Landminen im Jemen
Jemen ist stark mit Landminen verseucht. Konflikte seit den 1960er Jahren hinterlassen ihre Spuren und führen auch im Jemen zu einer starken Kontamination. Im Jahr 2024 wurden 265 Menschen im Jemen durch Minen getötet oder verletzt.
Letztes Update: 01.12.2025
Das lesen Sie auf dieser Seite:
Woher stammen die Daten auf dieser Seite?
Die meisten Daten auf dieser Seite stammen aus dem Landminen-Monitor der Internationalen Kampagne für das Verbot von Landminen (ICBL). Der Monitor ist ein jährlich erscheinender Bericht, der über die Umsetzung der Ottawa-Konvention, also des internationalen Minenverbots, informiert. Handicap International ist im Kuratorium des Monitors.
Der aktuellste Landminen-Monitor vom November 2025 enthält Informationen über die Entwicklungen im Jahr 2024 - und, wenn entsprechende Daten vorlagen, über die Entwicklungen bis einschließlich Oktober 2025. Seit 1999 liefert er detaillierte Daten und Analysen zur Einhaltung und Umsetzung Verbots von Antipersonen-Minen.
!! Handicap International führt selbst keine landesweiten Erhebungen zu Minen- und Opferzahlen durch !!
Wie viele Unfälle mit Minen gab es bisher?
Die genaue Dokumentation der Anzahl der Toten und Verletzten in Jemen war bis 2022 durch den letzten Konflikt stark beeinträchtigt. Im Jahr 2024 verzeichnete der Landminen-Monitor 265 Tote und Verletzte von Landminen und explosive Kampfmittelrückstände (ERW). Dies stellt einen Rückgang im Vergleich zu 2023 (499) dar.
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Wo liegen Minen im Jemen?
Bis 2022 war es aufgrund des Ausmaßes und der Auswirkungen des Konflikts im Jemen nicht möglich, das Ausmaß der Minenverseuchung genau zu bestimmen. Sie wurde aber als sehr hoch eingeschätzt. Ende 2024 umfassten mit Antipersonen- und improvisierten Minen kontaminierte Gebiete insgesamt 7,98 km² in 147 betroffenen. Diese befanden sich in den Gouvernements Abyan, Aden, Al-Hodeida, Lahj und Taiz.
Wer verlegt die Minen?
Antipersonen-Minen wurden im Jemen während der Konflikte zwischen 1962 und 1969 sowie 1970 und 1983 verwendet. Auch die Konflikte nach 1994 und der seit 2015 andauernde internationale bewaffnete Konflikt haben zum Einsatz von Landminen geführt. So verlegen die Huthi Antipersonen-Minen und stellen diese sogar in Massenproduktion her, wie die Rüstungsberatungsfirma Conflict Armament Research im September 2018 berichtete. Die Minen wurden an der Westküste in der in der Nähe des Hafen Hodeida verwendet.
In den vergangenen Jahren wurden improvisierte Minen durch nicht staatliche bewaffnete Gruppen im Jemen hergestellt.
Hat der Jemen Minen verboten?
Für den Jemen trat der Minen-Verbotsvertrag (Ottawa-Konvention) am 1. Mai 1999 in Kraft. Im Zuge des Arabischen Frühlings ereignete sich zwischen 2011 und 2012 im Jemen der erste bestätigte Einsatz von Antipersonen-Minen durch einen Vertragsstaat der Ottawa-Konvention. Die Regierung leitete Untersuchungen ein, um die Verantwortlichen für diese Vertragsverletzung zu ermitteln.
Antifahrzeug-Minen sind im Jemen nicht verboten. Die Ottawa-Konvention verbietet deren Einsatz leider nicht.
Werden Minen geräumt?
In Jemen wurden in 2024 22,59km² geräumt. Bei diesen Räumungsarbeiten wurden 793 Antipersonen-Minen zerstört. Hinsichtlich gelagerter Minen hatte der Jemen bis Dezember 2007 rund 108.000 Antipersonen-Minen vernichtet. Zwar erklärte die Regierung seit 2002 wiederholt die vollständige Zerstörung ihrer Lagerbestände, der Einsatz verschiedener Minentypen seit 2013 lässt jedoch darauf schließen, dass diese Angaben entweder unzutreffend waren oder seitdem neue Minen aus anderen Quellen bezogen wurden.
Aufgrund der hohen Kontamination, der ungenauen Datenlage und des Konflikts in den letzten Jahren, konnte Jemen die Frist zur Minenräumung bis 2023 nicht einhalten. Die entsprechend beantragte Fristverlängerung wurde gewährt und auf März 2028 festgesetzt. Nach aktuellen Daten des Monitors wird der Jemen das Ziel, bis März 2028 minenfrei zu sein, erreichen.
Wie hilft Handicap International den Menschen im Jemen?
Seit wir 2014 wieder im Jemen aktiv wurden, setzen wir uns dafür ein, die verheerenden Auswirkungen der Krise auf das Land und die Bevölkerung zu mindern. Priorität haben dabei die Bedürfnisse von Verletzten und besonders schutzbedürftige Menschen im Zentrum der Konflikte.
Handicap International (HI) arbeitet hauptsächlich in Krankenhäusern und Rehabilitationszentren in den Kommunen Sana’a, Hajjah, Aden Lajih und Taizz. Unsere Teams stellen Ausrüstung und Schulungen für Physiotherapeut*innen und andere Fachkräfte zur Verfügung und betreiben Aufklärungsarbeit über die Nachsorge von Kriegsverletzungen: z. B. über die Vorteile einer frühzeitigen, der Verletzung entsprechenden Reha-Behandlung sowie Sensibilisierung zum Thema psychosoziale Unterstützung.
HI unterstützt sämtliche humanitäre Akteure vor Ort dabei, besonders Schutzbedürftige (ältere Menschen, Kinder, Menschen mit Behinderung etc.) besser in die Hilfsmaßnahmen zu integrieren, damit ihre besonderen Bedürfnisse in der Projektplanung nicht vernachlässigt werden.
Ein weiterer Schwerpunkt liegt in der Aufklärung über die Gefahren von Landminen, improvisierten Sprengfallen und Blindgängern und in der Vermittlung sicherer Verhaltensweisen. Damit sprechen wir sowohl die lokale Bevölkerung als auch humanitäre Helfer*innen anderer Organisationen an.

Handicap International in Jemen
Seit 2014 sind wir auch wieder in Jemen aktiv.
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Informieren sie sich weiter:
Portraits aus unseren Ausstellungen
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