Zehntausende Südosseten haben Angst vor Heimkehr (Kaukasus)


Die Sicherheitslage in Südossetien bleibt angespannt: Amnesty International berichtet von Schießereien, Plünderungen und Entführungen. Die georgische Regierung verlangt derweil vor den Genfer Friedensgesprächen eine unabhängige Untersuchung des Krieges.


(17.11.2008)

Tiflis - Mehr als drei Monate nach dem Krieg zwischen Russland und Georgien können 20.000 geflüchtete ethnische Georgier noch immer nicht nach Südossetien zurückkehren - das berichtet Amnesty International. Die Menschenrechtsorganisation kritisiert, Flüchtlinge beider Seiten würden bei ihrer Rückkehr Häuser und Wohnungen geplündert oder zerstört vorfinden.

Auf südossetischer Seite sei entlang der Grenze eine "Zone der Unsicherheit" entstanden. In den vergangenen Wochen sei von dort wiederholt über Schießereien, Explosionen, Plünderungen und Entführungen berichtet worden.

Amnesty forderte die Verantwortlichen auf, Flüchtlingen und Vertriebenen so schnell wie möglich eine Rückkehr zu ermöglichen und ihre persönliche Sicherheit und die ihres Eigentums zu gewährleisten. Gleichzeitig müssten beide Konfliktparteien mögliche Kriegsverbrechen unabhängig untersuchen lassen. Dem Bericht zufolge deute alles darauf hin, dass während des Krieges im August beide Seiten schwere Verletzungen der Menschenrechte und
des humanitären Völkerrechts begangen hätten.

Wohngebiete seien gezielt bombardiert und fliehende Zivilisten angegriffen worden, hieß es. "Georgische Truppen schossen sehr zielungenaue Raketenwerfer in der Nähe von Wohngebieten ab", kritisierte Amnesty. Sowohl die russische als auch die georgische Armee hätten zudem Streubomben eingesetzt. Zahlreiche Wohnungen, Krankenhäuser und andere zivile Einrichtungen seien zerstört worden. "Im 21. Jahrhundert ist es an der Zeit, dass der andauernden Kette von Flucht und Vertreibung im Süden der russischen Föderation und im Südkaukasus ein Ende gemacht wird", erklärte der Russlandexperte von Amnesty, Peter Franck.

Derweil verlangt Georgien vor den Genfer Friedensgesprächen am Mittwoch eine unabhängige internationale Untersuchung des Krieges. Dabei solle klargestellt werden, welches Land der Verursacher der heftigen Kämpfe gewesen sei, erklärte der georgische Uno-Botschafter Irakli Alassania am Montag.

Georgien sei bereit, mit einem Untersuchungsteam eng zusammenzuarbeiten und alle Fakten offenzulegen. Seit den fünftägigen Gefechten vom August beschuldigen Georgien und Russland sich gegenseitig der Aggression.

Georgien intervenierte damals in seiner abtrünnigen Region Südossetien, woraufhin Russland seine dortige Truppenpräsenz verstärkte und bald auch in georgisches Kernland vorrückte. Umstritten sind allerdings die näheren Umstände, die zur Eskalation führten. Russland hat Südossetien sowie die andere abtrünnige georgische Region Abchasien inzwischen als eigenständige Staaten anerkannt.

cht/AFP/AP

Von: 18.11.2008, www.spiegel.de

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