Libanon: Relikte aus einem vergangen Krieg


In nur wenigen Tagen warf Israel im Jahr 2006 Millionen von Streubomben über dem Libanon ab. Unzählige blieben als Blindgänger liegen. Die Entminer befreien seitdem mühsam Felder und Olivenhaine - denn jedes geräumte Feld hilft den Menschen vor Ort.


Entminer bei ihrer Arbeit © G. Dubourthoumieu / Handicap International

(21.01.2015)

Im Jahr 2006 startete Handicap International infolge der Angriffe Israels im Süden Libanons eine Räumungsaktion, mit dem Ziel, mit Streubomben verseuchte Regionen zu reinigen. Von 2008 bis 2010 folgt die Mitarbeit bei der Räumung explosiver Relikte im palästinensischen Lager Nah El Bared. Schließlich begann Handicap International in der Provinz im Norden Libanons die Säuberung der seit dem Bürgerkrieg (1975-2000) durch Landminen kontaminierten Zonen.

Derzeit arbeitet Handicap International in drei Gebieten im Norden Libanons − Becharre, Batroun und Koura − hauptsächlich auf landwirtschaftlichen Flächen in bergigen Gebieten mit mittlerer Populationsdichte. Insgesamt werden 20.000 Einwohner unmittelbar von dem Minenräumungseinsatz profitieren.

Drei Teams, jedes mit einem halben Dutzend Minenräumern, arbeiten schon jetzt mühevoll in den verminten Gebieten. Ab 2015 ist der Einsatz eines vierten Räumungsteams geplant, um eine vollständige Reinigung der Gebiete bis 2016 sicherzustellen.

Die Dauer der Einsätze hängt auch davon ab, wie stark das Land vermint ist. „Vor kurzem arbeiteten wir auf einem 4000 m2 großen Feld, auf dem wir 73 Anti-Personen-Minen fanden und zerstörten! Die Arbeit war mühsam und wir kamen nur langsam voran, “ erklärt Chris Chenavier, Leiter der Minenräumung.

Im Jahr 2014 räumte jedes Teammitglied durchschnittlich 25 m2 pro Tag. „Die unebene Topographie des Geländes führt dazu, dass keine Hunde oder Maschinen eingesetzt werden können, “ erläutert Mohammed Kaakour, Programmdirektor von Handicap International im Libanon. „ Alles muss manuell gemacht werden.“

Die meisten Regionen in denen Handicap International arbeitet, sind ehemalig landwirtschaftlich genutzte Flächen, hauptsächlich Olivenhaine und Obstgärten, die wegen der explosiven Kriegsreste nicht bewirtschaftet werden können. Sobald das Land geräumt ist, kann es für seine ursprünglichen Zwecke wieder genutzt werden, und die Eigentümer können wieder von einem Einkommen profitieren, das ihnen all die Jahre vorenthalten wurde. Die Minenräumungsarbeiten ermöglichen zudem den Bau neuer Gebäude, den Straßenbau und die Entwicklung des Tourismus.

Letzten Juli beendete das Team die Reinigung eines Feldes mit 60 Olivenbäumen, das seit der Explosion einer Landmine im Jahr 2004, bei der ein Schäfer getötet wurde, nicht mehr genutzt wurde. Nach der Ernte im letzten November verdiente der Landbesitzer nun 5000 Euro durch den Verkauf seiner Oliven. Dieses Beispiel zeigt deutlich die Bedeutung der Arbeit von Handicap International für die lokale Bevölkerung.

Zwischen 2011 und Ende September 2014, räumte Handicap International insgesamt 26,5 Hektar im Norden Libanons. Laut der Daten der LMAC (Lebanon Mine Action Centre) sind immer noch 3000 Hektar Land im Libanon  mit Anti-Personen-Minen vermint (ein Viertel dieses Landes befindet sich an der Grenze zu Israel,) und 1700 Hektar sind durch Streubomben kontaminiert. Bis heute wurden ungefähr 1260 Hektar Land dank des gemeinsamen Einsatzes aller Akteure der Minenräumung, für die Bevölkerung freigegeben.

Eine von der Universität Balamand in Tripolis, Libanon, durchgeführte Studie aus dem Jahr 2013 zeigt, dass der Großteil der Opfer durch Landminen und explosive Rückstände des Krieges, erwachsene Männer (ca. 60 %) sind, die in der Regel eine Familie zu ernähren haben. Unfälle durch Landminen haben oftmals eine bleibende Behinderung (in 45 % der Fälle) zur Folge.

Quelle: www.handicap-international.de

<<< zurück zu: Aktuelles