Landminen in Syrien
Syrien ist stark mit Landminen verseucht. Das genaue Ausmaß der Kontamination in Syrien ist nicht bekannt. Besonders viele Minen werden aber in Gebieten vermutet, die während des Krieges vom sogenannten Islamischen Staat (IS) kontrolliert wurden.
Zwar erkannte die vormalige syrische Regierung unter Bashar al-Assad die Notlage von Minenopfern im Land an, setzte Antipersonen-Minen jedoch seit 2011 kontinuierlich ein. Zudem lagerte das Regime Minen. Ob es selbst welche produzierte, ist unklar. Syrien ist kein Vertragsstaat der Ottawa-Konvention zum Verbot von Antipersonen-Minen.
Nach dem Sturz des Assad-Regimes im Dezember 2024 formierte sich eine Übergangsregierung einer militärischen Koalition unter der Führung der von den Vereinten Nationen als islamistisch eingestuften Miliz Hayat Tahrir al-Sham (HTS). Ende Januar 2025 wurde der HTS-Vorsitzende Ahmed Al-Scharaa zum Übergangspräsidenten ernannt und kündigte eine dreijährige Übergangsphase mit einer Verfassungsreform an.
Inwieweit die neue Regierung - trotz fehlender Bindung an den Landminenverbots-Vertrag - ihrer humanitären Verantwortung im Umgang mit Landminen nachkommen wird, oder diesem gar beitritt, bleibt abzuwarten.
Obgleich der Krieg in Syrien in vielen Regionen vorbei ist, wird der Frieden durch die Gefahr getrübt. Tausende Antipersonen-Minen liegen noch immer in Wohngebieten, auf Feldern und in Schulen. Besonders Kinder, die in zerstörten Häusern oder im Bauschutt spielen, sind in großer Gefahr. Viele bezahlen ihre Unwissenheit mit schweren Verletzungen oder dem Leben.
Letztes Update: 16.03.2026
Das lesen Sie auf dieser Seite:
Woher stammen die Daten auf dieser Seite?
Die meisten Daten auf dieser Seite stammen aus dem Landminen-Monitor der Internationalen Kampagne für das Verbot von Landminen (ICBL). Der Monitor ist ein jährlich erscheinender Bericht, der über die Umsetzung der Ottawa-Konvention, also des internationalen Minenverbots informiert. Handicap International ist im Kuratorium des Monitors.
Der aktuellste Landminen-Monitor von Dezember 2025 enthält Informationen über die Entwicklungen im Jahr 2024 - und, wenn entsprechende Daten vorlagen, über die Entwicklungen bis einschließlich Oktober 2025. Er liefert detaillierte Daten und Analysen zur Einhaltung und Umsetzung des Vertrags weltweit seit seinem Inkrafttreten im März 1999. Der Fokus liegt aber vor allem auf den Fortschritten und Herausforderungen des jeweils vorangegangenen Kalenderjahres.
!! Handicap International führt selbst keine länderweiten Erhebungen zu Minen- und Opferzahlen durch!!
Wie viele Unfälle mit Minen gab es bisher?
Während des syrischen Bürgerkriegs, also zwischen 2011 und 2024 sind mindestens 13.700 Menschen durch Landminen und explosive Kriegsreste (Explosive Remnants of War = ERW), wie nicht detonierte Munition, getötet oder verletzt worden. Zwischen 2020 und 2022 war Syrien weltweit das Land, das die meisten Getöteten und Verletzten verzeichnete. Im Jahr 2024 verzeichnete Syrien mit 1.015 Getöteten und Verletzen die höchste Zahl weltweit.
Doch auch seit Ende des Bürgerkriegs im Dezember 2024 werden weiterhin Getötete und Verletzte durch Landminen und explosive Kriegsreste verzeichnet. Besonders betroffen sind Menschen, die nach ihrer Flucht in ihre Heimatorte zurückkehren. Nur wenige Monaten nach Kriegsende wurden in fast 200 Vorfällen mit explosiver Munition über 140 Menschen – darunter zahlreiche Kinder und Frauen – getötet und mehr als 260 verletzt.
In den darauffolgenden Wochen wurden über 130 weitere Vorfälle dokumentiert, von denen ein Großteil geschah, als Bäuerinnen, Bauern und Schäfer versuchten, ihre Felder zu bewirtschaften oder Vieh zu hüten. Dabei wurden über 60 Rückkehrende getötet und fast 100 weitere verletzt.
Diese Entwicklungen verdeutlichen, dass auch nach dem Ende der unmittelbaren Kampfhandlungen weiterhin regelmäßig Menschen durch Minen und explosive Kriegsreste getötet oder verletzt werden, und dass die Zahl der Betroffenen mit fortschreitender Rückkehr der Bevölkerung weiter zunimmt.
► Lesen Sie hier unseren Hauptartikel über Landminen
Wo liegen Minen in Syrien?
In dem fast 14 Jahre andauernden Bürgerkrieg wurden in Syrien rund 1 Million explosive Kampfmittel eingesetzt – darunter auch Minen, die bis heute eine erhebliche Gefahr für die Bevölkerung darstellen.
Aufgrund der üblichen Versagensraten von 10 bis 30 Prozent liegen nach Bombardierungen und Beschüssen weiterhin 100.000 bis 300.000 Blindgänger in Wohngebieten, Häusern und anderer ziviler Infrastruktur verborgen. Diese Minen und explosiven Überreste gehören zu den größten Hindernissen für Sicherheit, Wiederaufbau und die Rückkehr vertriebener Familien in ihre Heimatorte.
Diese massive Belastung zeigt sich im gesamten Land: Kontamination durch Landminen, improvisierte Minen und andere explosive Kriegsreste (ERW) wird aus allen Landesteilen gemeldet. Dennoch steht eine umfassende landesweite Vermessung des tatsächlichen Ausmaßes weiterhin aus. Laut UNMAS, dem Minenräumungsdienst der Vereinten Nationen (VN), wurden allein in Nordwest-Syrien zwischen Januar und Juni 2025 141 verminte Gebiete sowie 450 gefährliche kontaminierte Flächen identifiziert. In Zentral- und Südsyrien laufen währenddessen noch immer systematische Erhebungen.Besonders kritisch ist die Situation in Syriens am stärksten kontaminierten Städten wie Aleppo, Darʿa, Deir-ez-Zor, Hama und Idlib. Diese Orte verzeichnen seit Jahren hohe Zahlen Getöteter und Verletzter, verursacht durch die weitverbreitete Kontamination mit explosiver Munition, zu der auch Landminen gehören.
Ein besonders alarmierender Befund betrifft die Landwirtschaft: Acht von zehn landwirtschaftlichen Flächen in Syrien sind mit explosiver Munition, einschließlich Antipersonen-Minen, kontaminiert. Damit ist die Lebensgrundlage für Millionen Menschen bedroht, da ein großer Teil der Bevölkerung auf Landwirtschaft für Einkommen und Ernährungssicherheit angewiesen ist. Die explosive Kontamination verhindert nicht nur sichere Bewirtschaftung, sondern blockiert Ernten, zerstört Bewässerungssysteme und hindert Familien daran, ihre Felder überhaupt zu betreten.
Unterwasser-Räumungen von gefährlichen Blindgängern
In Syrien sind ganze Landstriche mit nicht explodierten Kriegsresten verseucht – eine tägliche Gefahr für die Zivilbevölkerung.
Die Teams von HI entfernen diese Sprengkörper auch unter Wasser.

Werden die Minen geräumt?
Die Räumung von Minen und explosiven Kriegsresten ist entscheidend für die sichere Rückkehr der Zivilbevölkerung, ihren Alltag und ihre Arbeit – und damit für den Wiederaufbau des Landes.
Verschiedene Akteure sind mit der Untersuchung und Räumung kontaminierter und damit gefährlicher Gebiete in Syrien betraut. Neben den Vereinten Nationen spielen auch erfahrene Nichtregierungsorganisationen (NGOs) in der humanitären Minenräumung – darunter etwa Handicap International – eine zentrale Rolle.
Handicap International engagiert sich beispielsweise im Nordosten des Landes in der Minenräumung und räumt vor allem landwirtschaftliche Flächen am Rand von Dörfern, wo vor dem Konflikt Weizen und Gerste angebaut wurde. Dort kam es zu besonders vielen Unfällen mit Menschen und Nutztieren. Vielen Menschen dort sind auf die landwirtschaftliche Nutzung angewiesen.
Die Räumung erfolgt in enger Abstimmung und mit einer Sensibilisierung für das Risiko der lokalen Bevölkerung. Nach Abschluss der Arbeiten wird das Land offiziell an die Behörden übergeben. Die Grundstücke können so an die rechtmäßigen Eigentümer*innen zurückgegeben werden.
Zusätzlich zur Minenräumung gehört auch die Risikoaufklärung zur sogenannten humanitären Minenräumung, die einen ganzheitlichen Ansatz verfolgt. Dabei klären mobile Teams von Handicap International die Bewohner*innen über die Gefahren von Minen und explosiven Kriegsresten durch analoge Informationskampagnen – etwa Flyer und Broschüren – sowie über dialogorientierte Formate in den sozialen Medien auf.
Da Kinder fast die Hälfte der Getöteten und Verletzten durch Minen und explosive Kriegsreste ausmachen, weil sie diese aus Neugier anfassen, finden viele Aufklärungsmaßnahmen zudem direkt an Schulen statt.
Welche finanziellen Mittel werden eingesetzt?
Syrien gehört weltweit zu den größten Empfängern von internationaler finanzieller Hilfe in der humanitären Minenräumung. 2024 erhielt Syrien internationale Finanzierung in der Höhe von 28,6 Millionen US-Dollar. Damit gehört Syrien das fünfte Jahr in Folge zur größten Empfängergruppe finanzieller Unterstützung. Nichtsdestotrotz erhielt Syrien im Jahr 2023 weniger Mittel als im Jahr 2024. Der Rückgang lag allerdings bei unter 20%. Im Bereich der Unterstützung von Überlebenden erhielt Syrien 2024 10,9 Millionen US-Dollar, was einem Anteil von 30 Prozent sämtlicher weltweit bereitgestellter Mittel für die Opferfürsorge entspricht. Für die Risikoaufklärung wurden 2024 500.00 US-Dollar bereitgestellt.
Wie hilft Handicap international den Menschen in Syrien?
Neben der Räumung von Kampfmitteln und der Risikoaufklärung, kümmert sich die Handicap International auch mit Physiotherapie, Rollstühlen, Gehhilfen und Prothesen um die Überlebenden von Minenunfällen. Hunderte brauchen eine Erstprothese, andere eine Reparatur. Viele von ihnen sind Vertriebene, die in ihr Heimatdorf zurückgekehrt sind.
Zudem werden die meist stark traumatisierten Menschen psychosozial unterstützt.
Handicap International in Syrien
Handicap International kümmert sich um Reha-Maßnahmen und psychosoziale Unterstützung für Menschen mit Behinderungen.

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Portraits aus unseren Ausstellungen
In Zusammenarbeit mit dem Journalisten und Fotografen Till Mayer haben wir zwei Ausstellung konzipiert, die deutschlandweit verliehen werden. "Barriere:Zonen" und "erschüttert" erzählen bewegende Geschichten von Menschen aus Krisengebieten, von denen viele eine Behinderung haben. Lesen Sie hier Ihre Geschichten.

Osama sitzt seit einem Bombenangriff in Syrien schwer verletzt im Rollstuhl. Und dennoch ist der ehemalige Unternehmer eine Stütze für andere Kriegsverletzte.

Einst floh sie mit ihrer Familie und ihrem Rollstuhl von Syrien nach Deutschland. Heute hat sie ein Buch über ihre Erlebnisse geschrieben und vor den Vereinten Nationen gesprochen.
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Headerbild: Abdelkrims linkes Bein musste nach einem Unfall mit einer Landmine amputiert werden. - © Benoît Almeras/HI



