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Was sind Landminen?

Landminen - Anti-Personen-Minen und Anti-Fahrzeug-Minen - sind geduldige und heimtückische Waffen: Sie sind oft mit dem bloßen Auge unsichtbar und lösen aus, wenn Menschen mit ihnen unabsichtlich in Kontakt kommen. Fast immer verletzten sie ihre Opfer schwer, manchmal töten sie sie auch. Dies geschieht häufig auch noch Jahrzehnte nachdem sie verlegt worden sind.

Landminen können nicht zwischen Militär, Kämpfenden und Zivilbevölkerung unterscheiden und bleiben oft noch Jahre nach Konfliktende im Erdreich versteckt (sie gehören dann zur größeren Gruppe der nicht explodierten Kampfmittel - unexploded ordnance, kurz UXO). Daher stammen mehr als Dreiviertel aller Minenopfer aus der Zivilbevölkerung. Verminte Gebiete stellen eine große Gefahr für die Bevölkerung dar.

Deswegen wurden Antipersonenminen durch die Ottawa-Konvention, die 1999 in Kraft trat und Stand 2021 von 163 Staaten ratifiziert worden ist, verboten. Seitdem ist der geschätzte weltweite Bestand von Landminen von 160 Mio. auf 50 Mio. zurückgegangen. 31 ehemals kontaminierte Länder/Gebiete sind dank erfolgreicher Minenräumung als minenfrei erklärt worden. Wichtige Staaten, wie die USA, China oder Russland sind dem Abkommen nicht beigetreten. Betroffene, die eine Minenexplosion überlebt haben, tragen oft lebenslange Verletzungen und Behinderungen mit sich. Sie sind somit noch lange nach dem Vorfall auf Hilfe angewiesen.

Obwohl auch die Notwendigkeit der Opferhilfe in der Ottawa-Konvention festgehalten ist, geht diese oft nicht weit genug und wird zu früh eingestellt. Hier leistet die Hilfsorganisation Handicap International (HI) einen wichtigen Beitrag: Sie versorgt die Überlebenden und ihre Angehörigen und setzt sich für eine Welt ohne Minen ein.
               
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Wie funktionieren Landminen?

Landminen sind sogenannte Opfer-aktivierte Waffen. Das heißt sie richten sich gegen die Person oder das Fahrzeug, die sie durch Berührung oder ein anderes Verhalten ausgelöst haben (manchmal sind die Auslöser auch Tiere oder schlicht Umwelteinflüsse). Sie werden direkt unter der Erdoberfläche verlegt oder in der Vegetation verborgen und werden meist unabsichtlich durch Berührung der Mine oder eines entsprechenden Mechanismus Falle ausgelöst. Sämtliche Minenarten unterscheiden nicht zwischen „Freund*in oder Feind*in“ und töten und verletzen somit willkürlich und im besonderen Maße die Zivilbevölkerung. Weltweit soll es ca. 600 verschiedene Arten von Minen geben, die grob in zwei Gruppen unterteilt werden:

Antipersonenminen

richten sich direkt gegen Menschen und werden meist durch Berührung oder einen anderen sensiblen Mechanismus, wie einen Stolperdraht und einen Bewegungsmelder ausgelöst. Sie sind durch die Ottawa-Konvention verboten.

Frank Masche, ein ehemaliger Entminer, erklärt in diesem (qualitativ leider veraltetem) Video anschaulich die perfide Wirkungsweise diverser Antipersonenminen:

Panzerminen - Antifahrzeugminen

richten sich vordergründig gegen Fahrzeuge aller Art und reagieren entweder auf das einfache Überfahren oder werden durch Sensoren, die auf Motorwärme, Motorgeräusche oder Bodenerschütterung reagieren, ausgelöst. Panzerminen gefährden dadurch aber auch zivile Fahrzeuge, wie Motorräder, PKWs, Busse, LKWs oder landwirtschaftliche Nutzfahrzeuge sowie deren Insassen. Anders als Antipersonenminen sind Antifahrzeugminen nicht durch das internationale Verbot geächtet.

In diesem Video erklärt Frank Masche Antifahrzeugminen:

Was sind die Wirkung und Folgen von Landminen?

Landminen sind so gebaut, dass sie die Menschen, die sie auslösen, in den meisten Fällen schwer verletzen und manchmal auch töten. Dahinter steckt das perfide militärische Kalkül, dass Schwerverletzte den gegnerischen Staat mehr Ressourcen kosten, als gefallene Soldat*innen.

Zahlreiche Unfälle mit Minen ereignen sich allerdings nicht im militärischen Kontext, sondern im Alltag, insbesondere in ländlichen Gebieten. Deswegen ist durch Landminen vor allem die Zivilbevölkerung betroffen. 2019 kamen 80% der Opfer aus der Zivilbevölkerung, 40% davon waren Kinder. Selbst Jahrzehnte nach dem Ende eines Konflikts leidet die Bevölkerung noch unter den Auswirkungen von Landminen: Sie stellen eine permanente Gefahr dar und schädigen die Infrastruktur. Aufgrund der Verseuchung mit Landminen bleiben meist ganze Landstriche unbewohnbar und landwirtschaftliche Flächen können nicht bestellt werden.

Menschen, die einen Minenunfall mit schweren Verletzungen überleben, sind meist ihr Leben lang auf Hilfe angewiesen. Zusätzlich werden Betroffene durch die körperlichen Einschränkungen oft aus der Gesellschaft ausgeschlossen und sind Opfer von Diskriminierung und Stigmatisierung. Auch Familien und Angehörigen der Überlebenden leiden psychisch und wirtschaftlich unter der Situation. Sie verlieren einen Menschen, der für ihren Unterhalt arbeitet, oder sie können selbst nicht mehr für ihren Lebensunterhalt sorgen, da die häusliche Pflege zu zeitintensiv ist. Viele Familien verschulden sich daher, um sich die teure medizinische Behandlung leisten zu können.

Im Landminemonitor finden Sie noch mehr Fakten zur aktuellen, weltweiten Minensituation

Daten/Fakten zu Landminen

  • Seit dem Anfang der Erfassung 1999 hat der Monitor (der zentrale Jahresbericht zu Minen) über 130.000 Opfer durch Minen und UXO gezählt, darunter 90.000 Überlebende. Hinzu kommt, dass von einer sehr hohen Dunkelziffer ausgegangen wird. Deswegen wird die reale Zahl bis zu dreimal höher geschätzt.
  • Noch heute sind bis zu 60 Staaten und Gebiete von Landminen kontaminiert. Eine massive Kontamination (mehr als 100 m² im Land) vermutet man in Afghanistan, Äthiopien, Bosnien und Herzegowina, Irak, Jemen, Kambodscha, Kroatien, Thailand, Türkei und Ukraine.