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Deutschland: Prothesen aus dem 3D-Drucker?

Bisher kostet eine Prothese in Entwicklungsländern mindestens 150 Euro. Christian Zagel und seine Kollegen an der Universität Erlangen wollen daraus 10 Euro machen. Die Lösung: Ein 3D-Drucker?

Eine von Handicap International hergestellte Beinprothese © Bas Bogaerts / Handicap International

Die Idee, aus altem Plastik Prothesen für Minenopfer in Entwicklungsländern zu machen, kam Christian Zagel schon vor einiger Zeit. Er war gerade im Urlaub in Thailand. An der Grenze zu Myanmar besuchte er ein Auffanglager für Arbeitselefanten. Immer noch, so erzählt Zagel, befänden sich in dem Gebiet etliche Landminen. Und einige Elefanten waren in Sprengfallen getreten. Die Explosion hatte Teile ihrer Beine zerstört. „Die Pfleger dort hatten mit ganz einfachen Mitteln Prothesen gebaut. Das ließ mich nicht mehr los“, sagt er.

Zunächst wollte er seine Prothesen ebenfalls für Tiere herstellen. Doch dann hörte er eine Geschichte von einer Bekannten, die bei einer Hilfsorganisation in Afrika arbeitet. Sie erzählte ihm, dass dort Menschen mit Behinderung sehr häufig aus der Gesellschaft ausgeschossen würden. So kam der 34-Jährige auf die Idee, diesen Menschen mit Prothesen, die sie sich auch leisten können, zu helfen.

Jede Beinprothese soll per Computer individuell angepasst werden

Zagel ist Wirtschaftsinformatiker und arbeitet an der Universität Erlangen-Nürnberg. In seiner Doktorarbeit hat er eine Art digitale Umkleidekabine gebaut. Wer hineingeht, wird von sechs Kameras aus drei Richtungen abgescannt. So soll die ideale Kleidungsgröße ermittelt werden. Dieses Wissen darum, wie man Körper oder Körperteile mit Hilfe von Kameras in 3D-Modelle verwandeln kann, wollte Zagel für Prothesen nutzen.

„Wenn wir etwa über eine Beinprothese reden, dann ist jeder Stumpf anders“, sagt Zagel. Seine Idee: Ärzte vor Ort sollen den Stumpf abscannen. Im Computer entsteht dann ein Modell, an das die Prothese individuell angepasst werden kann. Weil Scanner teuer sind, ließ Zagel sich etwas anderes einfallen. „Die einfachste Methode, einen Stumpf zu scannen, ist, mit einer Handykamera zehn bis 20 Fotos aus verschiedenen Perspektiven zu machen, denn inzwischen hat fast jeder ein Smartphone.“

Damit Mediziner wissen, wie sie diese Bilder aufnehmen müssen, entwickelt er mit Kollegen aus Lübeck gerade eine App. „Wir wissen ja nicht, ob das Programm von einem Deutschen, einem Araber oder einem Engländer benutzt wird. Deshalb soll es ohne Sprache auskommen“, sagt er.

Der aktuelle Landminenreport, den mehrere Nicht-Regierungs-Organisationen erstellen ließen, zeigt, dass auf der Welt jeden Tag zehn Minen explodieren. 3600 Personen wurden dadurch 2014 verletzt. Etwa 40 Prozent von ihnen waren Kinder. Die Weltgesundheitsorganisation schätzt, dass 0,5 Prozent der Weltbevölkerung eine Prothese oder Orthese bräuchte. Doch weniger als 20 Prozent der Betroffenen in Entwicklungsländern haben dazu Zugang. Auch weil die Hilfsmittel relativ teuer sind. Bislang kostet eine einfache Prothese 150 Euro, sagt die Hilfsorganisation Handicap International, die sich auf der ganzen Welt für Menschen mit Behinderung einsetzt. Zagel und seine Kollegen wollen auf zehn Euro kommen.

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