Jährlich werden tausende Menschen durch Landminen getötet oder verletzt. Um die Menschen in den betroffenen Gebieten zu schützen gibt es nur einen Weg: Minenräumung!

Keine Sicherheit ohne Minenräumung

Landminen, improvisierte Sprengfallen oder Blindgänger von Streubomben und anderen Explosivwaffen bedrohen noch Jahre nach militärische Auseinandersetzungen die Bevölkerung. Weltweit wurden 1997 etwa 110 Millionen Antipersonenminen in der Erde vermutet (und Millionen weitere explosive Kriegsreste ). Egal ob sie von nicht-staatlichen- oder Regierungstruppen zurückgelassen wurden: mehr als 80 % aller Opfer kommen aus der Zivilbevölkerung, mehr als ein Drittel sind Kinder.

Antipersonenminen und andere Sprengfallen sind geduldige und heimtückische Waffen: Sie werden direkt unter der Erdoberfläche verlegt oder in der Vegetation verborgen. Dadurch sind Landminen oft mit dem bloßen Auge unsichtbar und werden ausgelöst, wenn Menschen mit ihnen unabsichtlich in Kontakt kommen. Ähnlich gefährlich sind explosive Geschosse wie Streubomben, nicht-explodierte Granaten und andere Munition. Sie wurden häufig willkürlich und ungezielt über bevölkerten Gebieten abgeschossen. Bis zu 40 Prozent der Submunition explodieren beim Aufprall nicht, in Einzelfällen sogar bis zu 100 Prozent. Diese Reste bedrohen die Menschen genauso wie Minen noch Jahre nach ihrem Einsatz. Wenn Kinder die metallischen Gegenstände finden, sind sie nicht selten von ihnen fasziniert, wollen mit ihnen spielen oder sie eingehend untersuchen. Die Armut zwingt viele Menschen, die gefährlichen Waffen aufzusammeln und das Altmetall gegen Geld einzutauschen. Sehr oft enden diese Begegnungen tödlich oder mit schweren Verletzungen.

Der Landminen/Streubomben Monitor hat seit 1999 über 130.000 Unfallopfer (durch Antipersonenminen oder andere explosive Kriegsreste) gezählt, darunter 90.000 häufig schwer verletze Überlebende. Schätzungen gehen von einer dreimal höheren Dunkelziffer aus. Menschen, die einen Minenunfall mit schweren Verletzungen überleben, sind meist ihr Leben lang auf körperliche, seelische und wirtschaftliche Hilfe angewiesen. Aufgrund ihrer Einschränkungen werden sie häufig aus der Gesellschaft ausgeschlossen, stigmatisiert und diskriminiert.

Die Zivilbevölkerung verminter Gebiete leidet auch noch Jahre nach Ende eines Konflikts unter den Folgen. Landminen und Blindgänger stellen nicht nur eine langanhaltende Gefahr für Männer, Frauen und Kinder dar, sondern machen auch gleichzeitig das Leben der Zivilbevölkerung und die Rückkehr zu einem normalen sozialen und wirtschaftlichen Leben unmöglich. 

Humanitäre Minenräumung rettet Leben

Der einzige Weg, die Gefahr durch Landminen vollständig zu vermeiden ist die humanitäre Minenräumung. Diese unterscheidet sich klar von der militärischen: Bei der humanitären Entminung geht es nicht darum, den Streitkräften einen sicheren Weg durch kontaminiertes Gebiet zu bahnen, sondern Antipersonenminen und andere explosive Kriegsreste vollständig zu beseitigen. Gleichzeitig soll der Zivilbevölkerung dadurch ein Leben in Sicherheit, soziale Entwicklung und wirtschaftliches Wachstum ermöglicht werden.

Die meisten Landminen werden heute noch immer manuell geräumt. Das heißt, die Entminungsteams suchen Zentimeter um Zentimeter das kontaminierte Gebiet ab. Mit Metalldetektoren finden und inspizieren sie jedes Metallstück, prüfen mit Minensuchnadeln die Umrisse und versuchen dann, vermeintlich gefährliche Gegenstände vorsichtig freizulegen. Die Entschärfung der Waffen erfolgt dabei in der Regel vor Ort durch das Entfernen des Zünders oder durch die gezielte Sprengung mit einer Schlagladung.

Die Entminer*innen arbeiten überwiegend auf den Knien, sind oft heftigen klimatischen Bedingungen ausgesetzt und müssen sich bei dieser lebensbedrohlichen Aufgabe stark konzentrieren. Die schweren Sicherheitsanzüge wiegen mehrere Kilogramm. Jede falsche Bewegung kann eine tödliche Explosion auslösen. Das ist Schwerstarbeit!

Mit einem ausgereifte Sicherheitskonzept, können ungewollte Explosionen weitestgehend vermeiden werden. Beim Einsatz auf dem Minenfeld ist Teamarbeit daher absolut unerlässlich. Zwei Menschen wechseln sich regelmäßig alle 30-45 Minuten ab und eine dritte Person achtet darauf, dass keine Flüchtigkeitsfehler passieren. Diese hohen Sicherheitsstandards werden von Nichtregierungsorganisationen wie Handicap International praktiziert und sollten nicht aufgrund von Geld- oder Zeitdruck übergangen werden.

Tier und Mensch als unschlagbares Team

Die wohl häufigste Unterstützung für die Entminungsteams sind ausgebildete Minenspürhunde. Mit ihren feinen Nasen können sie Sprengstoff riechen und somit effektiv und sicher Minen aufspüren. Dank ihrer professionellen Ausbildung folgen die Hunde dem Sprengstoffgeruch und setzten sich neben die Fundstelle. Die Entminer*innen können dann dem Hinweis folgen und zur Sprengstoffräumung anrücken. Wie für den Menschen, ist die Arbeit auch für Hunde mit großer Konzentration und Gefahr verbunden. Die Hundeführer brauchen daher ein gutes Gespür und Vertrauen, um immer wieder rechtzeitig Pausen einzulegen, und um den Hund und sich selbst vor Fehlern zu schützen. Durch ihre gemeinsame Arbeit bilden Mensch und Tier ein unschlagbares Team.

Wie Hunde verfügen auch Ratten über einen ausgesprochen guten Geruchssinn. Besonders gut eignen sich Gambia-Riesenhamsterratten für die Ausbildung zum Erschnüffeln von Sprengstoff. Sie sind besonders intelligent und resistent für viele Keime in ihren afrikanischen Einsatzorten. Wie Minenspürhunde verharren sie an der Fundstelle und symbolisieren damit ihren Fund. Da die Ratten mit ihrem geringen Körpergewicht in der Regel keine Minen auslösen können, ist die Arbeit für sie ungefährlich. Anders als Hunde sind sie nicht auf eine Ausbilder*in fixiert. Eine Ratte kann in 30 Minuten etwa 100 m² nach Antipersonenminen durchsuchen, die Suche durch ein Entminungsteam würde etwa 2 Tage dauern.

Andere wissenschaftliche Studien haben bereits gezeigt, dass auch Bienen für die Identifizierung von Landminen geeignet sein könnten. Im Zentrum für Minenräumung in Kroatien sollen Bienen für die Suche von Landminen ausgebildet werden.

Schweres und leichtes Gerät

Technische Geräte bieten neue Möglichkeiten für die Entminung von kontaminierten Gebieten. Schwere Maschinen helfen beispielsweise bei der Entfernung der Vegetation, denn Landminen lauern nicht nur auf offenen Feldern auf ihre Opfer, sondern können auch in dichten Wäldern und in von Pflanzen überwucherten Gebieten zuschlagen. Die Maschinen entfernen grobes Gestrüpp und lockern den Boden auf. Explosionen können ihnen dank ihrer massiven Panzerung in der Regel wenig anhaben.

Immer häufiger kommen auch Drohnen zum Einsatz. Mit ihrer Hilfe können verdächtige Objekte durch Infrarotkameras geortet oder Karten erstellt werden, um die Einsatzorte für die Minenräumer*innen besser zu definieren.

Die Zeitersparnis durch die fliegenden und fahrenden Helferinnen ist enorm. In vielen Fällen ermöglicht erst die maschinelle Minenräumung den menschlichen Einsatz auf dem Feld.

Keine Räumung in Konfliktgebieten

Seit 2014 steigt die Zahl der Unfallopfer durch Landminen und andere explosive Kriegsreste leider wieder an. Grund dafür sind anhaltende Konflikte wie in Afghanistan, Jemen, Syrien oder aktuell in der Ukraine. Die Entminung ist dadurch häufig stark beeinträchtigt oder komplett ausgesetzt.  

Das Verbot von Landminen verpflichtet zur Räumung

1997 wurde die sogenannte Ottawa-Konvention verabschiedet und trat schließlich 1999 in Kraft. Seither wurde sie von über 160 Staaten und damit von mehr als 80% aller Länder weltweit ratifiziert. Die Konvention verbietet die Produktion, den Einsatz, die Weitergabe und die Lagerung von Antipersonenminen, mit signifikantem Erfolg. So wurden bisher offiziell insgesamt mehr als 55 Millionen gelagerte Landminen zerstört.

Zusätzlich haben sich die Vertragsstaaten in Art. 5 der Ottawa-Konvention zur Entminung von eigenem Land verpflichtet. Seither wurden über 30 Länder und Gebiete als Landminenfrei erklärt. 2020 wurden mindestens 146 km² Land geräumt (135.500 Antipersonenminen), 2019 waren es 156 km² Land (122.000 Antipersonenminen). Kambodscha und Kroatien meldeten die größte Räumung für 2020 mit jeweils mehr als 45 km² und der Zerstörung von insgesamt mehr als 15.000 Landminen.

Lesen Sie hier mehr über die Ottawa-Konvention.

Verseuchte Gebiete

Obwohl bereits eine Vielzahl von Staaten die Ottawa-Konvention ratifiziert haben, waren 2021 noch immer 60 Staaten und Gebiete weltweit von diesen Waffen kontaminiert – darunter sind 33 Mitgliedsstaaten, 22 Nicht-Vertragsstaaten und fünf Gebiete mit unklarem Status. In neun Ländern wird zudem eine massive Kontamination (mehr als 100 km²) angenommen: Afghanistan, Äthiopien, Bosnien und Herzegowina, Irak, Jemen, Kambodscha, Kroatien, Türkei und Ukraine

24 Mitgliedstaaten sind durch den Vertrag verpflichtet, bis spätestens 2025 alle Minen auf ihrem Land zu räumen. 16 von ihnen liegen allerdings hinter ihren Zielen zurück oder machen keine klaren Angaben zum Status. Die Gefahr durch Landminen ist weltweit also noch lange nicht gebannt. Der Weg zu einer Welt ohne Minen ist noch weit und steinig – aber das Ziel ist erreichbar.

Lesen Sie hier, wo weltweit Minen liegen.

So hilft Handicap International

Handicap International verfolgt beim Kampf gegen Minen einen ganzheitlichen Ansatz. Dieser reicht von der Risikoaufklärung über die langfristige Unterstützung von Minenopfern bis zur politischen Kampagnenarbeit auf internationaler Ebene. Doch um die Menschen hundertprozentig vor bereits verlegten Minen zu schützen, gibt es nur einen Weg: die humanitäre Minenräumung.

Die Teams von Handicap International arbeiten weltweit mit Hochdruck daran, dass das Ziel einer minenfreien Welt bis 2025 keine Vision bleibt. Diese Frist setzten sich im Juni 2014 die Staaten, die mit dem Ottawa-Vertrag das Verbot von Antipersonenminen besiegelten. Unterstützung finden unsere mutigen Minenräumer*innen durch die neuen innovativen Ideen der maschinellen Minenräumung.

Mehr zur Arbeit von Handicap International.