Noch immer Minenopfer in Bosnien-Herzegowina/ Bosnien-Herzegowina


Seit 1996 starben 486 Menschen durch Sprengsätze aus dem Krieg - Entminung wird noch zehn Jahre dauern


(16.07.2009)

Sarajewo - Mersad A. rannte auf das Feld, um einen_Kollegen zu bergen, der angeschossen worden war. Damals, 1994, war er 22 und Soldat bei der bosniakischen Armee. Die Mine unter dem Gras konnte er nicht sehen, sie riss ihm den linken Unterschenkel und Fuß weg. Durch die österreichische Initiative Hope 87, die von der österreichischen Entwicklungszusammenarbeit finanziert wird, bekommt der heute 37-Jährige in Sarajewo Schmerztherapie. Sein Beinstumpf wird etwa durch leichte Elektrostöße stimuliert. Mersad A. hat auch eine Beinprothese bekommen, die ihm die berufliche Rehabilitation enorm erleichterte. Heute arbeitet er als Sicherheitsfachmann im Verkauf. "Die meisten Minenopfer leiden noch jahrelang unter Phantomschmerzen", sagt die Ärztin Amira Karkin-Tais von Hope 87. "Erst wenn sie ihr Handicap akzeptiert haben, dann verschwinden sie meist."
Noch immer sind 1755 Quadratkilometer in Bosnien mit etwa 220.000 Minen kontaminiert. 900.000 Menschen müssen mit dem Risiko einer Explosion leben. Jedes Jahr gibt es Verletzte und Tote, im Vorjahr starben in Bosnien 19 Menschen, weil sie auf Minen traten. Insgesamt wurden seit 1996 486 Personen getötet und 1181 verletzt. Wenn die Entminungen wie geplant fortgeführt werden können, sollte Bosnien in zehn Jahren minenfrei sein. Jedes Jahr werden dafür etwa 40 Millionen Euro ausgegeben.
Während zivile Minenopfer kaum unterstützt werden, bekommen ehemalige Soldaten immerhin 150 Euro im Monat vom Staat. Die Sozialleistungen für die Kriegsveteranen und Invaliden sind ein heißes, weil sehr politisiertes Thema in Bosnien. Trotzdem fordert nun der internationale Währungsfonds (IWF), dass die Leistungen gekürzt werden. Dafür hat der IWF Bosnien nun einen auf drei Jahre befristeten Beistandskredit im Umfang von 1,2 Mrd. Euro gewährt, um die Wirtschaftskrise abzufedern. Allerdings muss die bosniakisch-kroatische Föderation heuer 211 Mio., die Republika Srpska 75 Mio. Euro einsparen. (awö, DER STANDARD, Printausgabe, 19.5.2009)

Von: 18.05.2009, http://derstandard.at/?url=/?id=1242316153671

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