordert die EKM-Synode vom Bundestag, Investitionen in die Herstellung von Streumunition und Antipersonenminen gesetzlich zu verbieten.

Am Ende ihrer zweitägigen Beratungen im Evangelischen Zentrum Kloster Drübeck bei Wernigerode rief die Synode ferner Gemeinden und Kirchenkreise der EKM dazu auf, in der Basisarbeit neue Wege zu beschreiten. Dazu wurde ein Bericht von Landesbischöfin Ilse Junkermann als «wegweisend» gewürdigt. Für den Prozess, Gemeinden neu zu gestalten und vom «Rückbau zum Umbau» zu kommen, wurde dazu ermutigt, nach neuen «Bildern» zu suchen. Die Verantwortlichen sollten die Anregungen der Bischöfin in ihre weitere konzeptionelle Arbeit aufnehmen. Junkermann hatte am Freitag in ihrem traditionellen Bericht erklärt, dass angesichts von Demografie und «forcierter Säkularität» ein weiterer Rückbau nicht mehr verkraftbar sein werde. Zudem erinnerte sie an die Einsicht der Reformatoren, dass alle Getauften in das Amt der Verkündigung berufen seien.

Weiter wurde auf der Synodentagung zum ersten zentralen Gemeindekongress der EKM für den 13. Oktober nach Halle eingeladen. Bislang hätten 36 der 37 Kirchenkreise der Landeskirche ihre Mitwirkung zugesagt, fast 1.000 Teilnehmer werden erwartet, erklärten die Organisatoren. Der Kongress hat das Motto «lass wachsen». Im Mittelpunkt steht ein Forum, bei dem sich die Teilnehmer mit Beispielen des Gemeindelebens präsentieren und sich austauschen.

In einem weiteren, bei einer Gegenstimme und sechs Enthaltungen gefassten Votum wurde ein am Freitag vorgestellter Zwischenbericht zum Umgang mit der Segnung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften und mit homosexuellen Paaren in Pfarrhäusern «zustimmend» zur Kenntnis genommen. Die Synode beauftragte den Ausschuss Gottesdienst, Gemeindeaufbau und Theologie, nunmehr für die Herbsttagung 2012 einen Beschlussvorschlag zu erarbeiten.

In dem Ausschussbericht heißt es unter anderem, es bestünden in dieser Frage aufgrund der biblischen Verurteilung von Homosexualität nach wie vor Meinungsverschiedenheiten. Gleichwohl könne ein weiter reichender theologischer Konsens erarbeitet werden, in den verschiedene Positionen und Interpretationen biblischer Aussagen integriert werden können. Unterschiedliche Formen der seelsorgerlichen Begleitung und liturgischen Gestaltung für gleichgeschlechtliche Paare sollten grundsätzlich möglich sein. Die Segnung ist derzeit in der EKM nicht ausdrücklich geregelt und in der Praxis der Gewissensentscheidung des einzelnen Pfarrers überlassen.

Die 86 Synodalen vertreten die rund 840.000 Mitglieder der mitteldeutschen Kirche, die Anfang 2009 aus der Fusion der Thüringer Landeskirche und der Kirchenprovinz Sachsen entstanden war. Das Gebiet reicht von Südthüringen bis zur Altmark in Sachsen-Anhalt. Ferner gehören zur EKM Gemeinden in Sachsen und Brandenburg.

epd ost wie phi

Quelle: Evangelischer Pressedienst Landesdienst Ost

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