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Landminen in Kroatien

Kroatien ist noch immer mit Landminen verseucht. Diese wurden in den Jugoslawienkriegen der Neunziger verlegt. Trotz großer Fortschritte in der Räumung sind einige Gebiete noch immer kontaminiert. Die restlichen Minen liegen in Kroatien vor allem in bergigen und bewaldeten Gebieten. Mittlerweile kommt es nur noch selten zu Unfällen. In den letzten Jahre haben sich aber Unfälle von Geflüchteten gehäuft, die durch die Wälder Bosniens und Kroatien versuchen, in die EU zu gelangen.

Letztes Update: 20.12.2023

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Kontaminierung

Das Land ist durch den Unabhängigkeitskrieg nach dem Zerfall Jugoslawiens (1991-1995) von Landminen betroffen. Noch bis 2003 wurden Antipersonenminen im Rahmen von kriminellen Aktivitäten eingesetzt. Nach dem Krieg waren 14 von 21 Bezirken in Kroatien mit Landminen kontaminiert.

2022 berichtete der Monitor von 149,7 km2 kontaminierter Fläche in nur noch 6 Bezirken Kroatiens. Fast alle restlichen Minen liegen in Waldgebieten, einige wenige befinden sich noch auf landwirtschaftlich genutzten Flächen. Durch die Kontamination mit Minen ist eine gefahrlose Nutzung der Flächen für die Vieh- und Forstwirtschaft nicht mehr möglich. 

Für Touristen und den Großteil der Bevölkerung besteht kaum eine Gefahr. Die Minenfelder sind mit mindestens 11.454 Warnschildern vollständig markiert. Eine große Gefahr stellen sie jedoch für Geflüchtete dar, die über die Grenzen versuchen, in die EU zu gelangen. Sie müssen sich abseits der geräumten Straßen bewegen und werden so in gefährliche Gebiete gezwungen.

Minenräumung

Kroatien ist ein Mitgliedsstaat des internationalen Landminenverbots. Deshalb muss Kroatien alle Antipersonen-Minen auf seinem Gebiet bis zum 01. März 2026 räumen.

Handicap International hat die Räumung nach dem Krieg viele Jahre unterstützt. Mit den Jahren wurde die staatliche Entminungsagentur immer professioneller und so hat sich Handicap International geplant zurückgezogen.

Die verbleibenden kontaminierten Flächen stellen eine große Herausforderung dar, da sie meist in bergigen oder bewaldeten Gebieten liegen. Doch laut offiziellen Angaben ist das Land auf dem richtigen Weg. Allein im Jahr 2022 wurden 88,47 km² der kontaminierten Fläche erfolgreich geräumt. Noch im Jahr 2025 soll die Minenräumung abgeschlossen werden, sodass 2026 nur noch Organisatorisches übrigbleibt. Bereits im Jahr 2020 meldete Kroatien, dass sämtliche Reste von Streumunition erfolgreich geräumt wurden.

► Lesen Sie hier alles über die Zusammenarbeit von Mensch, Maschine und Tier bei der Minenräumung.

Unfälle mit Minen in Kroatien und Risikoaufklärung

Zwischen 1991 und 2019 dokumentierte der Landminen Monitor in Kroatien insgesamt 1.989 Opfer von explosiven Kampfmittelrückständen (Explosive Remnants of War, ERW).

Im Jahr 2019 wurde über zwei Minenunfälle berichtet, jeweils durch eine Antipersonenmine und eine Antifahrzeugmine. Glücklicherweise überlebten beide. Im März 2021 starb ein Mensch bei dem Versuch, mit weiteren Geflüchteten von Bosnien aus in die EU zu gelangen.

Wie in der Ottawa-Konvention vereinbart, engagiert sich Kroatien auch in der Risikoaufklärung, um Unglücke durch Landminen zu vermeiden.

Handicap International unterstützte lokale Organisationen viele Jahre bei der Aufklärung und auch bei der Versorgung von Minenopfern. Da die lokalen, kroatischen NGOs mit der Zeit immer professioneller wurden und gleichzeitig die internationalen Finanzmittel zurückgingen, zog sich Handicap International schließlich geplant zurück.

Heute richten sich Aufklärungsangebote hauptsächlich an Schüler*innen aus den mit Landminen kontaminierten Regionen. Aber auch Geflüchtete sollen nach Möglichkeit über die Gefahren durch Landminen aufgeklärt werden: Sowohl im Grenzgebiet zu Serbien, als auch an der Grenze zu Bosnien und Herzegowina sind Landminen vergraben.

Portraits aus unseren Ausstellungen

In Zusammenarbeit mit dem Journalisten und Fotografen Till Mayer haben wir zwei Ausstellung konzipiert, die deutschlandweit verliehen werden. "Barriere:Zonen" und "erschüttert" erzählen bewegende Geschichten von Menschen aus Krisengebieten, von denen viele eine Behinderung haben. Lesen Sie hier Ihre Geschichten.

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