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Landminen in Kolumbien

Kolumbien ist massiv mit Landminen verseucht, nach jahrelangen bewaffneten Konflikten zwischen der Regierung und nichtstaatlichen Gruppen. Die Minen wurden weit verstreut verlegt und verhindern so landwirtschaftliche Nutzung vieler Flächen und gefährden die Bevölkerung auf dem Weg zur Schule oder zu wichtigen Dienstleitungen. Immer wieder kommt es zu Unfällen. Kolumbien gehört zu den Ländern mit den meisten Minenopfern weltweit.

Kolumbien ist seit dem 1. März 2001 Vertragsstaat des Minenverbotsvertrags. Während des Jahrzehnte langen Konflikts mit nichtstaatlichen bewaffneten Gruppen, wurden in allen der 32 Bezirke Kolumbiens Landminen eingesetzt. Alle Minen sollen von nichtstaatlichen bewaffneten Gruppen verlegt worden sein. Heute werden in 28 der 32 Bezirke Minen vermutet. Der tatsächliche Umfang der Minenkontamination ist zwar unbekannt, Schätzungen gehen jedoch von mindestens 46km² aus. Auch wenn die Dichte der verlegten Minen vergleichsweise gering ist, und die Minenfelder eine durchschnittliche Größe von nur 4m² haben, ist jedes potentiell verminte Gebiet für die Bevölkerung nicht betretbar. Da die nichtstaatlichen bewaffneten Gruppen speziell das Militär schädigen wollten, wurden die Bürger*innen über den grundsätzlichen Einsatz der Minen informiert. Details zu den genauen Standorten wurden allerdings nicht bekannt gegeben. Die Bevölkerung der betroffenen Gebiete befürchtet daher auch bei fehlenden Hinweisen überall Minen, weshalb viele Flächen ungenutzt bleiben. Das Vorhandensein von Minen oder die Angst vor ihnen schränkt so den landwirtschaftlichen Betrieb ein und isoliert oftmals die ländliche Bevölkerung. In vielen Fällen ist zudem der Weg zur Schule oder zu wichtigen Dienstleistungen gefährdet. Landminen sind auch einer der Gründe für die hohe Anzahl an Binnenvertriebenen innerhalb Kolumbiens (15% der Bevölkerung). Eine Rückkehr in ihre Herkunftsregion ist oft aufgrund der verminten Gebiete und der anhaltenden Gefahr nicht möglich.

Das im Jahr 2016 verabschiedete Friedensabkommen zwischen der kolumbianischen Regierung und der FARC-EP (Fuerzas Armadas Revolucionarias de Colombia-Ejército de Pueblo) verstärkte auch die Bemühungen in der Minenräumung. Trotzdem bleiben weite Flächen noch immer ungeräumt. Folglich konnte die im Landminenverbotsvertrag definierte Frist zur Minenräumung bis März 2021 nicht eingehalten werden und wurde bis zum 31.12.2025 verlängert.

Nach dem Friedensabkommen mit der FARC-EP sank die Zahl der Minenopfer im Jahr 2017 im Vergleich zu den Vorjahren zwar zunächst auf 52, seither stieg sie jedoch wieder an. Im Zeitraum von Januar bis Juni 2021 wurden bereits 73 Menschen durch Minen verletzt oder getötet. Insgesamt starben zwischen 1990 und 2021 2.329 Menschen, weitere 9.733 wurden verletzt. Dabei weist die Region Antioquia im Nordwesten Kolumbiens die höchste Zahl an Minenopfern auf.