Landminen in der Ukraine

Die Ukraine ist stark mit Landminen verseucht. Diese stammen teils aus den beiden Weltkriegen und teils aus aktuellen bewaffneten Konflikten der Ukraine mit pro-russischen Separatisten und russischen Streitkräften. Die anhaltenden Konflikte erschweren die Räumung der Minen vor Ort. Immer wieder kommt es zu Unfällen. Zwischen 2014 und 2019 dokumentierte der Landminen-Monitor 2.727 Opfer von Landminen, davon starben 941, weitere 1.786 wurden verletzt. Allein im Jahr 2019 wurden 197 Opfer von Landminen dokumentiert. Als Folge des russischen Angriffskrieg werden die Zahlen voraussichtlich weiter zunehmen.

Die Ukraine ist seit dem 01. Juni 2006 Vertragsstaat der Ottawa-Konvention. Das Land war bereits vor dem Angriffs Russland auf die Ukraine mit Landminen und anderen ERW (engl. Explosive Remnants of War - Explosive Überreste des Kriegs) kontaminiert. Die Kontamination des Landes stammt zum Teil aus dem 1. und 2. Weltkrieg. Zudem wurden Landminen in dem seit 2014 anhaltenden bewaffneten Konflikt zwischen der Ukraine und pro-russischen Separatist*innen eingesetzt, zunächst auf der Krim, später auch in den Regionen Donetsk und Luhansk. Obwohl das genaue Ausmaß der Kontamination noch nicht beurteilt werden konnte, gingen Schätzung von etwa 7.000 km² kontaminierter Fläche auf von der Regierung kontrollierten Gebieten sowie 14.000 km² kontaminierter Fläche in den nicht von der Regierung kontrollierten Gebieten aus.

Landminen im aktuellen Ukraine-Krieg

Seit dem Angriff Russlands im Februar 2022 auf die Ukraine hat Human Rights Watch (HRW) am 28. März zum ersten Mal den Einsatz von Landminen durch Russland in der Ukraine offiziell bestätigt. Eine ukrainische Einheit zur Kampfmittelbeseitigung hatte die Antipersonenminen vom Typ POM-3 in der östlichen Region Charkiw geortet. Bei dem eingesetzten Minentyp handelt es sich um eine neuentwickelte Sprengladung die mit einem seismischen Sensor versehen ist, um eine sich nähernde Person zu erkennen und somit eine Detonation auszulösen. Ausgestattet ist die Antipersonenmine zusätzlich mit einer Selbstzerstörungsvorrichtung, wodurch sich die Sprengladung nach Stunden oder wenigen Tagen angeblich selbst vernichtet. Nach bisher bekannten Informationen kann die Landmine über einen Radius von 16 Metern Tod und Verletzungen verursachen. Die Waffe unterscheidet dabei nicht zwischen militärischem Personal und zivilen Personen. Abgefeuert wurden die Waffen offensichtlich mit ISDM-Raketenwerfern, welche die Minen über eine Reichweite von 5-15 Kilometern befördern können und auch für den Abwurf von Antifahrzeugminen verwendet werden können. 

Action on Armed Violence (AOAV), eine gemeinnützige Forschungsorganisation, die sich für für die Verringerung der Häufigkeit und der Auswirkungen von bewaffneter Gewalt in der Welt einsetzt, hat seit Kriegsbeginn am 24. Februar den Einsatz von explosiven Waffen in der Ukraine aufgezeichnet. Bekannt sind bisher mindestebs 8 Unfälle mit Landminen, bei denen sieben Zivilisten getötet und eine Person verletzt wurden. Die überlieferten Fälle bestätigen einmal mehr, wie willkürlich Landminen eingesetzt werden und welche dramatische Folgen sie für die Zivilbevölkerung haben können. So wurde am 03. April in Brovay, in der Nähe von Kiew, beispielweise eine Landmine durch den Kontakt mit einem vorbeifahrenden Auto ausgelöst. Dabei wurde eine Person getötet und eine weitere verletzt. Am 20. April wurde ein Mann in einem Kiewer Wald durch die Explosion einer Antipersonenmine getötet. Der letzte bekannte tödliche Unfall mit einer Landmine ereignete sich am 09. Mai in Tsyrkuny, in der Nähe von Charkiw, als zwei Frauen durch eine Explosion getötet wurden. Eine weitere Person starb am 24 Mai durch die Explosion einer Antifahrzeugmine. 

Landminen im Konflikt im Donbass

Dem Landminen-Monitor liegen keine glaubhaften Informationen vor, dass die ukrainischen Regierung Antipersonenminen auf vertragswidrige Weise einsetzt. Berichten zufolge wurden in der Ostukraine improvisierte Minen durch pro-russische Separatist*innen in Wohngebieten und in der Nähe ziviler Infrastruktur verlegt. Dies beeinträchtigt das Leben von etwa 2 Mio. Menschen. Diese Landminen wurden in der Sowjetunion in den 1980er Jahren und in Russland in den 2000er Jahren produziert.

Zerstörung der gelagerten Minen

Die Frist zur Zerstörung gelagerter Minen, die auf den 01. Juni 2010 festgesetzt wurde, konnte von der Ukraine nicht eingehalten werden. Somit verstößt das Land in diesem Vertragspunkt seither gegen die Konvention. Auch die festgesetzten Fristen angesichts der Minenräumung wurden wiederholt nicht eingehalten – weder die Frist bis 2016, noch die, welche am 01. Juni 2021 auslief. Dies wurde durch den fehlenden Zugang zu verminten Gebieten auf der Krim sowie in den Regionen Donetsk und Luhansk begründet. Die nächste Frist wurde auf den 01. Dezember 2023 festgelegt. Aufgrund des anhaltenden Konflikts gilt die Einhaltung jedoch eher als unwahrscheinlich. Russland ist nicht Teil der Ottawa-Konvention.