Waffenschmiede Diehl beseitigt sprachlich jeden Krieg. Allerdings noch nicht das Sterben Deutschland (Deutschland)


Ein böser Mensch hat die Firma Diehl ins Herz treffen wollen und darüber hinaus Arbeitsplätze gefährdet. Er hat gelogen, dass die Waffenfirma Waffen produziert. Dabei liefert sie bloß "Wirksysteme" und allenfalls Artilleriegeschosse mit "intelligenten Submunitionen"


(02.03.2009)

Des weiteren hatte derselbe böse Mensch erfunden, die von der Firma entwickelten Streubomben seien Streubomben. Alles Verleumdung! Lediglich eine neue Waffenkonstruktion von Diehl und Rheinmetall. Diese sucht und erkennt ihre Ziele mit "Mehrfachsensorik" und bekämpft diese selbstverständlich "präzise", teilt das Unternehmen mit. Natürlich stirbt man am Ende trivial davon- wie von jeder anderen Waffe. Aber immerhin nicht durch "Streubombe" sondern durch ",Punktzielmunition'."

Und die schafft, was bisher immer nur behauptet wurde von Belgrad bis zum Gaza-Streifen: streng trennt sie zivile von militärischen Opfern. Wie sie das macht, wird nicht verraten. Vermutlich durch eine Art Umkehroptik: wer an dieser Wunderwaffe stirbt, war dann auf keinen Zweifel Zivilist.

Es geht dem Fabrikanten Diehl dabei zwar auch wenig um Knete. In Oslo haben sie leichtfertig Streubomben verboten. Also dürfen Streubomben jetzt keine mehr sein.

Heißen sie aber ganz anders, sind sie auch ganz anders und sicher nicht verboten. Beweis: die Bundeswehr hat gleich 250 Stück bestellt.

Wichtiger als der Gewinn ist aber die Kriegsüberwindung durch Umbenennung. Und da fügt sich Diehl in eine großartige semantische Bewegung ein. "Punktzielmunition", seine Schöpfung, verdankt sich offenbar der Übung der Militärs in und außerhalb der NATO, immer nur punktgenau zu zielen und zu treffen. Und immer wo Ziviles aus Wohnhäusern oder Spitälern gezogen wurde, stellte sich nachträglich heraus, dass da verkappte Kriegsteilnehmer herumlagen. Unter den Leichen vorgefundene Säuglinge waren gewissenlos als menschliche Schutzschilde verschleppt worden.

Krieg ist auf die selbe Weise beseitigt worden. Alles, was verleumderisch und kindisch seit 1998 so genannt wurde, war friedenserhaltende Maßnahme. Außer bei Putin, als es gegen die allzeit friedliebenden Georgier ging. Da war es freilich Massenmord. Aber die Russen kaufen auch nicht bei Diehl.

Der betreffende Journalist, laut FR, kam nach seiner Verleumdung gerade noch ohne ein riesiges Bußgeld davon. Aber das musste er dem Richter schon in die Hand versprechen, dass er ab jetzt immer differenzieren will. Und nie mehr Streubomben einfach Streubomben nennen.

Danken wir der Firma Diehl, dass sie so großzügig war und dem Anschwärzer mehrere Jahre eigentlich verdienten Kerker erlassen hat.

Schließlich beteiligt sich der Betrieb an einer nun an die hundert Jahre tätigen Friedensbewegung, die Karl Kraus schon 1914 auf den Begriff gebracht hat: Man redet von Schild und Schwert, während man Gas versprüht und Tretminen legt. Die Wirklichkeit des Krieges verschwindet, weil sämtliche Wörter unterdrückt werden, die sie bezeichnen. Blind und stumm geworden sind wir erst fähig, das zu begehen, wovon uns kein Wort, kein Begriff bleiben darf, nachdem wir es getan. Seither herrscht, bekanntlich, ewiger Frieden. Und Firma Diehl arbeitet an ihm mit. In vorderster Front.

Quelle: Frankfurter Rundschau 3.2.09 Artikel Matthias Thieme
AutorIn: fg

Von: 03.03.2009, www.stattweb.de

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