Landminen in Bosnien und Herzegowina |  Landmine.de

Landminen in Bosnien und Herzegowina

Bosnien und Herzegowina ist das am stärksten mit Landminen verseuchte Land Europas. Die Minenräumung kommt nur schleppend voran und so kommt es immer wieder zu tödlichen Unfällen. Besonders wichtig ist deshalb die Risikoaufklärung der Bevölkerung. Die Landminen stammen noch aus den Balkankriegen der Neunziger Jahre.

Letztes Update: 01.12.2023

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Kontaminierung

Das Land ist durch den Unabhängigkeitskrieg nach dem Zerfall Jugoslawiens (1991-1995) von Landminen betroffen. Nach dem Ende des Krieges 1992-1995 war Bosnien und Herzegowina mit mehr als 120.000 Minen verseucht.

Das genaue Ausmaß der Kontaminierung ist unbekannt, es wird aber aktuell (Stand Ende 2022) von 869,61 km² verminter Fläche ausgegangen. Das stellt eine Verbesserung gegenüber den 922,37 km² dar, die Ende 2021 gemeldet wurden. Dies ist in erster Linie auf die Eliminierung von Gefahrenzonen zurückzuführen, bei welchen ursprünglich Minenkontaminierung vermutet wurde.

► Lesen Sie hier unseren Hauptartikel über Landminen

Fluten von 2014

Im Mai 2014 wurde das Land von heftigen Regenfällen heimgesucht. Laut den Vereinten Nationen wurde auch Land überschwemmt, in dem Minen vergraben waren – die nun eventuell an neue Orte gespült wurden. Handicap International wurde sofort aktiv und half bei der Risikoaufklärung und der neuen Kartierung.

Minenräumung

Als Mitgliedsstaat des Landminenverbotsvertrags muss Bosnien und Herzegowina alle Antipersonen-Minen auf seinem Gebiet räumen.

Die im Juni 2020 auslaufende Frist zur Minenräumung konnte nicht eingehalten werden. Gründe dafür waren der Mangel an finanziellen Mitteln, das große Ausmaß der Kontaminierung, fehlende Informationen bezüglich der kontaminierten Flächen sowie ungünstige klimatische Bedingungen. Die nächste Frist wurde auf den 01. März 2027 festgelegt.

Handicap International hat die Räumung nach dem Krieg viele Jahre unterstützt. Mit den Jahren wurde die staatliche Entminungsagentur immer professioneller und so hat sich Handicap International geplant zurückgezogen.

► Lesen Sie hier unseren Hauptartikel zu Minenräumung

Unfälle und Risikoaufklärung

Zwischen 1992 und 2019 dokumentierte der Landminen Monitor in Bosnien und Herzegowina insgesamt 8.120 Minenopfer. Davon 6.354 während des Krieges von 1992-1995 und 1.766 seit 1996.Im Jahr 2019 starben 2 Minenräumer*innen, vier wurden verletzt.

Wie in der Ottawa-Konvention vereinbart, engagiert sich Bosnien und Herzegowina in der Risikoaufklärung, um Unglücke durch Landminen zu vermeiden. Diese konzentriert sich auf ländliche Gegenden, in denen ein Großteil der von Minen betroffenen Bevölkerung lebt. Aber auch Geflüchtete sollen nach Möglichkeit über die Gefahren durch Landminen aufgeklärt werden: im Grenzgebiet zu Kroatien sind Minen vergraben, die für Geflüchtete abseits der regulären Wege eine besondere Gefahr darstellen.

Handicap International unterstützte lokale Organisationen viele Jahre bei der Aufklärung und auch bei der Versorgung von Minenopfern. Da die lokalen, kroatischen NGOs mit der Zeit immer professioneller wurden und gleichzeitig die internationalen Finanzmittel zurückgingen, zog sich Handicap International schließlich geplant zurück.

Portraits aus unseren Ausstellungen

In Zusammenarbeit mit dem Journalisten und Fotografen Till Mayer haben wir zwei Ausstellung konzipiert, die deutschlandweit verliehen werden. "Barriere:Zonen" und "erschüttert" erzählen bewegende Geschichten von Menschen aus Krisengebieten, von denen viele eine Behinderung haben. Lesen Sie hier Ihre Geschichten.

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Headerbild: Entminer im bosnischen Wald. - © Jasmin Brutus / Handicap International