Venezuela fährt Panzer auf


Caracas/Washington (dpa/rtr) - Im Konflikt mit dem Nachbarland Kolumbien hat Venezuela tausende zusätzliche Soldaten an der Grenze aufmarschieren lassen. Von den zehn Panzer-Bataillonen mit einer Sollstärke von insgesamt etwa 8000 Mann, deren Verlegung Präsident Hugo Chávez angeordnet hatte, seien 85 Prozent an ihren Stationierungsorten eingetroffen, teilte die venezolanische Militärführung am Mittwoch mit.


(04.03.2008)

Die restlichen Truppen würden im Laufe des Tages an der 2500 Kilometer langen gemeinsamen Grenze erwartet, sagte Verteidigungsminister Gustavo Rangel in Caracas. In Ecuador, das ebenfalls eine Verstärkung seiner Truppen an der Grenze zu Kolumbien angekündigt hatte, gab es keine genauen Angaben über den Umfang des Militäraufmarsches. In unbestätigten Medienberichten war von etwa 1000 Soldaten die Rede.

Durch die Verlegung von schwerem militärischen Gerät spitzen sich die Spannungen zwischen den südamerikanischen Staaten weiter zu. Hintergrund der Krise ist ein Angriff Kolumbiens auf ein Rebellenlager in Ecuador, bei dem das Militär in das Nachbarland eingedrungen war und einen Anführer der linken Farc-Rebellen getötet hatte. Venezuela und Ecuador brachen die diplomatischen Beziehungen zum Nachbarland ab. Der venezolanische Präsident Hugo Chavez warnte sogar von einem Krieg in der Andenregion. Kolumbien hat dagegen angekündigt, keine eigenen Truppen an der Grenze zusammenzuziehen.

Als Vermittler zwischen Kolumbien und Ecuador bot sich unterdessen die ehemalige Kolonialmacht Spanien an. Ziel sei die Wiederherstellung "normaler Beziehungen zwischen zwei Bruderstaaten", sagte der spanische Außenminister Miguel Angel Moratinos nach Telefongesprächen mit seinen beiden Amtskollegen.

Der ecuadorianische Präsident Rafael Correa warb bei einem Besuch in Brasilien um die politische Unterstützung der Regionalmacht. Zudem forderte er die Organisation Amerikanischer Staaten (OAS) auf, den kolumbianischen Angriff zu verurteilen. Er verlangte eine umfassende Isolierung der kolumbianischen Regierung: "Der Aggressor muss sich entschuldigen und die internationale Gemeinschaft sollte ihn verurteilen." Andernfalls müsse sich Ecuador "mit seinen eigenen Mitteln" verteidigen.

Mit Brasilien, Venezuela, Argentinien, Chile, Peru und Mexiko haben mittlerweile alle großen Staaten in Lateinamerika Kolumbien für das Vordringen auf ecuadorianisches Gebiet kritisiert. Die USA stärkten dagegen Kolumbiens konservativem Präsidenten Alvaro Uribe den Rücken.
Kolumbien habe Souveränität Ecuadors verletzt

Die Organisation Amerikanischer Staaten (OAS) hat bei einer Krisensitzung in Washington den kolumbianischen Militärschlag gegen linke Farc-Rebellen in Ecuador als Verletzung der Souveränität des Nachbarlandes bezeichnet.

Der Text, auf den sich zuvor die Vertreter Kolumbiens und Ecuadors geeinigt hatten, enthielt keine Verurteilung Kolumbiens. Damit gingen beide Seiten am Mittwoch erstmals wieder aufeinander zu. Kolumbien hatte eine Erwähnung seines Namens ganz verhindern wollen, Ecuador eine Verurteilung Kolumbiens gefordert.

Zugleich wurde die Einsetzung einer Kommission unter Leitung des Generalsekretärs der OAS, José Miguel Insulza, vereinbart. Über Aufgaben und Befugnisse dieser Kommission soll Insulza entscheiden. Die Außenminister der OAS-Mitgliedsstaaten wurden für den 17. März zu einem Treffen nach Washington eingeladen.

Die kolumbianische Luftwaffe hatte am Samstag ein Rebellen-Lager in Ecuador mit Streubomben angegriffen. Dabei waren nach ecuadorianischen Angaben neben Raúl Reyes, der Nummer Zwei der marxistischen Rebellengruppe Revolutionäre Streitkräfte Kolumbiens (Farc), auch 21 weitere Rebellen getötet worden.

Von: www.fr-online.de, 05.03.2008

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