Streubomben bleiben gefragt


Die Großmächte USA, Russland und China denken nicht an ein Verbot der tückischen Streubomben. 46 andere Länder wollen eine Ächtung der Kriegsgeräte.


(25.02.2007)

WASHINGTON, OSLO: Die USA lehnen ein weltweites Verbot für den Einsatz von Streubomben ("Cluster Bombs" ) ab.

Die Position der Regierung sei, dass diese Waffen im Arsenal des Militärs bleiben sollten, sagte der Sprecher des US-Außenministeriums Sean McCormack in Washington. Voraussetzung seien aber die richtige Technologie und "richtige Regeln" für ihren Einsatz.
McCormack betonte, dass die USA den vergangenen zehn Jahren etwa eine Milliarde Dollar zur weltweiten Beseitigung von Streubomben ausgegeben hätten.

Der Außenamtssprecher verteidigte auch die Entscheidung, dass die US-Regierung keine Experten zu einer internationalen Konferenz nach Oslo geschickt hatte.
Die USA betrachteten die UN-Konvention für bestimmte konventionelle Waffen als das entscheidende Forum.

Auch andere führende Produzenten von Streubomben wie Israel, Russland und China fanden sich bei der Konferenz nicht ein.

In Oslo hatten sich 46 der 49 teilnehmenden Staaten auf eine gemeinsame Initiative für ein weltweites Verbot besonders gefährlicher Streubomben bis Ende 2008 geeinigt.

Polen, Rumänien und Japan lehnten die Abschlusserklärung ab.

Wie zum Abschluss der zweitägigen Konferenz am Freitag mitgeteilt wurde, erhielt Deutschland von den Unterzeichnerländern den Auftrag zur Ausarbeitung eines Verbotstextes.

Auch Österreich will beim Kampf gegen ein Verbot solcher Waffen eine Vorreiterrolle spielen und ist bereit, im Herbst 2007 in Wien eine Folgekonferenz zum Osloer Treffen zu organisieren.

Bei Streubomben handelt es sich um Pakete von 200 bis 600 Sprengsätzen, die in Bomben, Granaten oder Sprengköpfe gepackt und meist gegen Infanterie- oder Panzereinheiten eingesetzt werden. Die Projektile decken eine Fläche von der Größe eines Fußballfeldes ab, wenn sie explodieren. Allerdings detonieren meist zehn bis 15 Prozent der Sprengsätze nicht sofort, manchmal sind es sogar bis zu 80 Prozent.

Bei der kleinsten Berührung können sie dann später noch hochgehen. Opfer sind häufig Kinder.

Der jüngste Großeinsatz von Streubomben war im Libanonkrieg im vergangenen Sommer. Die israelische Armee hat nach inoffiziellen Angaben etwa 1800 Raketen mit Streubomben abgefeuert. "Wir haben noch nie einen derart extensiven und die Zivilbevölkerung gefährdenden Einsatz von Streubomben gesehen", stellte die US-Menschenrechtsorganisation "Human Rights Watch" fest.
Auch die Hisbollah feuerte einige Streubomben chinesischer Produktion auf zivile Ziele in Nordisrael.

Die Israelis verwendeten die billigeren Bomben amerikanischer Produktion und nicht die von ihnen wesentlich verbesserte Version. Dabei wurde in Kauf genommen, dass etwa 30 Prozent dieser US-Fabrikate nicht explodieren.

Mindestens 50 Expertenteams arbeiten seit Kriegsende im Südlibanon. Sie konnten fast hunderttausend Minibomben entschärfen.

Von: 26.02.2007 www.salzburg.com

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